Vor Montagsspiel in der 2. Bundesliga : Der HSV empfängt mit der Arminia einen alten Freund im Volkspark

Damals noch erstklassig: HSV-Dino Herrmann und Bielefeld-Maskottchen „Lohmann“ spazieren im Februar 2009 freundschaftlich über den Rasen.

Damals noch erstklassig: HSV-Dino Herrmann und Bielefeld-Maskottchen „Lohmann“ spazieren im Februar 2009 freundschaftlich über den Rasen.

Arminia Bielefeld und der Hamburger SV treffen erstmals seit acht Jahren wieder aufeinander.

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27. August 2018, 06:47 Uhr

17 Jahre lang spielte die DSC Arminia Bielefeld im Oberhaus des deutschen Fußballs. Nach dem letzten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga im Frühsommer 2009 ging es bis in die 3. Liga runter. Erst 2015 gelang der Wiederaufstieg in die Zweite Bundesliga. Vor allem zwischen 1994 und 2004 war die Arminia im Pendelverkehr zwischen Bundesliga und Zweitklassigkeit unterwegs. Fünf Aufstiege und drei Abstiege wurden allein in diesen zehn Jahren verbucht, was dem Verein den Status einer „Fahrstuhlmannschaft“ einbrachte. Nun reist das auf- und abstiegserfahrene Bielefeld am Montagabend zum Flutlichtspiel in den Hamburger Volkspark und trifft dort auf einen völligen Neuling im Unterhaus.

Deshalb heißt es auch in der Mitteilung vor der Abreise nach Hamburg: „Wir fahren selbstbewusst zum HSV“. Doch auch der Respekt ist groß. „Es ist für uns alle ein Highlight. Obwohl sie jetzt zweite Liga spielen, ist es immer noch ein riesiger Club“, sagt Chefcoach Jeff Saibene. 3200 Fans werden den Weg nach Hamburg auf sich nehmen. In Hamburg zollt Trainer Christian Titz den Arminen ebenfalls Respekt. „Bielefeld ist eine taktisch gute Mannschaft, die sehr kompakt spielt und über die zweiten Bälle kommt. Sie haben in der letzten Saison große Konstanz bewiesen“, sagte der 47-Jährige. Und weiter: „Wir haben morgen ein hartes Stück Arbeit vor uns und müssen alles reinwerfen, um das Spiel erfolgreich zu gestalten. Es ist grundsätzlich wichtig, zu Hause zu gewinnen. Nach der Niederlage im ersten Heimspiel wollen wir das Kiel-Spiel morgen wieder gut machen.“

Arminia Bielefeld erwischt guten Start in die Saison

Sonst auf der beschaulichen „Bielefelder Alm“ (26.515 Plätze), will die Arminia mit dem Slogan „Wir sind Ostwestfalen“ nun im Hexenkessel Volkspark (57.000 Plätze) in 90 Minuten Profit daraus schlagen, dass sich der HSV in der noch jungen Saison erst festigen und einspielen muss. Zwar spielen die Rothosen auf gewohntem Terrain, die Arminia kickt allerdings schon die vierte Saison in der 2. Bundesliga und hat mit einem Sieg und einem Unentschieden einen ordentlichen Start in die neue Spielzeit hingelegt.

Die Schüco Arena: Hier wird der Hamburger SV am Sonntag, dem 3. Februar 2019 zum Rückspiel gegen Bielefeld auflaufen.
Imago/Eibner
Die Schüco Arena: Hier wird der Hamburger SV am Sonntag, den 3. Februar 2019 zum Rückspiel gegen Bielefeld auflaufen.

Statistik spricht für den HSV

Bisher gibt es logischerweise keine Zweitliga-Statistik zwischen den beiden Clubs. Und dennoch liegt der HSV in der bisherigen Bilanz der Aufeinandertreffen deutlich vorn. Bei der letzten Bundesliga-Partie am 15. Februar 2009 gewann der HSV mit 2:0 durch Tore von Piotr Trochowski und Paolo Guerrero. Den letzten Sieg feierte die Arminia am 16. Oktober 2004. Damals gewann man in Hamburg mit 2:0 durch Treffer von Patrick Owomoyela und Delron Buckley. Der Hamburger SV rutschte durch die Niederlage auf den letzten Platz ab. Insgesamt trafen beide Vereine erst 37 Mal aufeinander. 20 Partien gewann der HSV, zehn Mal mal blieb es beim Unentschieden. Nur sieben Siege konnten die Arminen verbuchen.

Paolo Guerrero (Mitte) setzt sich gegen Robert Tesche und Chris Katango durch.
imago/Sven Simon
Paolo Guerrero (Mitte) setzt sich gegen Robert Tesche und Chris Katango durch.
 

