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Bundesliga-Kolumne : HSV: Abstiegs-Drama, Offenbarungseid, Wild-West

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Was müssen die HSV-Fans eigentlich noch alles aushalten, fragt sich der stellvertretende Chefredakteur des sh:z, Jürgen Muhl.

Hamburg | Noch sechs Spiele: Peter Knäbel sprach wie ein Übungsleiter auf dem flachen Land: „Wenn wir unsere Fehler abstellen, haben wir noch eine Chance.“ Donnerwetter, Herr Knäbel. Mit Verlaub, Herr Sportdirektor und Trainer in Personalunion, was müssen die HSV-Fans eigentlich noch alles aushalten? Wozu sind am Sonnabend noch einmal 57.000 Fußballfans in den Volkspark gekommen? Um sich mit dem Abschied aus der Bundesliga anzufreunden? Wenn so etwas überhaupt möglich ist.

Ganz sachlich – weg von allen Emotionen – ist das Dilemma auf folgenden Punkt zu bringen: Hätte ein mittelständisches Unternehmen mit den Finanzdaten des HSV in den vergangenen zehn Jahren eine derartige Firmenpolitik betrieben, wäre es heute mit Haut und Haaren in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Nicht nur das. Diejenigen, die diesen Absturz zu verantworten haben, hätten vor dem Konkursrichter Namen und Privatanschrift nennen müssen. Weil das Fußballgeschäft aber anders läuft, kommen die Totengräber ungeschoren davon.

Wie es mit einigen Millionen weniger an Personalkosten geht, zeigen zwei Mitkonkurrenten im Abstiegskampf. Die Sportclubs aus Freiburg und Paderborn haben den HSV hinter sich gelassen. Paderborn war eigentlich schon weg, und ist plötzlich wieder da. So funktioniert Abstiegskampf.

Der HSV dagegen macht so weiter wie bisher. Mit Knäbel, der wohl nicht einmal eine Knabenmannschaft motivieren könnte, auf der Bank. Es gab in der Nacht zu Sonntag in den Katakomben des Stadions andere Meinungen, andere Vorschläge. So fiel der Name Felix Magath. Beiersdorfer aber lehnte ab.

Nicht eine Torchance: Das war die Bilanz der 90 Minuten des HSV gegen Wolfsburg. Eine leblose Mannschaft. Ein Offenbarungseid. Nur noch ein Fußballwunder – die gibt es ja hin und wieder – rettet diesen HSV. Da mag man weinen, da mag man an sich selbst verzweifeln, da mag man Schuldige suchen, die es gar nicht sind. Wie auch immer. Dieser HSV kann es einfach nicht.

Am Sonnabend sah man die Chefetage kopfschüttelnd und sprachlos. Wieder einmal. Beiersdorfer und Bernhard Peters auf der Tribüne, Knäbel auf und vor der Trainerbank. Das Trio hat versagt – ob Heilsbringer Thomas Tuchel nun kommt oder auch nicht kommt. Die Spekulationen um die Neubesetzung des Trainerjobs mit der Preisgabe des Gehalts von 3,2 Millionen Euro pro Saison sind im Kampf gegen den Abstieg wenig hilfreich. Und: Warum kommt Tuchel eigentlich nicht sofort? Mag er etwa keinen Abstiegskampf? Ist ihm das Feuer zu heiß? An einer etwaigen Ablösesumme für Mainz 05 kann es nicht liegen, im Bezahlen zeigt sich der HSV doch gern generös.

Undiszipliniert: Die Mannschaft ist nicht intakt, wie die Handgreiflichkeiten zwischen den beiden Schweizer Nationalspielern Djourou und Behrami in der Halbzeitpause deutlich machen. Beide spielten weiter, als wäre nichts geschehen. Wenn ein Trainer so etwas durchgehen lässt, hat er verloren. Knäbel hätte beide unter die Dusche schicken müssen. Wildwest beim einstigen hanseatischen Nobelclub. Der HSV hat sich von seinen eigenen Ansprüchen weit entfernt. Nicht nur auf dem Rasen.

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erstellt am 13.Apr.2015 | 09:31 Uhr

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