Nach Rauswurf in Leverkusen : Emir Spahic beim HSV: Vom bösen Buben zur Führungsfigur

Letzte Chance in Hamburg: Der in Leverkusen gefeuerte Abwehrroutinier Spahic soll beim HSV eine Schlüsselrolle einnehmen.

shz.de von
18. Juli 2015, 11:30 Uhr

Hamburg | Emir Spahic ist einer der umstrittensten Profis der Fußball-Bundesliga, doch Bruno Labbadia will den heißblütigen Bosnier beim HSV zur Führungsfigur aufbauen. „Er wird ein entscheidender Teil unserer Achse“, sagte der Trainer des HSV über den 34 Jahre alten Innenverteidiger. Nach dessen Rauswurf in Leverkusen infolge einer handfesten Attacke gegen Bayer-Ordner schien die Karriere des Auswahlspielers schon beendet, doch in Hamburg erhält der Routinier seine wohl letzte Chance zur Bewährung. „Seine Reue wirkte nicht gespielt“, begründete Labbadia die Entscheidung, auf Spahic zu setzen.

Als der HSV Anfang Juli den Transfer des sportlich über alle Zweifel erhabenen, wegen seiner Ausfälle aber als „Bad Boy“ dastehenden Heißsporns bekanntgab, schlugen jedoch selbst im eigenen Lager die Wogen hoch. Nicht wenige Anhänger glaubten, der HSV hole sich mit dem ganz und gar nicht pflegeleichten Profi neue Probleme ins Haus. Auch Labbadia war skeptisch. „Ganz ehrlich: Ich hatte zunächst auch große Bedenken, obwohl mir immer klar war, dass er eine große Verstärkung für unsere Mannschaft bedeuten würde“, berichtete der Coach. Nach einem ausführlichen Gespräch unter Männern ging der Daumen des erfahrenen Trainers dann aber doch nach oben.

Immerhin habe man „einen Profi der höchsten Qualitätsklasse“ an Land gezogen, betonte Clubchef Dietmar Beiersdorfer. Die Tatsache, dass Spahic ablösefrei ist, eröffnet dem chronisch klammen HSV zudem neuen „Spielraum auf dem  Transfermarkt“, wie der Vorstandsvorsitzende ergänzte. „Dank seiner Erfahrung, seiner sportlichen Qualität und seiner Präsenz auf dem Platz kann er zu einem  Führungsspieler unserer Mannschaft werden“, hofft Sportdirektor Peter Knäbel. Und Labbadia schwärmte: „Er ist extrem eng und aggressiv am Mann, ist ein Organisator und noch dazu gut am Ball. Das begeistert natürlich.“

Der Coach  will um den 81-maligen bosnischen Internationalen den in der Innenverteidigung nötigen Umbruch beim HSV umsetzen. Die Routiniers Heiko Westermann und Slobodan Rajkovic erhielten keinen neuen Vertrag, Toptalent Jonathan Tah ist zu Bayer Leverkusen gewechselt. Der Schweizer Johan Djourou und der Brasilianer Cleber  bewerben sich nun um den Platz neben Spahic, der im Training bislang ohne Einschränkungen überzeugte.

„Ich will einfach spielen, einen guten Job machen und zeigen, dass ich noch auf hohem Niveau Fußball spielen kann“, betonte Spahic und meldete – sehr zu Labbadias Freude – bereits Führungsansprüche an. Im ersten Testspiel nach seiner  dreimonatigen  Sperre wegen des Prügeleklats konnte Spahic am Mittwoch bei Jahn Schneverdingen überzeugen und erzielte sogar ein Tor. Der erste Härtetest steht heute bei Zweitliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld (15.30 Uhr/Sport1) an. Dann gehts’s am 24. Juli gegen Hessen Kassel, und auch in Flensburg-Weiche wird Spahic am Dienstag, 28. Juli (19 Uhr), auflaufen. Dann treffen die Hanseaten im Rahmen des sh:z-Fußballsommers im Spiel um den Sparda-Bank-Cup auf den dänischen Spitzenclub Aalborg BK .

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