Bundesliga-Abstiegskampf 2015 : Das Zittern geht weiter - HSV rettet sich in die Relegation

Das Szenario ist aus der letzten Saison bekannt: Für den HSV geht es in die Relegation.
Das Szenario ist aus der letzten Saison bekannt: Für den HSV geht es in die Relegation.

Noch ist der Kopf nicht aus der Schlinge, doch die Bundesliga-Uhr des HSV kann erst einmal weiter ticken. Der SC Paderborn und der SC Freiburg steigen aus der Bundesliga ab.

shz.de von
23. Mai 2015, 17:32 Uhr

Hamburg | Bis zum Schluss blieb es wackelig, doch die HSV-Uhr läuft erst einmal weiter. Die Erleichterung des Hamburger SV über das Nachsitzen in der Fußball-Bundesliga ist gewaltig. „Wir sind noch am Leben“, seufzte Mittelfeldspieler Lewis Holtby am Samstag nach dem 2:0 (0:0) seiner Mannschaft gegen den FC Schalke 04.

Der HSV ist vom vorletzten Tabellenrang auf Platz 16 gesprungen und hat sich damit in die Extrarunde der Bundesliga gerettet. Vor der Partie galten die Hamburger neben Paderborn als Abstiegskandidat. Jetzt müssen die Hanseaten am nächsten Donnerstag im heimischen Stadion und am 1. Juni beim Tabellendritten der 2. Bundesliga antreten. Bereits im Vorjahr standen die Norddeutschen in der Relegation und sicherten sich gegen Greuther Fürth mit Glück den Klassenverbleib (0:0, 1:1).

„Dass wir die Relegation geschafft haben, ist sensationell“, sagte HSV-Trainer Bruno Labbadia. Er hatte die Mannschaft für die letzten sechs Saisonspiele auf dem letzten Tabellenplatz übernommen und zehn von 18 möglichen Punkten geholt. „Wir haben uns den Sieg verdient.“ Das dreitägige Trainingslager in Malente, wo schon die deutsche Nationalmannschaft den Grundstein für den Gewinn der WM-Titel 1974 und 1990 legte, hatte sich gelohnt. Ob der Trainer vor den Relegationsspielen erneut in die Abgeschiedenheit der Holsteinischen Schweiz reisen will, ließ Labbadia offen.

Ivica Olic (49. Minute) und Slobodan Rajkovic (58.) erzielten die Tore für die Hamburger und versetzten die mit 57.000 Zuschauern ausverkaufte Arena in einen Freudentempel. Zwischenzeitlich, als der VfB Stuttgart in Paderborn in Führung gegangen war, wurde es ruhig in der Arena. Lediglich die 5000 Schalker Fans, die höhnisch mit Taschentüchern winkten und den zwischenzeitlichen Abstieg des HSV mit „Nie mehr 1. Liga“-Gesängen feierten, sorgten dann für Stimmung.

Aufatmen auch in Hamburgs Fankneipe. Rund zweihundert Fans haben in der HSV-Kultkneipe „unabsteigBAR“ die Rettung in die Relegation gefeiert. Gebannt verfolgten sie den Abstiegskrimi auf einer Leinwand. Bis zur letzten Minute fieberten die Anhänger mit ihrem Verein mit. Mit Gesängen, Applaus und Freudentränen feierten sie den Schlusspfiff der Partie und den Einzug in die Relegation. „Wir sind einfach zu dumm, um abzusteigen“, sagte HSV-Fan Fabian Kreutz nach dem Ende des Spiels. „Den Klassenerhalt schaffen wir auch noch - wir sind eben unabsteigbar“, betonte der 16-Jährige weiter.

In der Hamburger Fankneipe „unabsteigBAR“ gibt es kein Halten mehr.
dpa
In der Hamburger Fankneipe „unabsteigBAR“ gibt es kein Halten mehr.

