KSC gegen HSV : Karlsruher SC: Was Sie über Hamburgs Gegner in der Relegation wissen sollten

Beim KSC haben schon einige bekannte Gesichter gearbeitet. Ein Schleswig-Holsteiner könnte dem HSV besonders gefährlich werden.

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25. Mai 2015, 14:49 Uhr

Karlsruhe/Hamburg | Ein kämpferischer Karlsruher SC sieht die Relegation als historische Chance und will die Ära des Liga-„Dinos“ Hamburger SV beenden. „Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir die Uhr abstellen“, meinte Verteidiger Philipp Max in Anspielung an die digitale Anzeige im Stadion der Hanseaten, die auf über 50 Jahre Bundesliga-Zugehörigkeit verweist. Mit Wucht und Wille räumte der KSC am letzten Spieltag der 2. Liga den TSV 1860 München bei Seite und verteidigte mit dem 2:0 (1:0)-Erfolg den dritten Tabellenplatz. Was Sie noch über den Gegener des HSV wissen sollten:

Wie der HSV: Der KSC ist ein Traditionsverein

Schon 1964 spielten der KSC und der HSV gegeneinander: Hamburgs Uwe Seeler (re.i)m Duell gegen Torwart Manfred Paul und Horst Saida.
imago/Kicker
Schon 1964 spielten der KSC und der HSV gegeneinander: Hamburgs Uwe Seeler (re.) im Duell gegen Torwart Manfred Paul und Horst Saida.
 

Karslruhe war 1963 Gründungsmitglied der Bundesliga. Weitere Vereine der ersten Stunde waren der 1. FC Köln, Borussia Dortmund, Schalke 04, Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, der 1. FC Nürnberg, 1, FC Saarbrücken, der Hamburger SV, Hertha BSC, Preußen Münster, der Meidericher SV, Eintracht Braunschweig, 1. FC Kaiserslautern, 1860 München und der VfB Stuttgart.

Bekannte Gesichter beim KSC

Bruno Labbadia beendete seine Profi-Karriere in Karlsruhe.
imago/Ulmer
Bruno Labbadia beendete seine Profi-Karriere in Karlsruhe.

Beim KSC haben schon viele große Fußballer gespielt. Die Liste ist lang (und zum Beispiel bei Wikipedia nachzulesen). Nennen wir nur kurz ein paar Namen:

  • Oliver Kahns Karriere begann beim KSC. Schon sein Vater Rolf spielte von 1963 bis 1965 für den Verein in der Bundesliga. Olli Kahn stand beim legendären Wunder vom Wildpark 1993 im Tor, als der KSC den FC Valencia in einem UEFA-Pokal-Spiel mit 7:0 schlug.
  • Thomas Häßler kam 1994 zum KSC und absolvierte dort bis zu seinem Vereinswechsel 1998 42 seiner insgesamt 101 Länderspiele.
  • Mehmet Scholl begann seine Profikarriere 1989 beim KSC. In seinen ersten drei Bundesliga-Jahren beim KSC wurde schnell sein Talent als technisch versierter Mittelfeldspieler erkennbar, und so wechselte er 1992 zum FC Bayern München.
  • Bruno Labbadia beendete seine Profi-Karriere in Karlsruhe. Von 2001 bis 2003 absolvierte er für den KSC 60 Zweitligaspiele und schoss 18 Tore. Nun auf seinen Ex-Club zu treffen, findet Labbadia „schwierig“. „Aber mein Herz schlägt für den HSV, und wir wollen mit aller Macht in der Bundesliga bleiben.“

Der KSC und seine Trainer

Joachim Löw arbeite 177 Tage als Trainer für den KSC.
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Joachim Löw arbeite 177 Tage als Trainer für den KSC.

Der HSV wechselte seine Trainer zuletzt am laufenden Band. Der KSC kann da fast mithalten. Als Winfried Schäfer im Sommer 1986 das Traineramt beim Karlsruher SC übernahm, hatte der Verein in den 34 Jahren seit der Fusion schon 24 Vorgänger auf diesem Posten erlebt. Die rund 17 Monate, die ein Trainer bis dato durchschnittlich für den Verein tätig war, sollte Schäfer um ein Vielfaches übertreffen. Seine fast 12 Jahre währende Amtszeit ist eine der längsten, die es bisher im deutschen Profifußball gab, und war für den KSC die erfolgreichste Zeit der jüngeren Vereinsgeschichte.

Insgesamt waren bis zum heutigen Tag 37 verschiedene Trainer für die erste Mannschaft der Karlsruher verantwortlich gewesen. Nur 15 von ihnen erlebten eine komplette Spielzeit in dieser Position; vor dem aktuellen Trainer Markus Kauczinski in der Saison 2012/13 gelang dies zuletzt Edmund Becker in der Spielzeit 2008/09. Einer von den KSC-Kurzzeittrainern war übrigens auch der heutige Bundestrainer Joachim Löw. Er wurde 1999 verpflichtet, um den KSC vor der Regionalliga zu retten – und scheiterte. Löw blieb nur 177 Tage im Amt.

