Abstiegskampf in der Bundesliga : HSV: Was der Abstieg in die 2.Liga finanziell bedeuten würde

Wird Dino Herrmann bei einem Abstieg arbeitslos?
Wird Dino Herrmann bei einem Abstieg arbeitslos?

Fernsehen, Sponsoren, Zuschauer: Ein Absturz aus der Fußball-Bundesliga bringt große Einbußen.

shz.de von
20. Mai 2015, 08:42 Uhr

Hamburg | Selbstverständlich haben sie das Szenario des Schreckens bereits durchgespielt – in Hamburg, Berlin, Hannover, Paderborn, Stuttgart und Freiburg. Das Ergebnis: Ein Abstieg aus der Fußball-Bundesliga ist der Beginn einer finanziellen Gratwanderung. Das viele Geld, das es für die Erstliga-Zugehörigkeit gibt, ist plötzlich weg. Fernsehen, Sponsoren, Zuschauer – überall gibt es weniger, wenn man Zweitligist ist. Die größten Einschnitte würde es beim Hamburger SV geben.

In Zahlen ausgedrückt: Reduzierung des Gesamtetats von 120 auf 75 Millionen Euro, dabei Kürzung der Gehälter für die Spieler von 50 auf 28 Millionen. Die geringeren Einnahmen aus dem TV-Topf der Deutschen Fußball Liga, der in dieser Saison so hoch war wie noch nie, machen den Großteil des sinkenden Umsatzes aus. Wie groß der Unterschied ist, hängt vor allem von der vorherigen Platzierung in der 1. Liga ab: Je höher die war, desto größer ist das Minus. Langfristig ist der finanzielle Schaden sogar noch größer, denn selbst bei schnellem Wiederaufstieg fehlen wichtige Punkte für die Fünfjahreswertung.

Als Zweitligist bekäme der HSV nur noch rund 13 statt bislang rund 26 Millionen Euro – zugleich brechen rund 40 Prozent der bisherigen Einnahmen aus dem Sponsoring von 25 Millionen Euro weg. Kein Wunder also, dass Club-Ikone Uwe Seeler sagt: „Eine Rettung ist immer besser und preiswerter als ein Abstieg.“ Das gilt für Club und Stadt gleichermaßen: Gemäß einer Analyse des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) könnten der Freien und Hansestadt bis zu 50 Millionen Euro netto im Jahr verloren gehen, wenn der HSV absteigt – und der ebenfalls abstiegsgefährdete Zweitligist FC St. Pauli gleich dazu. Betroffen davon wären vor allem Hotels, Gastronomie und Einzelhandel.

Ebenfalls hart treffen würde der Abstieg Hannover 96. Clubchef Martin Kind rechnet mit einem Minderumsatz von 30 Millionen Euro. Das erscheint sogar noch wenig: Die Roten verlören schon alleine 28,5 Millionen an TV-Einnahmen. Kind aber ist nicht bange. „Wir haben eine wirtschaftlich stabile Basis mit genügend Eigenkapital und Liquidität“, versichert er. Vorgesehen ist eine Reduzierung des Etats von 80 Millionen Euro auf 55 Millionen Euro, von 40 auf 20 Millionen würden die Kosten für das Personal sinken. Dennoch wird der Abstieg in der Regel zu einer finanziellen Gratwanderung. Vor allem, weil gleich im ersten Jahr ins Risiko gegangen und, bei deutlich reduzierten Einnahmen, der sofortige Wiederaufstieg angestrebt wird – eine Mission, die nur selten erfolgreich ist.

In der 2. Liga gibt es zumindest ein klein wenig mehr Geld als bislang: Zur neuen Saison steigen die Einnahmen der 18 Clubs von insgesamt 123,4 auf 134 Millionen. Nicht viel, aber immerhin. Um sich angesichts geringerer Einnahmen finanziell nicht zu übernehmen, müssten die Absteiger aber in der Regel Spieler abgeben. Hannover hat bereits Kapitän Lars Stindl verkauft – zu einem festgeschrieben Spottpreis von drei Millionen Euro an Borussia Mönchengladbach. Auch Nationaltorwart Ron-Robert Zieler würde den Verein wohl verlassen. In Stuttgart wäre vermutlich ein gutes Dutzend Spieler nicht mehr zu halten, was den sofortigen Wiederaufstieg erst recht schwierig macht. Der VfB würde mindestens 12,5 Millionen Euro aus dem TV-Topf verlieren, Freiburg mindestens 16,5 Millionen. Die geringsten Einbußen drohen in diesem Bereich noch Hertha BSC mit zumindest 11,2 Millionen.

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