Nachdem die erste Hälfte der Partie unentschieden ausfiel, zweifelten einige Fans am Weiterkommen ihres Vereins. In der Pause diskutierten sie bereits die Vorteile der zweiten Liga. Das änderte sich nach dem ersten Tor. Von diesem Moment an kannte der Jubel in der Bar keine Grenzen mehr. Biergläser, Tische und Stühle fielen um, als die Fans tanzten, sich in den Armen lagen und vor Freude küssten. „Es wäre katastrophal, wenn der HSV absteigen würde“, sagte Kneipenwirt Mario Drifte. Denn dann müsse er sich einen neuen Namen für seinen Laden an der S-Bahnstation Stellingen überlegen. „UnfassBAR“ sei schon in der engeren Auswahl.

Die Zuschauer mussten einige Minuten nach dem Schlusspfiff warten, ehe auch die Partien in Hannover und Paderborn beendet waren. Fans schwangen Fahnen und Trikots und sangen „Immer 1. Liga - HSV“. Das Bundesliga-Gründungsmitglied hat sein Alleinstellungsmerkmal unter allen Konkurrenten in der Eliteliga vorerst gerettet und darf hoffen, weiterhin nach München und Dortmund statt nach Heidenheim und Sandhausen reisen zu dürfen.

Unzufrieden war Roberto Di Matteo. Sein Schalker Team konnte in den vergangenen zehn Spielen lediglich zweimal gewinnen und wies einen erschreckenden Abwärtstrend nach. „Wir beenden die Saison mit einem Tief und sind natürlich unzufrieden“, erklärte der Italo-Schweizer.„Wenn der Wurm mal drin ist, fehlt das Selbstvertrauen vor dem Tor.“

In der zerfahrenen Partie, die keinerlei Leistungsdifferenzen zwischen dem künftigen Europa-League-Starter Schalke und Beinahe-Absteiger HSV erkennen ließ, fanden die Gastgeber zunächst kein Mittel. Zumeist blieben sie in der dicht gestaffelten Abwehr der Gäste hängen. Die Schalker vertrauten auf Konter, vergaben aber die einzige gute Möglichkeit vor der Pause durch Klaas-Jan Huntelaar kläglich (42.). Bei den Hamburgern hatte der eingewechselte Artjoms Rudnevs die Führung auf dem Fuß (30.), verzog jedoch als elf Metern Entfernung. Der Lette hatte schon nach 27 Minuten den verletzten Stürmer Pierre-Michel Lasogga ersetzt.

Nach dem Seitenwechsel agierten die Hamburger druckvoller. Eine eingesprungene Vorlage von Johan Djourou, der den Ball an Olic weiterleitete, brachte den Führungstreffer. Danach setzten die Gastgeber nach und wurden mit dem zweiten Treffer durch Rajkovic belohnt. Der Serbe war nach einem Freistoß von Lewis Holtby zur Stelle. Holtby war für den verletzten Marcell Jansen in die Startelf gerückt, den gelbgesperrten Rafael van der Vaart ersetzte Marcelo Diaz. Bei Schalke 04 durfte der für eine Woche suspendierte Marco Höger wieder spielen.

Die Hamburger hatten sich auf die Partie, die zu den wichtigsten in der 52-jährigen Bundesliga-Geschichte zählte, extra in einem dreitägigen Trainingslager vorbereitet. Paddeltour auf dem Kellersee, Scheibenschießen mit dem Luftgewehr und Erdbeerkuchen-Essen mit Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz hatten offensichtlich geholfen.

