Fußballtrainer im Interview : Felix Magath: "Der HSV steht mir am nächsten"

Kurzer Shuttle im Schlauchboot zum sh:z-Segeltörn auf der Kieler Woche: Nationalspieler Dennis Aogo (li.) und Felix Magath (Mitte) kamen schnell ins Gespräch, als Jürgen Muhl den HSV-Profi und den früheren Meisterspieler und -trainer auf die Zukunft des Hamburger SV ansprach. Foto: Staudt
Kurzer Shuttle im Schlauchboot zum sh:z-Segeltörn auf der Kieler Woche: Nationalspieler Dennis Aogo (li.) und Felix Magath (Mitte) kamen schnell ins Gespräch, als Jürgen Muhl den HSV-Profi und den früheren Meisterspieler und -trainer auf die Zukunft des Hamburger SV ansprach. Foto: Staudt

Familie statt Fußball: Im Herbst 2012 feuerte der VfL Wolfsburg den Trainer Felix Magath. Im Interview auf der Kieler Woche spricht der Meistercoach über seine Fußball-Pause und die Zukunft des HSV.

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01. Juli 2013, 12:30 Uhr

Kiel | Felix Magath ist einer der erfolgreichsten Fußballtrainer Deutschlands, kennt sich in der Bundesliga bestens aus, auch wenn er zurzeit bei keinem Verein unter Vertrag steht. Im Rahmen der Kieler Woche sprach der ehemalige Meistercoach des FC Bayern München mit Jürgen Muhl, stellvertretender Chefredakteur und Sportchef des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z).
Herr Magath, in den Vorjahren haben Sie gern bevorzugt mit Ihren Mannschaften Trainingslager in Schleswig-Holstein bezogen. Jetzt haben Sie Zeit für eine Segeltour bei der Kieler Woche. Ihr Leben hat sich verändert ...
Felix Magath: Keine Frage, es hat sich ziemlich verändert, denn bis zum Herbst letzten Jahres war ich die letzten 15 Jahre stets in Bereitschaft, habe ständig gearbeitet und wenig Privatleben gehabt, mich kaum um die Familie kümmern können. Jetzt ist es erst mal umgekehrt. Ich habe Zeit für die Familie, für meine Kinder und für die Phytokids-Stiftung. Jetzt muss ich andere Gelegenheiten wahrnehmen, um im schönen Schleswig-Holstein die Luft und die See zu genießen.
Aber der Fußball fehlt Ihnen?
Das ist natürlich etwas, woran man sich gewöhnen muss, wenn man lange Jahre für Mannschaften verantwortlich war. Aber es ist auch so, dass es mir gut tut, dass mir die Pause auch viel gebracht hat, dass ich aber natürlich den Fußball weiterhin begleite. Ich war für Liga total tätig, habe die Spieltage beobachtet und kommentiert, befasse mich weiter intensiv mit Fußball.
Sie sind einer der erfolgreichsten Trainer Deutschlands. Daher gehe ich davon aus, dass es auch in dieser für Sie fußballlosen Zeit Interesse an Ihrer Person gegeben hat ...
Ja, sicher. Es waren verschiedene Anfragen da, aber ich habe gleich klargemacht, dass für mich in der abgelaufenen Saison kein Engagement in Frage kam, und ich frühestens zur neuen Saison wieder etwas machen wollte.
Hat es Gespräche mit dem Hamburger SV gegeben?
Nein, das kann man so nicht ausdrücken. Der HSV ist der Club , der mir am nächsten steht - daher verfolge ich die Situation beim HSV intensiver. Und deshalb habe ich mich mit dem einen oder anderen Aufsichtsrat getroffen. Ich wollte mir ein Bild über die Lage machen.
Wie sehen Sie die Zukunft des HSV?
Der HSV hat ein Minus von 24 Millionen Euro bekannt gegeben - eine der schlechtesten Spielzeiten überhaupt. Dies hat natürlich verschiedene Konsequenzen gehabt, wie etwa den Verkauf von Son. Ich gehe davon aus, dass es aufgrund der finanziellen Situation einige Zeit dauern wird, bis beim HSV Ruhe einkehrt.
Abgesehen vom HSV: Ist es für Sie denkbar, nicht mehr als Trainer sondern als Sportchef oder vielleicht als Vorstand zu arbeiten?
So etwas ist denkbar. Allerdings geht es mir, wenn ich wieder etwas machen werde, um die Aufgabe. Mir ging es bei meiner Arbeit immer nur um den Erfolg.
Um die Trainerposition bei den Bayern hat es einen großen Hype gegeben. Sie waren einer der erfolgreichsten Bayern-Trainer. Denken Sie, es wird schwierig für Pep Guardiola, die Nachfolge von Jupp Heynckes anzutreten?
Selbstverständlich ist es schwierig für den Nachfolger, zu glänzen, nachdem der FC Bayern alle Titel in der letzten Spielzeit abgeräumt hat. Denn mehr ist einfach nicht erreichbar. Insofern kann er nur genauso viel erreichen wie sein Vorgänger, und das wäre das Maximale. Der Vorstand des FC Bayern hat ja bereits reagiert und die Ziele für die kommende Saison ein wenig heruntergesetzt. Es heißt, die Bundesliga sei das Hauptziel, sprich die Meisterschaft. DFB-Pokal und die Champions League müssten nicht zwingend gewonnen werden.
Stimmen Sie in den allgemeinen Lobgesang auf den deutschen Fußball - gerade im Hinblick auf das Champions-League-Finale - mit ein?
Ja. Der deutsche Fußball hat die Champions League dominiert, gar keine Frage. Dennoch muss man sehen, dass der FC Bayern souverän durch die Champions League marschiert ist, während die Borussia im Viertelfinale gegen Malaga Glück hatte und im Halbfinale gegen Madrid auch nicht so souverän war. Von daher denke ich, darf man beide Mannschaften nicht auf eine Stufe stellen, zumal der FC Bayern wahrscheinlich auch weiterhin wichtige Spieler des Konkurrenten verpflichten wird. Ich glaube, dass der FC Bayern auch in der neuen Saison das Maß aller Dinge sein wird, während man beim BVB abwarten muss, wie der Weggang von Götze kompensiert wird.
Wie schätzen Sie die WM-Chancen der deutschen Nationalelf ein?
Im Champions-League-Finale standen eine Reihe deutscher Nationalspieler auf dem Feld. Das sagt sehr viel aus. Neben Brasilien gehört Deutschland zu den Favoriten. Die Mannschaft ist seit 2010 zusammen, die Spieler konnten sich vier Jahre weiterentwickeln. Wir gehören zu den engsten Favoriten auf den Titel.
Kommt für Sie eine Tätigkeit als Trainer im Ausland in Betracht? Sie haben das in der Vergangenheit häufiger angedeutet ...
Es ist für mich natürlich immer ein Thema gewesen, auch im Ausland zu arbeiten. Man muss aber mittlerweile feststellen, dass das südeuropäische Ausland aufgrund der finanziellen Situation doch an Attraktivität verloren hat. Es gibt eigentlich nur noch eine Liga, die mit der Bundesliga vergleichbar ist, das ist die englische Premier League. Ansonsten hat der Fußball in Europa schon gelitten.

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