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Probetraining für die Bundesliga : Flüchtling Bakery Jatta: HSV denkt über Verpflichtung nach

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wie im Märchen: Der 17 Jahre alter Gambianer Bakery Jatta darf sich Hoffnungen auf eine Karriere beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV machen.

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2016 | 14:42 Uhr

Hamburg | Im Sommer machte sich Bakery Jatta auf den Weg. Der Teenager verließ seine Familie, seine Heimat Gambia, schaffte es durch die Sahara, überlebte die Flucht über das Mittelmeer, um in Europa sein Glück zu finden. Gut sechs Monate später träumt der 17-Jährige von einer Karriere als Fußballer beim Hamburger SV.

„Der Junge hat viele Sachen wirklich gut gemacht. Er hat noch nie in einem Verein gespielt, aber der Junge kann kicken“, sagte Trainer Bruno Labbadia, nachdem Jatta zwei Tage zur Probe bei den Hamburgern mittrainiert hatte. „Bakery war sehr begeistert“, sagte Firat Aktas. Der Berater aus Bremen hat über seine guten Kontakte zu HSV-Clubchef Dietmar Beiersdorfer das Vorspielen eingefädelt. Und auch Sportchef Perter Knäbel machte Bakery Hoffnung: „Wenn wir nicht interessiert wären, würden wir so einen Check sicherlich nicht machen.“

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Obwohl Jatta in seiner Heimat angeblich nur auf der Straße und in der Schule Fußball gespielt hat, überzeugte der talentierte Offensivmann durchaus. „Die Rückmeldung war positiv“, sagte Aktas: „Wenn der HSV zurückkommt, werden wir uns mit Dietmar Beiersdorfer zusammensetzen und schauen, wie es weitergeht.“ Ins Trainingslager (bis 16. Januar) des HSV im türkischen Belek konnte Jatta nicht mitfliegen, weil er als Flüchtling Deutschland im Augenblick nicht verlassen darf.

Jatta will seine große Chance beim HSV unbedingt nutzen. „Mir hat das Probetraining beim HSV sehr viel Spaß gemacht“, sagte er der „Kreiszeitung Syke“: „Ich hatte gleich das Gefühl, ein Teil der Mannschaft zu sein.“ Angeblich sind auch andere Bundesliga-Clubs an dem robusten jungen Mann interessiert, unter anderem Schalke 04. Doch Jatta hofft, dass sein Traum an der Elbe in Erfüllung geht. „Solange der HSV im Trainingslager ist, werden wir nichts anderes unternehmen“, sagte Aktas, der sich von Jatta in seiner Spielweise an Nationalspieler Karim Bellarabi (Bayer Leverkusen) „erinnert“ fühlt: „Abseits des Platzes ist er ruhig und bescheiden.“

Nach seiner Flucht aus Gambia, wo Präsident Yahya Jammeh seit 1994 mit harter Hand regiert, wo die Meinungsfreiheit eingeschränkt ist, wo Angriffe auf Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung an der Tagesordnung sind und Folter als gängige Praxis gilt, landete Jatta in der Akademie Lothar Kannenberg. Die Einrichtung für Bildung und Jugendhilfe bei Bremen bietet „jungen Menschen ein Zuhause auf Zeit“. Kannenberg und sein Team versuchen, ausgegrenzte Jugendliche, darunter viele Flüchtlinge, durch Sport in die Gesellschaft zu integrieren, sie helfen bei Behördengängen und vermitteln Deutschkurse. Kannenberg, ehemaliger Boxer, erkannte Jattas Begabung. „Bakerys Talent war sofort offensichtlich. Der Junge wusste, was er wollte – nämlich ganz oben mitspielen“, sagte er dem Magazin „11Freunde“.

Bei Werder Bremen kam der große Ehrgeiz offenbar nicht ganz so gut an. Die Grün-Weißen wollten Jatta nach einer Probephase in der A-Jugend einsetzen, der Spieler wollte mehr – man fand am Ende nicht zusammen.

Noch ist auch völlig offen, ob Jattas Märchen in Hamburg wahr wird. Einen Bonus kriegt er bei Labbadia nicht. „Ich persönlich mache da keinen Unterschied, wer er ist und woher er kommt“, sagte der 49-Jährige in Belek: „Wie es weiter geht, werden wir nach dem Trainingslager sehen.“

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