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Bundesliga-Saisonvorbereitung : Die Woche beim HSV: Transfers, Zoff und Testspiele

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Der HSV steckt mittendrin in der Planung zur neuen Bundesliga-Saison 2015/2016. Neben Transfers sorgen auch interne Rangeleien für Zündstoff.

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2015 | 11:21 Uhr

Hamburg | Der Hamburger SV ist mitten in der Vorbereitung auf die kommende Saison. Doch abseits vom Fußballgeschäft schifft der Verein noch lange nicht in ruhigen Fahrwassern. Der Verein muss für das Fehlverhalten seiner Fans in der vergangenen Saison 36.000 Euro Strafe zahlen. Zunächst war es bei den Bundesliga-Partien gegen Stuttgart am 16. Mai und gegen Schalke am 23. Mai zu Vorfällen mit Pyrotechnik gekommen. Dann im Relegationsspiel beim Karlsruher SC sorgten die Fans erneut für Pyro-Chaos.

Auch Abgänge hat der Verein zu verzeichnen. Nach einer schwierigen Saison beim Hamburger SV hofft Rafael van der Vaart auf einen Neustart bei Betis Sevilla. „Das ist ein großer Club. Ich habe viel Lust, hier anzufangen. Mir gefällt der spanische Fußball, und ich bin froh, hier zu sein“, sagte der 109-malige niederländische Nationalspieler. Der 32-Jährige hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Da sein Kontrakt beim HSV zum Saisonende ausgelaufen war, müssen die Andalusier keine Ablösesumme zahlen. Beim HSV war schon seit längerem klar gewesen, dass die Hanseaten die Zusammenarbeit mit dem Mittelfeldspieler nicht fortsetzen würden.

Auch HSV-Talent Jonathan Tah verlässt den Dino in Richtung Leverkusen. Der 19 Jahre alte Abwehrspieler, dessen Vertrag noch bis 2018 läuft, war in der vergangenen Saison an Zweitligist Fortuna Düsseldorf ausgeliehen. Offenbar will Leverkusen sechs Millionen für Tah auf den Tisch legen. Bayer 04 hat in jüngster Vergangenheit bereits die HSV-Talente Heung-Min Son, Hakan Calhanoglu und Uwe-Seeler-Enkel Levin Öztunali abgeworben. Fußballdirektor Peter Knäbel will Tah eigentlich nicht ziehen lassen. „Wir wollen ihn halten“, betonte er. Der verschuldete Club braucht aber Geld für dringend notwendige Verstärkungen.

Sollte Tah tatsächlich abgegeben werden, würden die Chancen der Innenverteidiger Slobodan Rajkovic und Heiko Westermann auf einen Anschlussvertrag steigen. Die Verträge beider Profis laufen Ende Juni aus. Nach Medien-Informationen soll Rajkovic aber offenbar einen Vertrag bei PAOK Saloniki unterschreiben. Sportchef bei den Griechen ist der ehemalige HSV-Sportdirektor Frank Arnesen. Westermann wird mit türkischen Erstligisten in Verbindung gebracht. Die Mittelfeldakteure Gojko Kacar und Ivo Ilicevic verlassen den Verein. Auch Marcell Jansen verlässt den HSV. Leihspieler Julian Green kehrt zum FC Bayern München zurück.

Der in der vergangenen Saison an den Stadtrivalen FC St. Pauli ausgeliehene Abwehrspieler Lasse Sobiech wechselt endgültig zum Kiez-Club. „Wir sind uns mit Lasse und dem HSV mündlich einig. Nur die Verträge sind noch nicht unterschrieben“, erklärte St. Paulis Sportdirektor am Montag in der Hansestadt.

Neben der Kaderplanung droht nun auch erneut interner Streit. Investor Klaus-Michael Kühne bietet den Verkauf aller HSV-Anteile an. Hintergrund ist die Kritik von HSVPlus-Initiator Otto Rieckhoff auf der Mitgliederversammlung vor einer Woche. „Was Herrn Rieckhoff dazu bewogen hat, sich jetzt über mich und insbesondere über Herrn Gernandt derart negativ zu äußern, ist mir vollkommen rätselhaft“, teilte der 71-Jährige mit. In seiner Erklärung nimmt Kühne Stellung zu dem verheerenden Fazit, das Rieckhoff ein Jahr nach der Initiative HSVPlus gezogen hatte. Er kritisierte eine zu große Abhängigkeit des HSV von Kühne. Dessen Vorsitzender Karl Gernandt ist Kühnes Angestellter beim internationalen Logistikdienstleister „Kühne & Nagel“. Diese persönliche Abhängigkeit habe nicht zum Wohle des HSV beigetragen.

