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Bundesliga-Duell um die Relegation : Hamburger SV gegen Wolfsburg: Das shz.de-Fanduell

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Wer geht in die Relegation? Wieder der HSV oder Wolfsburg? sh:z-Redakteure geben ihre Einschätzung.

Die HSV-Fans Miriam Richter und Maximilian Matthies: Wir können notfalls auch Relegation - aber ohne wäre besser

Roy Präger glaubt es. André Breitenreiter auch. Willi Reimann ebenso. Eine Umfrage des „Hamburger Abendblatts“ ergab, dass von zwölf Ex-Profis, die sowohl für den HSV als auch den VfL Wolfsburg auf dem Platz standen, nur einer die Wölfe vorne sieht. Manche hoffen auch auf einen knappen HSV-Sieg bei gleichzeitiger Augsburg-Klatsche in Hoffenheim. Gewinnt der HSV beispielsweise mit einem Tor Vorsprung, müsste Augsburg mit mindestens zwei Toren Unterschied verlieren. Dann blieben die Wölfe aufgrund des direkten Vergleichs in der Liga. Was schade wäre. So würden es nicht zum heißen Relegationskracher gegen Eintracht Braunschweig kommen. Es zählt für uns nur eines: Der HSV muss drinbleiben - und dafür gewinnen. Egal wie.  

Wie geht „Egal wie“? Mit Nicolai Müller, unserem Top-Scorer, der hoffentlich fit ist, mit Bobby Wood, Lewis Holtby und Aaron Hunt. Gerade letzterer könnte sich als Relegations-Wunderwaffe erweisen, jetzt wo Lasogga ausfällt. Schließlich kennt Hunt die Wölfe ganz genau. Von dort kam er 2015 ablösefrei zum HSV. 

Überhaupt sah es am Freitag so aus, als seien alle HSV-Akteure an Bord. Neben Lasogga fehlte nur René Adler, dessen Saisonaus ja schon länger bekannt war, und für den es mit Christian Mathenia einen perfekten Ersatz ergibt. Nur unserem Schlussmann war es zu verdanken, dass gegen Mainz am Ende die Null stand. 

Teamspirit durch Trainingslager

Die Mannschaft ist absolut fokussiert. In den Köpfen der Spieler gibt es nur einen Gedanken: Die Relegation vermeiden. Im Trainingslager in Rotenburg an der Wümme wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Das hat der Mannschaft hoffentlich gut getan. Es war ihr Wunsch. Trainer Markus Gisdol sagte: „Wir haben uns das letzte Mal dort sehr wohl gefühlt und sind deshalb froh über diese Entscheidung. Ich denke, es ist auch ein guter Zeitraum, zwei Tage vor dem Spiel aufzubrechen. Die Begebenheiten hier (in Hamburg, Anm. d. Red.) sind nicht optimal, um sich zurückzuziehen oder eng beieinander zu sein, ohne dass man auf Schritt und Tritt beobachtet wird. Es war auch der Wunsch unserer Mannschaft, uns davon noch einmal ein Stück zu lösen.“ Am Abend vor dem Spiel sollte im Teamhotel „Grand Elysée“ genächtigt werden.

Im Volksparkstadion werden die Spieler von einem ausverkauften Haus erwartet - 57.000 Zuschauer sind dort. Der HSV kann seine Heimmacht ausspielen. Vom ersten Ton von „Hamburg, meine Perle“ bis zum Abpfiff. Zuhause unterlagen die Rothosen nur in einem der vergangenen elf Spiele (sieben Siege, drei Remis).

Eigentlich spricht die Gesamtstatisitk gegen den HSV, das wollen wir ja gar nicht verschweigen. Der VfL könnte sogar als Angstgegner bezeichnet werden. In 39 Duellen gab es für die Rothosen lediglich neun Siege (23 Prozent) zu feiern – nur die Siegquote gegen Bayern München ist schlechter. Bei einem ebenfalls ernüchternden Torverhältnis (48:63) endete die Paarung zudem 14 Mal unentschieden, allerdings nie torlos.

Zudem verloren die Hamburger fünf der letzten sechs Duelle. Allerdings: Die Bundesliga-Paarung findet zum ersten Mal zum Saisonabschluss statt. Es ist also Zeit, die Geschichte umzuschreiben. Wir glauben dran - mit dem Glauben an unseren Verein und mit jeder Menge Galgenhumor.

