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Kurs auf die 2. Liga : Der HSV und der drohende Totalschaden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Optimismus in Hamburg will sich nicht einstellen. Nach der letzten Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach wird offen über den Abstieg gesprochen. Dabei ist das Saisonziel klar: Platz 15 soll es sein.

Hamburg | Tabellenplatz 17, zwei Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsrang, ein knallhartes Restprogramm – der Fußball-Bundesligist Hamburger SV steuert auf den ersten Abstieg seiner Clubgeschichte zu. Aber was würde der Totalschaden für den Club konkret bedeuten? Unser Redaktionsmitglied Matthias Wohlrab gibt in der sh:z-Analyse Antworten:

Die Finanzen

Vorstandsboss Carl-Edgar Jarchow hat sich für die Taktik der Verharmlosung entschieden. „Wir sind der Überzeugung, dass wir auch die Lizenz für die 2. Liga bekommen würden“, erklärte der 59-Jährige jüngst. Fakt ist jedoch: Die Finanzlage des HSV ist dramatisch. Zum Saisonende 2012/13 betrugen die Verbindlichkeiten fast 100 Millionen Euro. Allein in den vergangenen drei Jahren wurden 21 Millionen Euro Schulden gemacht. Die Zweitliga-Lizenz zu bekommen, wird ein Kraftakt. Der Umsatz (125 Millionen Euro) würde um ein Drittel sinken, Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen gingen drastisch zurück. Um im Abstiegsfall nicht zahlungsunfähig zu sein, benötigt der HSV einen Kostenschnitt, Transfererlöse, Bilanztricks und wohl auch Investoren.

Der Aufsichtsrat

Machtkämpfe, Inkompetenz, Indiskretionen – das einst zwölfköpfige Gremium gilt als die Wurzel des HSV-Übels. Nach einigen Rücktritten besteht die „Chaos-Combo“ („Mopo“) derzeit nur aus sechs Räten. Im Sommer steht – unabhängig vom Klassenerhalt – eine komplette Neuordnung an.

Der Vorstandschef

Angetreten war Jarchow, um die Finanzen zu ordnen und den Club im oberen Tabellendrittel zu etablieren. Beides ging gründlich daneben. Mangels Marktkenntnis verließ er sich in Personalfragen zu oft auf falsche Ratgeber. Der FDP-Politiker wirkt wie ein Getriebener, nicht wie ein Macher. Dass er sich bei einem Abstieg im Amt halten kann, gilt als ausgeschlossen.

Der Sportchef

Oliver Kreuzer hat den zahlreichen Fehlern seiner Vorgänger viele eigene hinzugefügt. Transferflops, sinnlose Brandreden, übles Krisenmanagement – seine Tage beim HSV sind selbst im Falle des Ligaverbleibs gezählt.

Der Trainer

Mirko Slomka hat dem HSV neues Leben eingehaucht. Er besitzt einen Vertrag für die 2. Liga und wäre bereit, die Mission Wiederaufstieg zu leiten. Seine Zukunft ist trotzdem offen, denn: Womöglich macht der Club im Abstiegsfall von einer Kündigungsoption Gebrauch, weil er sich das Trainergehalt (eine Million Euro) nicht mehr leisten kann.

Die Mannschaft

Der Lizenzspieleretat beträgt derzeit 38 Millionen Euro, das ist Europa-League-Niveau. Eine Liga tiefer stünden wohl noch 25 Millionen Euro für den Kader zur Verfügung. Zwar besitzt ein Großteil der Spieler Zweitliga-Verträge, dennoch käme es zum großen Ausverkauf. Stars wie Rene Adler, Rafael van der Vaart oder Marcell Jansen wären nicht mehr zu finanzieren. Pierre-Michel Lasogga ist nur ausgeliehen und gehört Hertha BSC. Dass Leistungsträger wie Hakan Calhanoglu oder Tolgay Arslan in die 2. Liga gehen, ist ebenfalls unwahrscheinlich. Ihr Verkauf würde für dringend benötigte Transfererlöse sorgen. Übrig bleiben ein paar Talente und einige Unverkäufliche – ein strukturierter Neuaufbau sieht anders aus.

Die Jugendarbeit

Schon der Ist-Zustand ist katastrophal: U23 und A-Jugend sind bemerkenswert erfolglos, zudem schafft kaum ein Talent den Sprung zu den Profis. Steigt der HSV ab, wird es noch finsterer: Clubchef Jarchow hat bereits angekündigt, dass der Bau des neuen Jugendleistungszentrums aus Kostengründen verschoben werden müsste.

Die Reformbewegung

„HSVPlus“ will die Ausgliederung der Profis in eine Aktiengesellschaft und die Öffnung für Investoren wie Milliardär Klaus-Michael Kühne. Zunächst benötigt die Initiative aber auf der Mitgliederversammlung am 25. Mai eine Dreiviertelmehrheit. Klar ist: Ein Abstieg würde den Unmut der Fans weiter erhöhen – und die Chance auf einen Neuanfang mit „HSVPlus“ nochmals verbessern.

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