Das Abstiegsdrama – eine Chronologie:

15:30 Uhr Anpfiff. Stand jetzt: Aufsteiger SC Paderborn ist mit 31 Punkten nach nur einem Jahr wieder abgestiegen. Der Hamburger SV muss erstmals nach 52 Jahren mit 32 Punkten gehen. Der VfB Stuttgart muss in die Relegation (33).
15:32 Uhr Das erste Tor fällt. Hannover 96, die Lange-Zeit-Sieglos-Mannschaft der Liga trifft durch Hiroshi Kiyotake (3.) gegen Freiburg. Heißt: Hannover rettet sich (37), Freiburg bleibt bei 34 Punkten aber noch auf dem 15. Platz.
15:33 Uhr Der SC Paderborn rettet sich auf den Relegationsrang! Mark Vucinovic macht's: 1:0 in der vierten Minute gegen den VfB. Heißt: Der Aufsteiger verdrängt die Stuttgarter von Platz 16 auf Rang 17 und schickt den HSV auf den letzten Platz.
15:37 Uhr Nervenberuhigung ist etwas anderes: Hertha BSC gerät in Rückstand. Hoffenheim gegen Hertha 1:0. Anthony Modeste ist zur Stelle. Die Berliner (35), vor dem Spieltag als Tabellen-13.ebenfalls noch nicht gerettet, haben nur noch einen Punkt Vorsprung auf den Relegationsplatz.
15:50 Uhr Rund 20 Minuten sind gespielt: Stand jetzt: Abgestiegen sind der HSV als Letzter und der VfB Stuttgart als Vorletzter, Paderborn darf gegen den Dritten der Zweiten Liga um seine Erstliga-Zugehörigkeit spielen.
16:05 Uhr Es tut sich wieder was! Der VfB gleicht aus. Daniel Didavi gelingt das 1:1 in Paderborn in der 36. Minute. Auf den letzten drei Plätzen ist nun wieder alles wie zum Anpfiff: Stuttgart 16. (34), Hamburg 17. (33), Paderborn 18. (32).
16:35 Uhr Bundesliga-Dino HSV rettet sich. Ivica Olic lässt die Hamburger Fans jubeln mit dem 1:0-Führungstor gegen den FC Schalke 04. Das 53. Jahr in der Bundesliga kann kommen, der HSV klettert mit 35 Punkten auf Platz 15. Raus ist nun der VfB 17. (34) und weiterhin auch Paderborn (18./32). In die Relegation muss Freiburg (16./34).
16:44 Uhr 2:0 in Hamburg. Slobodan Rajkovic baut die Führung mit seinem Treffer in der 58. Minute aus.
16:58 Uhr Nichts mit der endgültigen HSV-Rettung. In Paderborn bringt Daniel Ginczek Stuttgart in Führung. Der VfB klettert auf Rang 15 und schickt die Hamburger in die Relegation. Statt des VfB muss nun der baden-württembergische Rivale Freiburg den Gang in die Zweite Liga antreten. Paderborn bleibt Letzter.
16:59 Uhr Erleichterung bei Hertha. Ausgleich dank Roy Beerens in der 72. Minute.
17:06 Uhr Nur ein kurzes Aufatmen bei Hertha. Roberto Firmino schießt Hoffenheim wieder in Führung (80.).
17:10 Uhr Wie bitter! Ein Eigentor von Pavel Krmas (84.) besiegelt wohl die Freiburger Niederlage in Hannover: 0:2 aus SC-Sicht.
17:17 Uhr Schlusspfiff in Hamburg, Endstand 2:0, Spieler und Trainer klatschen sich ab, Gewissheit herrscht aber noch nicht, in Hannover kämpft Rivale Freiburg noch.
17:19 Uhr Schlusspfiff in Paderborn. Der Aufsteiger steht als Absteiger fest, der VfB jubelt über den Klassenverbleib. Noch mal leise Hoffnung bei Freiburg: Nils Petersen gelingt das 1:2. In Hamburg wird gezittert.
17:22 Uhr Dann ist es vorbei in Hannover, für den SC Freiburg.
17:22 Uhr Es steht fest: Paderborn (31) und Freiburg (34) müssen in die Zweite Liga, der HSV (35) spielt die Relegation.
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