Zudem sei neuerdings eine Agentur von Kühnes Firma für die Versicherungen des Stadions zuständig. „Das ist nicht so gelaufen, wie wir das gedacht haben“, gestand Beiersdorfer, der vor allem den Fehler einräumte, zu lange an dem Plan einer möglichen Verpflichtung von Trainer Thomas Tuchel festgehalten zu haben. Rieckhoff kritisierte, dass Tuchel zum Gespräch zu Kühne in die Schweiz geflogen worden sei. „Wo anders entscheidet ein Minderheitsinvestor über Personalien und wo lassen Präsidium und Aufsichtsrat das zu?“, fragte der 64-Jährige.

Der frühere Aufsichtsratsvorsitzende monierte, dass die sportliche Kompetenz, die man sich mit der Installation der neuen Führung versprochen hatte, „bislang komplett in die Hose gegangen“ sei. Rieckhoffs Fazit: „Man wurschtelt so weiter wie früher.“ Die Anteile am Verein seien zum falschen, weil sportlich negativen Zeitpunkt verkauft worden. Das sei lediglich Investor Klaus-Michael Kühne, der Anteile in Höhe von 17,5 Millionen Euro am HSV (7,5 Prozent) erworben hat, entgegengekommen. „Von einem guten Deal zu sprechen, trifft für Herrn Kühne zu, nicht für den HSV“, betonte Rieckhoff. Der Wert des Vereins liegt bei 275 Millionen Euro.

Kühne reagierte: „Das, was Herrn Rieckhoff und mich trennt, ist die Bewertung der HSV Fußball AG; die von ihm genannten 400 Millionen Euro lagen jenseits jeglicher realer Betrachtungsweise und waren nirgendwo erzielbar. Für mich lag der Wert der HSV Fußball AG angesichts der desolaten Lage in der vergangenen Saison bei allenfalls 200 Millionen Euro. Nur widerstrebend habe ich mich bereit erklärt, um den Verein zu entschulden, einen beträchtlichen Teil meines Darlehens in eine Beteiligung umzuwandeln und hierfür einen Wert der HSV Fußball AG von 250 Millionen Euro zu akzeptieren,“ sagte Kühne gegenüber der Hamburger Morgenpost. „Ich bin gern bereit, meine Aktien an Herrn Rieckhoff oder einen von ihm zu benennenden Dritten zu meinem Einstandspreis, das heißt auf der Grundlage eines Werts von 250 Millionen Euro, wieder zu veräußern.“

Rieckhoff wetterte allerdings weiter: Es habe großes Entsetzen bei ihm ausgelöst, dass die Verschuldung des Clubs „durch überteuerte Spielerinvestitionen in die Höhe getrieben“ worden sei. Der HSV hatte in der abgeschlossenen Saison rund 35 Millionen Euro für Transfers ausgegeben, dabei aber keine Leistungssteigerung im Vergleich zum Vorjahr erzielt. „Seit vielen Jahren leisten wir uns teure Transfers und leben über unsere Verhältnissen“, geißelte Rieckhoff die Entwicklung des HSV. Kühne schenkt dem HSV allerdings sein Vertrauen für die kommende Planung und Vorbereitung.

Doch es gibt auch gute Nachrichten aus Hamburg: Am 1. August tritt der HSV erstmals wieder im Volksparkstadion an. Gast beim Testspiel und zur offiziellen Saisoneröffnung wird der italienische Erstligist Hellas Verona sein. In Reihen des Vereins aus der Serie A stehen unter anderem Starstürmer Luca Toni (ehemals FC Bayern München) und Jacopo Sala, der von 2011 bis 2013 das HSV-Trikot getragen hat.

Der HSV-Fahrplan:

4. bis 10. Juli Trainingslager Graubünden (Schweiz)
19. bis 24. Juli Trainingslager Harsewinkel (Deutschland)
12. Juli, 15 Uhr Testspiel Telekom-Cup 2015, Mönchengladbach
15. Juli, 18.30 Uhr Testspiel TV Jahn Schneverdingen
18. Juli, 15.30 Uhr Testspiel Arminia Bielefeld
24. Juli, 18.30 Uhr Testspiel Hessen Kassel
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