HSV-Stürmer aus Bad Segeberg : Jann-Fiete Arp gibt keine Interviews - das sagen andere über ihn

Jann-Fiete Arp nach dem HSV-Sieg gegen den VfB Stuttgart. Der 17-Jährige ist der Matchwinner.

Jann-Fiete Arp nach dem HSV-Sieg gegen den VfB Stuttgart. Der 17-Jährige ist der Matchwinner.

Mit 17 Jahren ist Arp die neue Hoffnung beim Bundesliga-Dino. Er wird schon „Uns Fiete“ genannt - und Uwe Seeler findet's gut.

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06. November 2017, 16:56 Uhr

Hamburg | „Uns Fiete“, „Arpgefahren“ oder „Arp und wie er die Welt sah“ – in der Berichterstattung über das junge HSV-Juwel Jann-Fiete Arp überschlagen sich die Medien mit Wortspielen. Doch sind Vergleiche mit Uwe Seeler nicht zu weit hergeholt oder doch gerechtfertigt? shz.de hat die Meinungen über das 17-jährige Ausnahmetalent zusammengetragen.

Großartige Leistung gekrönt mit einem Tor: Beim 3:1-Erfolg der Hamburger gegen den VfB Stuttgart avancierte Jann-Fiete Arp zum Matchwinner. Für die Journalisten im Stadion war der 17-Jährige der begehrteste Gesprächpartner. Vor das Mikro bekam ihn jedoch keiner. Arp verlässt das HSV-Stadion durch einen Hinterausgang. Der Verein schirmt seinen jungen Hoffnungsträger vor der Presse ab. Stattdessen interviewen HSV-Mitarbeiter ihren Stürmer selbst. Wer das Video, das der HSV auf seiner Homepage veröffentlichte, allerdings komplett ansehen möchte, muss zahlen. In den sozialen Netzwerken veröffentlicht die HSV-Presseabteilung nur einen Teaser.

 

Beim HSV wollen sie Arp schützen, ihn langsam an die großen Herausforderungen heranführen. „Um den jungen Burschen wird so viel Wirbel gemacht. Es ist nicht so schlimm, wenn man ihn nicht gleich so in den Mittelpunkt stellt“, sagt Trainer Markus Gisdol. Und auch Sportchef Jens Todt sagt im Interview mit dem Fernsehsender „Sky“: „Wir dürfen nicht den Fehler machen, die Last der Verantwortung auf die Schultern der ganz jungen Spieler zu legen. Sie müssen die Chance haben, ganz unbeschwert in eine funktionierende Mannschaft zu kommen, um ihre ersten Spiele zu machen. Das Gefühl wollen wir ihnen auch geben.“

Einer der älteren Mitspieler von Arp im HSV-Dress, Aaron Hunt, sieht es ähnlich. Er verteilt Lob, mahnt aber auch: „Er ist ein gutes Talent für seine 17 Jahre“. Arp müsse „weiter hart arbeiten, dann kann er ein guter Spieler werden. Ich halte nichts davon, zu viel Druck auszuüben und ihn zu groß zu machen“, sagt Hunt.

Doch insgeheim hoffen sie beim HSV auf den jungen Retter Jann-Fiete Arp. Den Jugendlichen aus Bad Segeberg, dessen Saat beim SV Wahlstedt gestreut wurde. Und der gerade erst Abitur macht.

Seine ersten sechs Fußballjahre verbringt Arp beim SV Wahlstedt. 2010 wechselt er in das Nachwuchsleistungszentrum vom HSV. Seit der U11 ist er eine Rothose. Zur Saison 2017/18 rückt Arp in den erweiterten Profikader, am 1. Juli bezieht er ein Internatszimmer in der Alexander-Otto-Akademie. Arp erhält auch ein Angebot des englischen Meisters FC Chelsea, das er aber ablehnt. Weil er noch zur Schule geht, gerade sein Abitur am Gymnasium Heidberg in Hamburg macht, steigt Arp nach der Saisonvorbereitung beim HSV erstmal wieder ins Training bei der A-Jugend ein. Er trainiert nur einmal wöchentlich mit den Profis.

Doch der junge Knipser sorgt trotzdem schnell für Aufsehen bei HSV-Coach Markus Gisdol. Er schießt in drei Spielen in der A-Junioren-Bundesliga sieben Tore, Gisdol holt ihn gegen Werder Bremen in den Kader.

„Eigentlich hat er alles“

125 Bundesligaminuten hat Arp bisher gerade mal gespielt. Und doch können die Lobeshymnen gar nicht hoch genug ausfallen. Zum ersten Mal eingewechselt wird Arp als erster Spieler des Jahrgangs 2000 im Nordderby am 30. September gegen Werder Bremen. Rund vier Wochen später erzielt er gegen Hertha BSC seinen ersten Bundesliga-Treffer. Er ist jüngster Torschütze der HSV-Bundesligahistorie. Im nächsten Spiel gegen den VfB Stuttgart erzielt Arp sein zweites Tor. Folgerichtig bescheinigt Dennis Diekmeier ihm einen „überragenden Torabschluss“.

Bei der U17-Europameisterschaft in Kroatien gelingt Arp im Vorrundenspiel gegen Bosnien und Herzegowina  in nur zwölf Minuten der schnellste Hattrick der Turniergeschichte. Ein Jahr später wird sein Tor bei der U-17-Weltmeisterschaft Indien im Achtelfinale gegen Kolumbien zum „Tor des Turniers“ gewählt.

Doch auch U17-Nationaltrainer Christian Wück sorgt sich um eine zu große Erwartungshaltung bei Arp: „Wir dürfen nicht den Fehler machen und ihn zum Heilsbringer machen. Der Hamburger SV muss ihn behutsam aufbauen, dann wird Jann-Fiete seinen Weg gehen“, sagt er gegenüber dem Portal „Sportbuzzer“.

Anfang September erhält Jann-Fiete Arp die Fritz-Walter-Medaille in Gold. Mit dieser Auszeichnung werden besondere Leistungen jeweils in den drei Altersklassen U-17, U-18, und U-19 geehrt. DFB-Sportdirektor Horst Hrubesch (66) bescheinigt Arp dabei eine große Zukunft: „Ich glaube, dass er dem HSV den Weg nach oben ebnen kann“, sagt Hrubesch. „Der Junge hat was. Eigentlich hat er alles.“

Wird Arps Vertrag verlängert?

Erst vor wenigen Monaten hat der HSV den Vertrag mit Arp bis Sommer 2019 verlängert. Das bedeutet allerdings: Wird der Kontrakt nicht vorzeitig nochmal verlängert, könnte der HSV im kommenden Sommer zum letzten Mal eine Ablöse kassieren. Am liebsten würde Jens Todt daher sofort mit seinem Juwel verlängern. „Wir haben ja erst vor wenigen Monaten um einen weiteres Jahr verlängert. Aber Fietes Berater weiß Bescheid, dass wir 24 Stunden am Tag gesprächsbereit wären“, sagt Todt.

Und was sagt HSV-Legende Uwe Seeler selbst zum neuen Shootingstar der Hamburger? „Ich hoffe, dass man weiterhin richtig mit ihm umgeht. Wenn er sich gut fühlt, dann soll man ihn auch spielen lassen. Er ist eine Bereicherung. Ich bin nicht böse, wenn er 'Uns Fiete' genannt wird.“

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