Risikospiel : HSV vor dem Abstieg – im Stadion bleibt es friedlich

Hamburgs Rick van Drongelen (li.) gegen den Mainzer Suat Serdar.

Hamburgs Rick van Drongelen (li.) gegen den Mainzer Suat Serdar.

Mehr als ein 0:0 war für den HSV gegen Mainz 05 nicht drin.

shz.de von
03. März 2018, 17:26 Uhr

Hamburg | Der Gang zu den eigenen Fans fiel dieses Mal nur sehr kurz aus. „Absteiger, Absteiger“, hallte es den Profis des Hamburger SV am Samstag nach dem ernüchternden 0:0 im Kellerduell gegen den FSV Mainz 05 entgegen. In ihrer Enttäuschung machten die Spieler des Richtung Zweite Liga taumelnden Bundesliga-Dinos da lieber sofort kehrt und schlichen frustriert in die Kabine. Nach dem zwölften Spiel in Serie ohne Sieg sind die Chancen der Norddeutschen auf den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga auf ein Minimum gesunken.

Sieben Punkte beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz nach wie vor, den weiter die am Samstag erschreckend schwachen Mainzer inne haben. „Wir brauchen nicht drumherum zu reden, es war ein sehr wichtiges Spiel heute“, sagte der völlig konsterniert wirkende HSV-Trainer Bernd Hollerbach. „Wir haben jetzt noch neun Endspiele. Aber dass es schwer wird, das weiß ich auch“, sagte Hollerbach, der immer noch auf seinen ersten Sieg mit Hamburg wartet.

Vor 46.739 Zuschauern im Volksparkstadion schafften es die Hanseaten es nicht, einen Treffer zu erzielen, obwohl sie rund 30 Minuten in Überzahl spielten. Der Mainzer Leon Balogun hatte in der 61. Minute Gelb-Rot gesehen. Filip Kostic scheiterte danach per Strafstoß am Mainzer Torwart Florian Müller. „Heute sind wir alle enttäuscht“, gestand Hollerbach, der nicht den Eindruck machte, als habe er noch eine Idee, wie der erste Abstieg der Vereinsgeschichte verhindert werden kann.

Ein junger HSV-Fan feuert seine Mannschaft an.
dpa

Ein junger HSV-Fan feuert seine Mannschaft an.

Dabei hatte der HSV im Spiel um seine wohl letzte Chance schwungvoll begonnen. Bereits in der fünften Minute hatte Sven Schipplock die große Chance zur Führung. Der Angreifer scheiterte aber an Keeper Florian Müller. Der 20-jährige Keeper kam im Abstiegskrimi zu seinem Bundesligadebüt, weil der ehemalige Hamburger René Adler wegen einer Grippe und Ersatztorwart Robin Zentner wegen Oberschenkelproblemen passen mussten.

Und Müller hatte bei seinem ersten Auftritt auf der großen Bühne gleich mehrmals die Gelegenheit sich auszuzeichnen. „Das hat er heute sensationell gemacht“, lobte der Mainzer Trainer Sandro Schwarz seinen Schlussmann. In der 24. Minute war aber auch der U20-Nationaltorwart chancenlos, als Kostic zur vermeintlichen Führung traf. Doch zum Glück für die Gäste griff der Video-Assistent in Köln ein und erkannte die klare Abseitsstellung des Hamburgers.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb der HSV das bessere Team, doch die Harmlosigkeit in der Offensive könnte die Norddeutschen in diesem Jahr wohl erstmals aus der Ersten Liga absteigen lassen. Nachdem Kyriakos Papadopoulos in der 51. Minute freistehend über das Mainzer Tor geschossen hatte, brachte es Kostic nach etwas mehr als einer Stunde fertig, mit einem ganz schwach getretenen Strafstoß an Müller zu scheitern.

Der Mainzer Balogun hatte den eingewechselten Luca Waldschmidt gefoult und dafür Gelb-Rot gesehen. Der verschossene Elfmeter lähmte die Hausherren zusätzlich. Mit einem Spieler mehr brachte der HSV nicht mehr viel zustande. Da auch die Mainzer wie ein Absteiger agierten, endete die Partie konsequenterweise 0:0.

Befürchtete Ausschreitungen blieben aus

Bis kurz nach Abpfiff des Risiko-Spiels ist es im Volksparkstadion weitgehend friedlich geblieben. Es sei im Fußball-Bundesligaduell der beiden Abstiegskandidaten zu keinen berichtenswerten Besonderheiten gekommen, sagte die Polizei am Samstagabend.

Zuvor war befürchtet worden, dass es gewaltsamen Zwischenfällen kommen könnte, da HSV-Anhänger bei den beiden Spielen zuvor unangenehm aufgefallen waren. Beim Heimspiel gegen Leverkusen hatten Fans des HSV versucht, den Platz zu stürmen, und beim Spiel bei Werder Bremen wurde Pyrotechnik gezündet. Als Vorsichtsmaßnahme waren vor der Partie Zäune zwischen den Fanblocks und dem Spielfeld erhöht worden.

Die beiden Ultra-Gruppierungen „Castaways“ und „Poptown“ standen während des Spiels nicht an ihren Stammplätzen sondern auf dem Oberrang. Dies geschah aus Protest gegen die erhöhten Zäune, meldete der Radiosender NDR 90,3. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit einem Großaufgebot im Einsatz. Vor dem Stadion waren mehrere Wasserwerfer aufgestellt worden, zudem waren berittene Polizisten im Einsatz.

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