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Neues vom HSV : Einsatz von Christian Mathenia gefährdet – DFB ermittelt nach Pyro-Wahnsinn

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Fans zünden beim Darmstadt-Spiel Pyrotechnik im Stadion und erzürnen den DFB. Mathenia zieht sich eine Prellung zu.

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2017 | 15:23 Uhr

Hamburg | Das Heimspiel gegen SV Darmstadt 98 ging für den HSV nicht nur böse zuende, es könnte auch noch ein böses Nachspiel haben. Schuld sind die eigenen Fans. So hatte die Partie HSV gegen SV Darmstadt 98 (1:2) kurz nach dem Anpfiff für gut drei Minuten unterbrochen werden müssen, da über dem Rasen des Volksparkstadions bunte Rauchschwaden hingen. „Wir müssen den Ordnungsdienst noch mehr intensivieren. Es darf uns nicht passieren, dass diese Rauchtöpfe ins Stadion kommen“, sagte der HSV-Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen. Der Verein wurde vom DFB um eine schriftliche Stellungnahme gebeten.

Immer wieder bringen Fans ihren eigenen Verein durch Ausschreitungen und Krawalle in Schwierigkeiten. Dem HSV droht ein Teilausschluss von Fans oder eine hohe Geldstrafe.

Gefährdet ist beim HSV auch der Einsatz von Torhüter Christian Mathenia im nächsten Spiel am Sonntag gegen den FC Augsburg. Er hatte sich im Spiel gegen Darmstadt eine Prellung zugezogen. Das ergab die Auswertung einer Kernspintomografie am Montag. Sportchef Jens Todt sagte gegenüber der „Hamburger Morgenpost“: „Wir können eine schwere Verletzung ausschließen. Er hat eine starke Prellung, sein Einsatz in Augsburg ist gefährdet. Aber da schauen wir von Tag zu Tag.“ Sollte der Ersatz von René Adler am Sonntag ausfallen, würde Tom Mickel ins Team rutschen. Im folgenden Heimspiel gegen Mainz soll Mathenia spätestens wieder einsatzbereit sein.

Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt nach einem hitzigen Bundesliga-Wochenende gleich in mehreren Fällen. Wegen der Schmähungen gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp muss sich der 1. FC Köln verantworten, wegen eines Hassplakats von Frankfurter Fans gegen die Polizei die Eintracht.

Jochen Grotepaß aus dem Sprecherrat der Interessengemeinschaft der Fanorganisation „Unsere Kurve“ sieht „eine gewisse Form der Radikalisierung“ in der Fanszene. Fan-Anwalt René Lau will davon nicht sprechen: „Das ist eine subjektive Wahrnehmung, weil die Bedeutung des Fußballs und der Umfang der Berichterstattung in den Medien stark zugenommen hat.“

Hopp war am Freitagabend beim 1:1 von 1899 Hoffenheim in Köln mit Sprechchören und Plakaten beleidigt worden. Die Kraichgauer wollen sich nicht mit den üblichen Mechanismen zufriedengeben: Sie forderten den DFB nachdrücklich zum Handeln auf. Der Tabellenvierte ließ ein entsprechendes Schriftstück von Anwalt Christoph Schickhardt aufsetzen, wie der Club bestätigte. „Wir erwarten, dass Recht und Gesetz durchgesetzt werden und die Person Dietmar Hopp geschützt wird“, sagte TSG-Geschäftsführer Peter Görlich.

Bereits am Samstag hatte sich Hopp selbst schriftlich bei Ligapräsident Reinhard Rauball und DFL-Chef Christian Seifert über die Vorfälle von Köln beklagt. Zudem schrieb der 76-jährige Milliardär eine E-Mail an DFB-Präsident Reinhard Grindel.

FC-Präsident Werner Spinner hat sich bereits für die Vorfälle entschuldigt. „Diese Beleidigungen sind inakzeptabel und sie spiegeln auch nicht die Werte wider, für die der 1. FC Köln steht“, sagte er. Hoffenheims Sportchef Alexander Rosen sprach von einer „neuen Dimension des Hasses“.

Beim Frankfurter 3:1 gegen den FC Augsburg hatten Zuschauer am Samstag ein Plakat mit der Aufschrift „Für jedes Stadionverbot...Bulle Tod!“ aufgehängt. „Bei aller Kritik, die man gegebenenfalls an der Polizei haben kann, aber das ist abgrundtief beschämend“, sagte Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann bei Bild.de. Nach Angaben der Polizei hat sich der Funktionär inzwischen für die „Entgleisung“ entschuldigt. Sie hat sich zudem an die Frankfurter Staatsanwaltschaft gewandt. Gegebenenfalls würden sich strafrechtliche Ermittlungen anschließen. „Diese doch sehr radikalen Sprüche, das besorgt mich auch“, sagt der Sprecher der Fanorganisation „Pro Fans“, Sig Zelt. Man solle bei Fan-Vergehen aber „nicht den Fokus auf die Bestrafung legen, sondern man sollte mit den Leuten arbeiten“.

Die Eintracht, die Kölner und die Hamburger sind wegen Fan-Randale vorbelastet und müssen mit erneuten Strafen vom DFB-Sportgericht rechnen. Derweil hält Fan-Vertreter Grotepaß Strafmaßnahmen wegen Schmähgesängen für übertrieben: „Man darf also noch nicht mal mehr singen, was man will. Da hört es bei mir auf.“ Gleichzeitig räumte Grotepaß ein: „Es gibt mit Sicherheit in den Fanszenen eine gewisse Form der Radikalisierung, die stattfindet.“ Das habe aber auch damit zu tun, dass sich der Ärger auf beiden Seiten - also Teile der Fans auf der einen Seite und die Dachverbände DFB und DFL sowie die Polizei auf der anderen Seite - hochschaukele. „Ich denke, da eskaliert momentan so ein bisschen auf beiden Seiten das ganze System.“ Einige Zuschauer würden ausprobieren: „Wo ist die Schmerzgrenze?“

Grotepaß ist dafür, „dass man mal wieder runterkommt auf den Boden, wo man am Ende vielleicht mal wieder eine gemeinsame Basis hat. Derzeit ist das überhaupt nicht mehr gegeben. Man kann gar nicht mehr miteinander reden.“ Er sieht auch eine gewisse Spaltung zwischen den Sitzplatz- und den Stehplatzbereichen mit den Ultras.

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