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Peter Knäbel : HSV: Der Trainer geht, die Skepsis bleibt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der HSV feuert Trainer Zinnbauer und ernennt den Sportdirektor bis zum Saisonende zum Interimscoach.

shz.de von
erstellt am 23.Mär.2015 | 09:32 Uhr

Hamburg | Chefcoach Josef Zinnbauer muss gehen, Sportchef Peter Knäbel übernimmt: Fußball-Bundesligist Hamburger SV hat in höchster Abstiegsnot wieder einmal die Notbremse gezogen. Nach sechs sieglosen Spielen in Folge und dem erneuten Absturz auf den Relegationsplatz muss Zinnbauer nach nur gut sechs Monaten als Cheftrainer seinen Platz räumen. „In Anbetracht der sportlichen Gesamtsituation sahen wir uns gezwungen, eine Veränderung vorzunehmen“, erklärte Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer gestern nach einer mehrstündigen Krisensitzung. „Wir sind überzeugt davon, dass es in dieser Situation die beste Option für uns ist. Peter Knäbel kennt die Mannschaft und die Umstände am besten und ist in der Lage, sofort zu handeln.“

Trainerwechsel sind beim HSV mittlerweile eine Standardsituation. Geholfen hat das Personalkarrussel indes kaum. Entsprechend reagieren Fans auch eher skeptisch.

Überraschend schnell wurde Knäbel als Zinnbauer-Nachfolger inthronisiert. Der HSV-Sportdirektor besitzt die erforderliche Fußballlehrerlizenz. Schon nach der 0:1-Heimniederlage am Freitagabend gegen Hertha BSC hatte er ein klares Bekenntnis zum Coach verweigert und stattdessen erklärt: „Wir werden in den kommenden Tagen alles analysieren und uns dann auf die letzten acht Bundesliga-Spiele ausrichten.“

Joe Zinnbauer hat nach dem Hertha-Debakel seine Spieler mit einer verblüffend nüchternen Analyse in Schutz genommen.

Doch kann ein Peter Knäbel das Blatt noch wenden? Als Trainer ist der Funktionär eher unbekannt. Erfahrung als Coach hat der 48-Jährige nur marginal. Als Spielertrainer beim Schweizer Verein FC Winterthur war er zwei Jahre (1998 - 2000) im Einsatz und schaffte den Aufstieg von der 3. in die 2. Liga. Beim FC Basel und später beim Schweizer Fußball-Verband arbeitete er als Technischer Direktor und konnte auf Erfolge verweisen: WM-Titel mit der U17, EM-Halbfinale 2011 mit der U21, Teilnahme der A-Nationalmannschaft an den WM-Endrunden 2010 und 2014.

Auf den Sportdirektor und Chefcoach in Personalunion sowie seine Mannschaft wartet nach der Länderspielpause ein hartes Programm: Der HSV gastiert zunächst bei Bayer Leverkusen, empfängt dann den VfL Wolfsburg und muss anschließend bei Werder Bremen antreten.

 

Geht es nach der Einschätzung Knäbels, sind harte Gegner für das Team offenbar ein Grund, allzu schnell die Fahnen einzurollen. Knäbel attestierte dem HSV nach dem historischen 0:8-Debakel gegen die Bayern Mitte Februar eine „psychische Instabilität“.

Offenbar fehlt es der Mannschaft besonders bei Rückstand an Biss und Kampfgeist. Ob der neue Interimstrainer dies aus seinen Spielern herauskitzeln kann wird sich zeigen.

Knäbel selbst erlebte als Spieler sowohl Ab- als auch Aufstiege. Er begann in der Jugend bei Dortmund und spielte von 1988 bis 1993 als Profi für St. Pauli. Bei St. Pauli war er die meiste Zeit Stammspieler, hatte jedoch mit Verletzungen zu kämpfen. Auch Pauli war in den 90ern im Abstiegskampf – den die Kiezkicker 1991 verloren. Knäbel blieb dem Team aber auch in der zweiten Liga treu, bis er nach Saarbrücken wechselte. Die Jahre beim FC St. Pauli bezeichnete Knäbel später als seine „mit Abstand geilste Zeit als Profi“. Einen Aufsteig erlebte Knäbel als Spieler aber auch: 1998 schaffte er mit Nürnberg den Sprung in die erste Liga.

Knäbel ist ehemaliger Profi des FC St. Pauli.
Knäbel ist ehemaliger Profi des FC St. Pauli. Foto: Imago/EQ Images
 

Im Jahr 2003 beendete der Wahlschweitzer Knäbel seine Spielerkarriere – beim FC Winterthur –  und wurde technischer Direktor beim FC Basel. 2006 wurde er Nachwuchschef. Von September 2009 bis September 2014 war er technischer Direktor der Schweitzer Nationalmannschaft. Erst im vergangenen Jahr zog es Knäbel wieder in die Hansestadt, diesmal aber zum HSV: Am 1. Oktober 2014 übernahm er den Posten des Direktor im Profibereich. Neben seiner Funktionärstätigkeit leitete Knäbel einige Einheiten eines „Perspektivtrainings“, in welchem einmal wöchentlich Talente von der U17 bis zur U23 gemeinsam trainieren.

Jetzt liegen die Hoffnungen für den Klassenerhalt des Liga-Dinos auf dem Interims-Coach.

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