 

Von der ersten bis zur dritten Liga: Der KSC ist eine Fahrstuhlmannschaft

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Den ersten Abstieg in die 2. Liga muss Karlsruhe 1968 wegstecken. Sieben Jahre später schafft es der KSC wieder ins Oberhaus. Zwischen 1975 und 1986 spielt der Club jeweils sechs Jahre in der 1. und 2. Bundesliga. Unter Trainer Winfried Schäfer erlebte der KSC einen Aufschwung. Er verhilft dem Verein 1987 zum Aufstieg, die Saison 1991/92 schließt die Mannschaft auf Rang acht und damit erstmals auf einem einstelligen Tabellenplatz ab.

Abgänge wie die von Oliver Kahn, Mehmet Scholl oder Jens Nowotny machen dem Verein immer wieder zu schaffen. 1998 muss der KSC in die 2. Liga runter, zwei Jahre später rutscht er gar in die Regionalliga. Unter Stefan Kuntz gelingt 2001 der sofortige Wiederaufstieg.

2005 rückt Edmund Becker zum Chefcoach auf. Er sorgt für einen Höhenflug: Unter seiner Regie steigt der Club 2007 nach neunjähriger Bundesliga-Abstinenz wieder in die oberste Spielklasse auf. Zwei Jahre später geht der KSC aber wieder runter - zum insgesamt sechsten Mal. 2012 scheitern die Karlsruher in der Relegation an Jahn Regensburg und müssen sogar in die 3. Liga absteigen.

Unter Coach Markus Kauczinski kehrte dann wieder Stabilität ein, 2013 ist der KSC zurück in der 2. Liga und entwickelt sich zu einem Spitzenteam.

Der KSC war fast zahlungsunfähig

Als der Traditionsclub zwischenzeitig in die 3. Liga abgestürzt war, bracht da den KSC in große Bedrängnis. Der Verein stand vor der Zahlungsunfähigkeit. „Vor drei Jahren waren wir eigentlich klinisch tot“, sagte Präsident Ingo Wellenreuther vor den Entscheidungsspielen am Donnerstag und kommenden Montag (jeweils 20.30 Uhr/ARD) gegen den HSV. Und ergänzte entschlossen: „Wir wollen jetzt mit aller Macht unsere Chance wahrnehmen. Es ist ein sehr gutes Gefühl, weil wir jetzt im Fokus von ganz Deutschland stehen.“

Aufpassen, HSV: Ein Schleswig-Holsteiner könnte Euch gefährlich werden

Rouwen Hennings wurde 1987 in Bad Oldesloe geboren.
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Rouwen Hennings wurde 1987 in Bad Oldesloe geboren.
 

Schießt ein Schleswig-Holsteiner den HSV in die 2. Liga? Gemeint ist Rouwen Hennings. Der KSC-Stürmer wurde 1987 in Bad Oldesloe im Kreis Stormarn geboren. Mit 17 Treffern ist er 2014/2015 Torschützenkönig geworden.

In der Jugend spielte Hennings beim VfL Oldesloe, von dort wechselte er 2001 zum HSV (!). Von 2005 bis 2007 spielte er bei den Hamburgern in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga Nord. Bundesliga-Luft durfte Hennings auch schon schnuppern. In der Saison 2008/2009 wurde er vom VfL Osnabrück an St. Pauli ausgeliehen. Nach dem Aufstieg in die Bundesiliga 2010/2011 kam er am 21. August 2010 (1. Spieltag) beim 3:1-Sieg im Auswärtsspiel gegen den SC Freiburg auch zu seinem Bundesligadebüt. Seit 2012 spielt Hennings für Karlsruhe.

Vor dem Spiel gegen seinen Ex-Verein gibt sich der 27-Jährige kämpferisch: „Wir sind nicht unbedingt der Favorit, aber wir sind auch kein Kanonenfutter und fahren da nicht zum Besichtigen hin.“

Die spannenden Relegations-Tage im Überblick:
Donnerstag, 28. Mai: Hamburger SV gegen Karlsruhe
Freitag, 29. Mai: Holstein Kiel gegen 1860 München
Montag, 1. Juni: Karlsruhe gegen Hamburger SV
Dienstag, 2. Juni: 1860 München gegen Holstein Kiel

Karten für das Heimspiel gegen den KSC sind bereits ausverkauft. „Ihr seid der Wahnsinn!“, twitterte der HSV am Pfingstmontag. Denn binnen 40 Stunden waren sämtliche 57.000 Tickets vergeben. Kurz darauf war auch das HSV-Kontingent von rund 3500 Karten für das zweite Duell in gut einer Stunde vergriffen, meldete der HSV.

(mit dpa)

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