Sakai wechselt nach Hamburg : HSV: Zurück im Volksparkstadion mit Sorgen, aber einem Neuzugang

Für HSV-Coach Bruno Labbadia (Mitte) und seine Mannschaft wird die Partie gegen Aalborg eine wichtige Standortbestimmung.
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Für HSV-Coach Bruno Labbadia (Mitte) und seine Mannschaft wird die Partie gegen Aalborg eine wichtige Standortbestimmung.

Der HSV setzt auf die Vergangenheit. Die Zukunft sieht noch nicht rosig aus. Aber der Sakai -Transfer steht fest.

shz.de von
01. Juli 2015, 12:35 Uhr

Hamburg | Der Name steht für eine ruhmvolle Vergangenheit. Und nun ist er wieder Teil der Gegenwart. Seit heute heißt das Fußballstadion des Hamburger SV wieder Volksparkstadion. Das elektrisiert Fans und Verein.

Von 2001 bis 2015 wechselten sich die Namenszüge AOL, HSH-Nordbank und Imtech auf dem Dach der Arena im Stadtteil Bahrenfeld ab. Die Rückkehr zum angestammten Namen bringt dem HSV Geld ein. Aktionär Klaus-Michael Kühne zahlt 16 Millionen Euro, damit die von Juni 1998 bis August 2000 errichtete Spielstätte bis 2019 wieder Volksparkstadion heißt.

Der neue alte Stadionname soll die Profis des Fast-Absteigers der vergangenen Saison zusätzlich für die anstehende Spielzeit motivieren. Einen Monat nach der erfolgreichen Relegation gegen den Karlsruher SC versammelte HSV-Trainer Bruno Labbadia seinen Kader am Mittwoch zum ersten offiziellen Training.

Doch viele Profis durfte der Trainer nicht begrüßen. Nur 19 Spieler, darunter vier Amateure, waren dabei. Neuzugänge? Bis Mittwoch Fehlanzeige. Doch nun ist der japanische Fußball-Nationalspieler Gotoku Sakai im Anflug. Er wird vorbehaltlich der medizinischen Untersuchung vom Bundesligisten VfB Stuttgart zum Ligakonkurrenten wechseln. „Wir haben uns geeinigt, er wird einen Dreijahresvertrag bekommen“, sagte der HSV-Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer am Mittwoch bei einer Pressekonferenz zum Trainingsstart.

Der Vertrag des 24 Jahre alten Außenverteidigers bei den Schwaben läuft noch bis Sommer 2016, die Ablöse soll unter einer Million Euro liegen. Trainer Bruno Labbadia hatte Sakai schon zum VfB geholt. Zuletzt waren seine Leistungen sehr wechselhaft. „Das hat uns die Chance eröffnet, ihn überhaupt zu holen“, sagte Labbadia. Wegen der Sparzwänge müsse man sehr einfallsreich sein.

Unterdessen stellte Investor Kühne dem klammen Fußball-Bundesligisten überraschend neue Gelder in Aussicht. „Grundsätzlich bin ich nicht abgeneigt. Ich möchte weiterhin den HSV unterstützen, aber es muss auch ein klares Konzept da sein“, sagte der 78-Jährige am Mittwoch beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Hamburg. Deshalb könne man kurzfristig nicht mit frischen Investitionen rechnen: „Aber ich spreche immer wieder mit der Vereinsführung und ich werde auch den Trainer diese Woche noch treffen, wollen mal schauen, was sich da entwickeln lässt.“

Coach Labbadia begrüßte die Aussicht: „Wir freuen uns, wenn Herr Kühne uns behilflich ist. Er spielte auch eine entscheidende Rolle, dass wir wieder im Volkspark sind.“

Nichts Neues gibt es dem Hamburger Abendblatt zufolge von Wunschstürmer Michael Gregoritsch vom VfL Bochum. Der HSV soll bereit sein, zwei Millionen Euro für ihn auszugeben, was den Bochumern allerdings zu wenig sein soll.