Die Favoritenrolle hat also der Hamburger SV inne und wird deshalb besonders unter Druck stehen. Das zeigt nicht nur die Statistik, sondern auch der aktuelle Marktwert. 17,15 Millionen Euro schwer ist der Kader der Arminen. Wertvollster Spieler ist mit 1,75 Millionen Euro der Stürmer Andreas Voglsammer. Beim HSV liegt der Gesamtmarktwert bei 48,40 Millionen Euro. Stürmer Jann-Fiete Arp ist mit 7,5 Millionen Euro das Juwel des Clubs.

Fürth-Keeper Sascha Burchert (r) schmeißt sich dem Bielefelder Andreas Voglsammer in den Laufweg.
Friso Gentsch
Andreas Voglsammer ist der wertvollste Spieler der Arminia.

Und nicht nur in Sachen Bundesliga-Historie und Marktwert trennen beide Clubs Welten. Während der HSV über 84.000 Mitglieder zählt, sind es bei Arminia Bielefeld derzeit rund 11.850. Dabei ist die Mitgliederzahl je nach dem sportlichen Erfolg auf Achterbahnfahrt. Waren es zur Bundesligazeit der 00er Jahre zu Spitzenzeiten 12.000, sank sie nach dem Abstieg auf 8.300 Mitglieder. Und auch bei den Ticketpreisen ist das Fußballgucken in Bielefeld etwas schonender für den Geldbeutel.

Besuche im Volksparkstadion sind auch in der zweiten Liga kein Schnäppchen.
imago/Revierfoto

Besuche im Volksparkstadion sind auch in der zweiten Liga kein Schnäppchen.

 

Der günstigste Sitzplatz kostet bei der Partie des HSV gegen den Stadtrivalen St. Pauli am 30. September schlappe 37 Euro und damit genau so viel, wie vergangene Saison gegen Werder Bremen – auf den Nordrivalen traf der Bundesliga-Absteiger aber eine Liga höher. Wenn auf der Bielefelder Alm die Rivalen aus Paderborn anreisen, kostet die teuerste Einzelspielkarte 32 Euro. Allerdings: Während die Dauerkartenpreise für die Alm zur neuen Saison gestiegen sind, hat der HSV die Preise gesenkt. Dennoch liegt der Absteiger mit den aktuellen Preisen noch immer über denen der Arminen.

Fan-Freundschaft reicht bis in die 70er zurück

Während die Fakten den Unterschied der beiden Traditionsclubs verdeutlichen, sind sie enger miteinander verbunden, als man vermutet. „Schwarz, Weiß, Blau…Arminia und der HSV!“ heißt der Schlachtruf, den Fans schon von klein auf kennen. Beide Fangruppen verbindet eine lange Freundschaft, die in die 1970er Jahre zurückreicht. 1972 gründete sich der HSV-Fanclub „Rothosen“. Nur zwei Jahre später luden diese zu einem Turnier ein, an dem nur Fans von Vereinen teilnehmen durften, deren Farben schwarz-weiß-blau waren. Die Arminia kam und die Geschichte nahm ihren Lauf. 1979 feierte der HSV nach einem 0:0 auf der Alm die Meisterschaft.

HSV-Fans feiern am 2. Juni 1979 auf der Bielefelder Alm die Meisterschaft
Imago/Kicker/Liedel
HSV-Fans feiern am 2. Juni 1979 auf der Bielefelder Alm die Meisterschaft.
 

Durch einige Wechsel von HSV-Spielern zur Arminia in den 1990er Jahren, intensivierte sich die Fan-Freundschaft. 1994 wechselten Thomas von Heesen, Armin Eck, Jörg Bode und Thomas Stratos nach Bielefeld. 1995 war es Torwart-Legende Uli Stein. Zuletzt wechselte Sven Schipplock vom HSV zu den Arminen.

Torwart-Legende Uli Stein 1994 in seiner letzten Saison im HSV-Dress.
Imago/Pressefoto Baumann
Torwart-Legende Uli Stein 1994 in seiner letzten Saison im HSV-Dress.
 

Und so ist die Partie am Montagabend nach neun Jahren eine besondere. Beide Fanparteien werden auf der Süd- und Westtribüne des Volksparkstadions ohne Abtrennung zusammensitzen und gemeinsam das Spiel verfolgen. Anlässlich des Aufeinandertreffens gibt es einen gemeinsamen Fanschal im Fanshop des Hamburger SV. Für die Spieler steht hingegen das Punktesammeln im Fokus. Beide Teams wollen langfristig nach oben.

 
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