Neues vom HSV : Klaus-Michael Kühne droht mit Rückzug, Poker um Verträge von Hunt und Arp

Verlängert der HSV mit Hunt, der eigentlich zu teuer ist? Was macht Arp? Und was ist eigentlich im Aufsichtsrat los?

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08. November 2017, 09:28 Uhr

Hamburg | Investor Klaus-Michael Kühne hat mit seinem Rückzug als Geldgeber des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV gedroht. Grund ist die anstehende Neubesetzung des Aufsichtsrates. „Ich erkläre hiermit, dass ich der HSV Fußball AG zukünftig nur dann eine finanzielle Unterstützung gewähren werde, wenn sie über den von mir befürworteten, unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat verfügt und es diesem gelingt, Persönlichkeiten für die Führung der HSV Fußball AG zu gewinnen, die über große Managementqualität und -erfahrung verfügen“, schrieb Kühne am Dienstag in einer Presseerklärung.

„Es ist ein Austausch zwischen dem Gesellschafter Herrn Kühne und dem Aufsichtsrat. Der Vorstand hat nicht das Recht und nicht die Pflicht zu diesen Dingen Stellung zu nehmen“, sagte HSV-Vorstandschef Heribert Bruchhagen am Abend bei Sport1. „Das habe ich nicht zu kommentieren, das ist auch bei großen Unternehmen so“, meinte Bruchhagen und versicherte: „Ich habe mit Herrn Kühne einen sehr guten und freundschaftlichen Austausch.“

Diskussionen um Kühne-Vertreter im Aufsichtsrat

Vor der Hauptversammlung der Fußball-AG des Bundesligisten Hamburger SV am 18. Dezember gibt es Unruhe. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung (Bezahlinhalt) sind im HSV e.V. mit seinen Amateurabteilungen Bestrebungen aufgekommen, den zur Wahl stehenden Aufsichtsrat ohne einen Vertreter von Investor Klaus-Michael Kühne besetzen zu wollen. Kühnes Interessenvertreter im Kontrollgremium des HSV ist Karl Gernandt, Präsident der Kühne Holding AG. Der war von Juli 2014 bis Dezember 2016 Aufsichtsratsvorsitzender beim HSV, rückte dann ins zweite Glied.

Unternehmer und HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne (l.) und Karl Gernandt, Präsident des Verwaltungsrats von Kühne+Nagel und ehemaliger Aufsichtsratvorsitzender HSV Fußball AG.
dpa/Archiv

Unternehmer und HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne (l.) und Karl Gernandt, Präsident des Verwaltungsrats von Kühne+Nagel und ehemaliger Aufsichtsratvorsitzender der HSV Fußball AG.

Der HSV mit seinen Rekordverbindlichkeiten von 105,1 Millionen Euro und einem Defizit im vergangenen Geschäftsjahr von 13,4 Millionen Euro kann es sich nicht leisten, auf das Geld Kühnes zu verzichten. Der Milliardär beziffert sein bisheriges Engagement auf rund 60 Millionen Euro.

Kühne befürchtet, dass der Aufsichtsrat künftig nicht aus „unabhängigen Persönlichkeiten“ mit „Führungs- und Wirtschaftskompetenz“ bestehen könnte, sondern aus „größtenteils vereinsabhängigen Personen, die einseitig von Vereinspräsident Jens Meier nach Anhörung eines Beirats bestimmt werden sollen.“ Aus diesem Grund habe sich sein Vertrauter Gernandt entschlossen, „einem solchen Aufsichtsrat nicht mehr anzugehören“.

Derzeit besteht der Aufsichtsrat aus Rechtsanwalt Andreas C. Peters (Vorsitzender), Wirtschaftsmanager Felix Goedhart, dem Präsidenten des HSV e.V. Jens Meier, Bau-Unternehmer Dieter Becken, dem Klitschko-Manager Bernd Bönte und Gernandt. Bönte hat seinen Rückzug angekündigt. Als Kandidaten werden Ex-HSV-Profi Marcell Jansen, Jens Luther, Vorstandsvorsitzender der Hanseatischen Krankenkasse HEK, und Karl J. Pojer, Chef von Hapag-Lloyd Cruises, gehandelt.

Kühne als wichtigster Aktionär neben dem HSV e.V. (75,1 Prozent) soll seinen Anteil an der AG laut „Bild“ mittlerweile auf 20 Prozent erhöht haben. Aufgrund seiner Stellung und seines Engagements wird er auf einen Vertreter im Rat nicht verzichten wollen. Das ist auch nicht Bestreben der ausgegliederten Fußball-AG. Über die Zusammensetzung des sechsköpfigen Aufsichtsrates entscheiden jedoch Präsidium und Beirat des HSV e.V.. Die Kandidaten werden bei der Hauptversammlung durch die Mitglieder gewählt.

Vertragspoker von Aaron Hunt

Aaron Hunt ist in Topform - und bei HSV-Coach Markus Gisdol gesetzt. Doch wie lange geht das noch? Der Vertrag des 31-Jährigen läuft im Sommer aus, müsste in der Winterpause verlängert werden. Scheitern könnten die Verhandlungen an seinem Gehalt.

Zurzeit verdient der Mittefeldregisseur laut „Hamburger Morgenpost“ drei Millionen Euro im Jahr. Das dürfte für die klamme HSV-Kasse zu teuer sein. Will Hunt in Hamburg bleiben, würde wohl versucht werden, sein Gehalt zu drücken. Dass es Hunt an der Elbe gefällt, zeigt sein aktuelles Formhoch. Beim HSV ist er momentan aus der Startelf nicht wegzudenken. Dabei stand er im Sommer noch vor einem Wechsel und auch schon im vergangenen Winter, als er allerdings einen Deal mit Trabzonspor in der Türkei ablehnte. Hunt blieb mit ungewisser Zukunft in Hamburg.