Fest steht: Dem HSV mangelt es an Spielern. Von den sechs Profis, deren Verträge am diesem Dienstag endeten, haben vier Spieler den Verein verlassen: Rafael van der Vaart (Betis Sevilla), Marcell Jansen, Heiko Westermann und Slobodan Rajkovic (alle Ziel offen). Hinzu kommen die Abgänge Maximilian Beister (FSV Mainz 05), Lasse Sobiech (FC St. Pauli) sowie Julian Green, der nach einem Jahr zu Bayern München zurückkehrte. Im Gespräch sind zudem Wechsel des Schweizers Valon Behrami nach Italien und des zuletzt in die Türkei verliehenen Stürmers Jacques Zoua.

Mit an Bord bleibt Ivo Ilicevic sein. Der Mittelfeldspieler hat das Angebot des Vereins zur Verlängerung seines auslaufenden Vertrags angenommen. Der 28 Jahre alte Kroate bleibt ein weiteres Jahr bei den Hanseaten.

Ilicevic erhält einen leistungsbezogenen Kontrakt zu stark gekürzten Bezügen. „Ivo hat häufig gezeigt, dass er uns helfen kann“, sagte HSV-Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer. Der Kroate ergänzte: „Die letzten vier Jahre verliefen nicht immer optimal für mich, aber unter Bruno Labbadia habe ich noch einmal meine Chance bekommen. Diese möchte ich jetzt nutzen und zeigen, was ich kann.“

Defensivspieler Gojko Kacar hat sich noch nicht entschieden, ob er dem Verein treu bleibt. Auch den Serben möchte der HSV zu veränderten Konditionen behalten.

Für die Abgänge erhielten die Hamburger bisher keine Ablöse. Bis jetzt. Der dritte Torwart, Alexander Brunst, soll für 200.000 Euro zum VfL Wolfsburg wechseln, schreibt das Hamburger Abendblatt. Mit auf dem Trainingsplatz stand am Mittwoch der von Bayer Leverkusen umworbene Verteidiger Jonathan Tah.

Von Samstag an bis zum 10. Juli steht das Trainingslager in der Region Flims/Laax/Falera im Schweizer Kanton Graubünden auf dem Programm. Das erste Saisonspiel bestreiten die Hanseaten am 14. August bei Rekordmeister Bayern München.

Und nun noch ein bisschen Stadion-Geschichte: Das alte Volksparkstadion, das 1953 auf Trümmerschutt errichtet worden war, diente dem Gründungsmitglied der Bundesliga bis 2000 als Heimstadion. Darin wurden auch Spiele der Weltmeisterschaft 1974 und Europameisterschaft 1988 ausgetragen. In dem modernen Nachfolgebau an gleicher Stätte, nur um 90 Grad gedreht, fanden Spiele der WM 2006 und das Europa-League-Finale 2010 statt. Eigentümer ist der HSV, der das 50.000 Quadratmeter große Areal für den symbolischen Preis von einer Mark erworben hatte. Die Baukosten von rund 97 Millionen Euro trug er weitgehend selbst.

Der HSV war mehrfach Vorreiter in der Bundesliga. Als erster Erstligist verkauften die Norddeutschen 2001 den Stadionnamen. Der Verein war auch der erste, der eine Umbenennung durch einen neuen Stadionsponsor vornahm. Mit der Rückkehr zum Traditionsnamen haben die Hamburger für eine erneute Premiere gesorgt. Bei jedem Namenswechsel mussten die bis zu acht Meter hohen und 2,5 Tonnen schweren Buchstaben auf dem Dach getauscht werden. Diesmal wird auf den Aufbau der Buchstabenserie Volksparkstadion jedoch verzichtet.

Die Namenswechsel des HSV-Stadions:

1953 bis 30.6.2001 Volksparkstadion
1.7.2001 bis 30.6.2007 AOL-Arena
1.7.2007 bis 30.6.2010 HSH-Nordbank-Arena
1.7.2010 bis 30.6.2015 Imtech-Arena
1.7.2015 bis 30.6.2019 Volksparkstadion

(mit dpa)

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