Neues vom HSV : Hoffmanns Abschussliste: Trainer Hollerbach schon jetzt auf der Kippe?

Hamburgs Trainer Bernd Hollerbach im Stadion. /Archiv
Hamburgs Trainer Bernd Hollerbach im Stadion. /Archiv

Radikaler personeller Neustart im Abstiegsfall: HSV-Präsident plant drastische Maßnahmen.

shz.de von
01. März 2018, 11:34 Uhr

Hamburg | Alles muss raus. Bei der ersten Sitzung des Aufsichtsrats nach der Wahl von Bernd Hoffmann zum Vereinspräsidenten hat der neue starke Mann im HSV e.V. seine weitreichenden personellen Umbaupläne bekräftigt und konkretisiert. Sollte das Profiteam des Hamburger SV den erstmaligen Abstieg aus der Fußball-Bundesliga nicht abwenden können, müsse der Neustart laut Hoffmann ohne Vorstandsboss Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt stattfinden. Noch weiter oben auf Hoffmanns Abschussliste steht Trainer Bernd Hollerbach: Laut „Hamburger Abendblatt“ warb der Vereinspräsident bei der Ratssitzung am Dienstagabend dafür, den Chefcoach sofort von seinen Aufgaben zu entbinden.

Hollerbach hat die Nachfolge des entlassenen Markus Gisdol erst vor gut einem Monat angetreten. Die sportliche Wende gelang dem Ex-HSV-Profi mit seiner neuen Mannschaft allerdings nicht. Im Gegenteil: Hollerbach und der HSV blieben in fünf Ligaspielen ohne Sieg (zwei Remis, drei Niederlagen), der Rückstand des Tabellenvorletzten auf den Relegationsrang vergrößerte sich in dieser Zeit von einem auf sieben Zähler. Sollte am Sonnabend (15.30 Uhr) im Abstiegs-„Endspiel“ gegen Mainz 05 – jenen Club, den es von Platz 16 zu verdrängen gilt – kein Heimsieg gelingen, wären die Chancen auf den Klassenerhalt wohl nur noch theoretischer Natur.

Hollerbach droht offiziell zwar keine Gefahr, da der Aufsichtsrat laut Satzung nicht ins operative Geschäft eingreifen darf. Eine mögliche Trainerentlassung liegt in den Händen des Vorstands der HSV Fußball AG, der zurzeit aus dem Vorsitzenden Bruchhagen sowie Frank Wettstein (Finanzen) besteht – und Bruchhagen hatte dem Coach zuletzt explizit den Rücken gestärkt. In der Praxis kann der Aufsichtsrat aber sehr wohl Druck auf den Vorstand ausüben. Erst recht, wenn die verunsicherte Mannschaft gegen Mainz erneut nicht überzeugt, und das ersehnte Erfolgserlebnis ausbleibt.

Im Abstiegsfall müsste der HSV auf das Wohlwollen Kühnes hoffen

Inmitten der öffentlichen Personaldiskussion, die augenscheinlich wieder einmal auf eine undichte Stelle im Aufsichtsrat zurückzuführen ist, ging der einzige handfeste Beschluss des Kontrollgremiums fast unter. Wie der HSV mitteilte, verzichtet Hoffmann auf den Ratsvorsitz und begnügt sich mit der Rolle des Stellvertreters. Chefkontrolleur bleibt der Wirtschaftsprüfer Michael Krall. „Unser Aufgabenfeld ist umfangreich, die Arbeitsteilung in einem starken Team finde ich sinnvoll. Wir müssen unsere Kräfte bündeln“, sagte Hoffmann nach der Sitzung.

Derweil sickerte ebenfalls durch, dass die Lizenzierung für die kommende Saison bei dem Treffen ausführlich zur Sprache kam. Bis zum 15. März müssen die nötigen Unterlagen bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) eingereicht werden. Weil ein möglicher Sturz in die Zweitklassigkeit massive Einbußen auf der Einnahmeseite nach sich ziehen würde, gilt als sicher: Investor Klaus-Michael Kühne müsste im Abstiegsfall erneut mit einer Finanzhilfe in Millionenhöhe einspringen, um den Lizenzentzug zu verhindern.

Finanziell wandelt der HSV seit Jahren am Abgrund. Der aktuelle Schuldenstand wird auf 105 Millionen Euro beziffert, das abgelaufene Geschäftsjahr schlossen die Hanseaten mit einem Defizit in Höhe von 13,4 Millionen Euro ab. Wenn in den vergangenen Jahren Liquiditätsengpässe drohten, sprang stets Kühne ein, der 20,57 Prozent der Anteile an der HSV Fußball AG hält. Im Abstiegsfall müsste der Traditionsclub mehr denn je auf das Wohlwollen des launischen Milliardärs hoffen.

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