 

Der HSV kann Abstiegskampf, Wolfsburg nicht. Von Platz 18 erarbeitete sich die Gisdol-Elf die Chance auf den Klassenerhalt. Die Wölfen sackten immer weiter ab. Und so stellt sich Coach Markus Gisdol richtig fest: „Wir haben eine wahnsinnig lange Aufholjagd hinter uns und finden seit Wochen keine normale Situation vor. Wir waren in den vergangenen Spielen oft in der Verlegenheit, dass wir gewinnen mussten, um überhaupt dranzubleiben. Wir hatten gefühlt in allen Spielen etwas zu verlieren. Jetzt haben wir das erste Mal ein Spiel, in dem wir nur gewinnen können, weil sich die Position nicht mehr nach unten ändern kann. Wir haben uns diese Chance aus einer zwischenzeitlich aussichtslosen Situation heraus erarbeitet und mit dem richtigen Maß an Demut und Dankbarkeit wollen wir diese Chance nutzen.“

Beim alles entscheidenden Spiel gibt es nur ein Motto: Kämpfen, um drin zu bleiben:

 

Und wenn bisher ein Bundesliga-Verein bewiesen hat, dass er im letzten Moment den Kopf aus der Schlinge ziehen kann, dann war das NUR der unabsteigbare HSV!

Der Wolfsburg-Fan Thorsten Geil: Wolfsburg hat mehr spielerische Qualität - und Mario Gomez

Wenn ich meinen alten Kumpel aus gemeinsamen HSV-Tagen treffe, dann kommt irgendwann unweigerlich diese Frage: „Wie kam es nur, dass Du einmal im Leben so falsch abgebogen bist?“ Ich erkläre es ihm dann immer wieder aufs Neue, aber er schüttelt nur traurig den Kopf. Ich habe zwar irgendwo noch ein HSV-Gen in mir. Aber seit vielen Jahren bin ich ein Fan des VfL Wolfsburg. Und der wird den HSV am Sonnabend in den Vorhof der Hölle schießen: auf den Relegationsplatz. Das ist zweifellos ein schmutziger Job. Aber irgendjemand muss ihn erledigen.

Einen fußballerischen Leckerbissen darf man sicher nicht erwarten. Es hat ja seinen Grund, dass da der 16. gegen den 15. spielt. Not gegen Elend, Angst gegen Panik. Der Kernfehler dieser VfL-Saison war meiner Meinung nach, Dieter Hecking zu feuern. Er ist definitiv ein guter Trainer und hätte das Ruder herumgerissen. Auf Platz 15 stünde der VfL mit ihm jetzt auch, Minimum.

Ich halte die Hamburger für die größeren Kämpfer als meine Wolfsburger, aber der HSV muss gewinnen und das Spiel machen. Wolfsburg hat mehr spielerische Qualität und Mario Gomez. Darum wird der HSV maximal einen Punkt holen, dann aber locker in der Relegation die Klasse halten, vermutlich gegen Eintracht Braunschweig. Und zwar mit meiner Unterstützung!

Gegen Braunschweig würde der HSV übrigens auch definitiv besser aussehen als Wolfsburg, denn Braunschweig ist unser Erzfeind. Dagegen sind Schalker und Dortmunder wahre Blutsbrüder. Die Abneigung ist so groß, dass die VfL-Fans einen massiven Druck auf ihre Kicker aufbauen würden – möglicherweise zu viel Druck. Vor drei Jahren hat der VfL das Bundesliga-Heimspiel gegen Braunschweig verloren, und das werden wir Fans den Spielern nie verzeihen. Abstieg durch Eintracht Braunschweig? Dann verkaufe ich meinen Golf und fahr Opel.

Aber um noch einmal auf die Anfangsfrage zurück zu kommen: Wie wird jemand, der seit 1979 ein Original-Autogramm von Kevin Keegan auf seiner Jacke (Größe 152) hat; der bei der Meisterschaftsfeier 1982 im Volksparkstadion vor Glück geweint hat – wie wird so einer zum Fan des VfL Wolfsburg? Schuld daran sind zwei Menschen: 1. mein damaliger Chef, der mich 2004 beruflich nach Wolfsburg holte, und 2. David Jarolim. Der Tscheche spielte einfach viel zu lange und zu schlecht für den HSV, war zeitweilig sogar Kapitän und der Großmeister der Tempoverschleppung. Er war mit Sicherheit derjenige Spieler in 53 Jahren Bundesliga-Geschichte, der die meisten aussichtsreichen Konter der eigenen Mannschaft abgebrochen hat und zum Torwart zurückspielte. Ich konnte Jarolims Spielweise einfach nicht mehr ertragen.

In Wolfsburg wohnte ich zehn Fahrradminuten vom Stadion entfernt, hatte eine Dauerkarte  und genoss die feurigen Auftritte von Martin Petrov, Andres D’Alessandro, Diego Klimowicz – und natürlich von Stefan Schnoor, meinem Landsmann aus Neumünster. Der hat zwar auch mal für den HSV gespielt, aber das ist eine andere Geschichte.

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erstellt am 19.Mai.2017 | 20:11 Uhr

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