Nicht nur die Personalie Hunt beschäftigt die HSV-Oberen in der Winterpause. Gerne würde man die jungen Shootingstars Tatsujy Ito und Jann-Fiete Arp längerfristig in Hamburg halten. Auch das dürfte kosten. Verlängert werden soll zudem mit Nicolai Müller, der mit wohl 2,8 Millionen Euro, zu den Besserverdienden beim Bundesliga-Dino zählt.

Vertrag von Jann-Fiete Arp

In der Diskussion um die Verlängerung des Vertrages von Stürmertalent Jann-Fiete Arp ist jetzt der Junioren-Nationalspieler gefordert. „Wenn Fiete neue Verhandlungen aufnehmen möchte, müsste das Signal von ihm kommen“, sagte Arps Berater Jürgen Milewski der „Hamburger Morgenpost“. Der 60 Jahre alte Milewski war selbst HSV-Profi, holte mit der Mannschaft zwei Meistertitel (1982, 1983) und den Europacup der Landesmeister (1983).

Der Vertrag des 17 Jahre alten Torjägers war erst im Sommer um ein Jahr bis 2019 verlängert worden. Schon da hatte der HSV seinem Hoffnungsträger einen Fünf-Jahres-Kontrakt angeboten. Arp wollte aber erst die Entwicklung abwarten. Sollte in naher Zukunft ein Transfer zu einem Top-Club unumgänglich sein, bietet ein langfristiger Vertrag dem HSV zumindest die Chance auf eine höhere Ablösesumme.

Die Hamburger wollen Arps Zufriedenheit in der Hansestadt mit vielen Einsatzmöglichkeiten bei den Profis steigern. „So haben wir Top-Argumente, um zu verlängern. Wir verschlafen das nicht“, sagte HSV-Sportchef Jens Todt. Bislang hatte Arp zwei Kurzeinsätze und stand einmal in der Startelf. Dabei erzielte er zwei Tore.

HSV gegen Gladbach live im ZDF

Die Partie des Hamburger SV bei Borussia Mönchengladbach am 15. Dezember ist um 20.30 Uhr live im ZDF zu sehen. Das teilte die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Dienstag mit. Die Übertragungsrechte sehen vor, dass ein Spiel am 17. Spieltag im ZDF gezeigt wird.

Die DFL gab die konkreten Bundesliga-Termine für die Spieltage 15 bis 22 bekannt. Demnach müssen die Hamburger fünfmal am Samstag sowie je einmal am Dienstag, Freitag und Sonntag antreten.

Vor der Winterpause bestreitet die Bundesliga noch eine Englische Woche: Der HSV empfängt am 9. Dezember (15.30 Uhr) den VfL Wolfsburg, hat drei Tage später (12. Dezember/20.30 Uhr) erneut Heimrecht gegen Eintracht Frankfurt und muss wiederum drei Tage später in Mönchengladbach antreten.

Weiter geht es im neuen Jahr mit der Partie beim FC Augsburg am 13. Januar (15.30 Uhr). Es folgen HSV gegen 1. FC Köln am 20. Januar (18.30 Uhr), das Auswärtsspiel gegen RB Leipzig am 27. Januar (15.30 Uhr), HSV gegen Hannover 96 am 4. Februar (18 Uhr) und Borussia Dortmund gegen HSV am 10. Februar (15.30 Uhr).

Sieben HSV-Profis im Länderspieleinsatz

Die weiteste Reise hat in dieser Woche Filip Kostic vor sich. Mit Serbiens Nationalteam fliegt er am Dienstag nach China und Südkorea. Am Freitag spielt Serbien gegen China in Guangzhou, vier Tage später trifft der WM-Teilnehmer in Ulsan auf Südkorea. Drei Tage vor dem nächsten HSV-Spiel  auf Schalke (19.11) wird Kostic zurück in der Hansestadt erwartet.

Während der Serbe durch Asien tourt, bleibt Mannschaftskamerad Bobby Wood Zuhause. Der Stürmer verpasst seinen Länderspieleinsatz mit der US-Auswahl gegen Portugal. Der Grund: Woods lädiertes Knie, das er nun in Hamburg pflegen lassen kann.

Außer Kostic sind auch Albin Ekdal, Kyriakos Papadopoulos, Gotoku Sakai, Mergim Mavraj, Rick van Drongelen und Vasilije Janjicic im Länderspieleinsatz.

 

Vier Neue auf dem Trainingsplatz

Während der Länderspielpause stockt HSV-Coach Markus Gisdol den Kader im Training auf. Neu dabei sind Mats Köhlert, Stephan Ambrosius (beide U21), Tobias Knost und Marco Drawz (beide U19).

 

Am Dienstag nur individuell in der Arena trainieren konnten Aaron Hunt und Bobby Wood. Lewis Holtby, der im Spiel gegen den VfB Stuttgart nicht im Kader stand, sondern auf der Tribüne Platz nehmen musste, liegt flach.

Jann-Fiete Arp, der aktuell große Hoffnungen an der Elbe schürt, hat für die gesamte Woche ein individuelles Trainingsprogramm erhalten. Ab kommenden Montag ist er wieder im Volkspark dabei.

 

mit dpa

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