Neues vom HSV : Bernd Hoffmann ist neuer Präsident – müssen Bruchhagen und Todt jetzt gehen?

Die Ära von Jens Todt (l.) und Heribert Bruchhagen beim HSV könnte bald vorüber sein.

Die Ära von Jens Todt (l.) und Heribert Bruchhagen beim HSV könnte bald vorüber sein.

Der neue starke Mann in Hamburg heißt Bernd Hoffmann. Für Bruchhagen und Todt bedeutet das nichts Gutes.

maximillian_4317.jpg von
19. Februar 2018, 14:15 Uhr

Hamburg | Die Stimmung im Verein kocht, die Wut der HSV-Mitglieder über die sportliche Misere richtet sich auch gegen den Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen. Und der 69-Jährige räumt bei der Mitgliederversammlung am Sonntag ein: „Ich trage die Verantwortung für diesen Misserfolg.“ Ist sein Schicksal damit besiegelt?

Der HSV ist nach einer erneuten Niederlage gegen Leverkusen dem Abstieg wieder einen Schritt näher gekommen. Mit sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz ist das Worst-Case-Szenario eines Abstiegs so wahrscheinlich wie nie zuvor. Am Sonntag entlud sich der Ärger auch bei der Mitgliederversammlung. Dort zeigte sich auch die Zerrissenheit innerhalb des Vereins. Mit 585:560 Stimmen setzte sich Bernd Hoffmann bei der Wahl zum Präsidenten gegen den bisherigen Amtsinhaber Jens Meier durch und kündigte an, im Aufsichtsrat die Frage zu stellen, ob der HSV an den entscheidenden Stellen richtig aufgestellt sei.

An eine Kehrtwende beim Bundesliga-Dino, der mit 17 Punkten nach 23 Spieltagen den vorletzten Tabellenrang der Fußball-Bundesliga belegt, glaubt derzeit niemand mehr. Auch Durchhalteparolen von Bruchhagen – „ich bin weiter fest überzeugt von der Wende" – ändern an der Missstimmung in Hamburg nichts. Ob er selbst eine solche Wende, entweder in Liga 1 oder 2, noch miterlebt, ist seit der knappen Wahl von Bernd Hoffmann zum neuen Vereinspräsidenten mehr als ungewiss.

Der einzige, der von der Not im Volkspark profitieren könnte, ist Bernd Hoffmann. Gleich am Montag wollte sich der 55-jährige Ex-Vorstandschef des Hamburger SV mit Aufsichtsratschef Michael Krall telefonisch darüber kurzschließen, was nun zu tun ist. Dabei geht es wohl nicht nur um seine eigene Macht – Hoffmann will der neue starke Mann sein, hat als Präsident einen Sitz im Aufsichtsrat sicher, beansprucht allerdings nach eigener Aussage darüber hinaus auch „eine deutlich vernehmbare Stimme“. Damit könnte das stärkste Mandat im Aufsichtsrat gemeint sein: der Vorsitz. Bei dem Gespräch von Hoffmann und Krall könnten auch die Personalien Heribert Bruchhagen und Jens Todt diskutiert werden.

„Ein Weiter so kann es nicht geben. Wir brauchen eine Umkehr“, forderte Hoffmann am Sonntag. „Die Herzkammer des e.V. schlägt in der Fußball-AG.“ Er könne nicht erkennen, dass die Kontinuität der vergangenen Jahre den Verein „irgendwie nach vorne oder nach oben“ gebracht habe. „Der Erfolg eines Bundesligisten hängt von sieben bis acht Personalien ab“, betonte Hoffmann. Damit deutete er bereits auf den Austausch von Verantwortungsträgern an.

Treffen könnte es Heribert Bruchhagen. Der HSV-Boss übernahm am Sonntag die Verantwortung für die aktuelle Situation, verwies aber auch darauf, dass es „einstimmig gewollt“ war, mit einem ausgeglichenen finanziellen Ergebnis aus dieser Saison hervorzugehen. Das sei auch der Grund gewesen, warum sich der abstiegsbedrohte Klub in der Winterpause nicht verstärkt habe.

Während sich die Zahlen des Universalsportvereins sehen lassen können – zuletzt gab es einen Gewinn von rund 166.000 Euro – sieht es bei der Fußball-AG, die Teil des Gesamtvereins ist, immer noch rot aus. Hier standen in der Saison 2016/17 Verbindlichkeiten von mehr als 105 Millionen Euro bei einem Verlust von 13,4 Millionen Euro.

Hintergrund: Die HSV-AG

Die Fußball-Abteilung wurde 2014 in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert. Der HSV e.V. ist mit 76,19 Prozent Mehrheitsgesellschafter der AG. Der Präsident des e.V. nimmt als ständiges Mitglied im Aufsichtsrat Einfluss auf die Entscheidungen der AG.

 

Er habe die Lage im vergangenen Sommer falsch eingeschätzt, sagte Bruchhagen. Auch wenn er klare Veränderungen angestrebt habe, müsse er sich selbst ankreiden, „dass ich es nicht geschafft habe, diese umzusetzen“. Als sein größtes Versäumnis betrachtet Bruchhagen es, den Gehaltsetat der Mannschaft trotz gegenteiliger Versprechungen nicht signifikant gesenkt zu haben. „Die Gehaltsstruktur der Mannschaft hat sich nicht auf dem grünen Rasen widergespiegelt. Das wollte ich ändern. Ich habe es aber nicht geschafft, diesen Punkt umzusetzen.“

Um das Ruder doch noch rumzureißen, müsste Bruchhagen das wankende Schiff HSV auch nach dem Sommer weiter steuern, doch das scheint nach der Wahl von Hoffmann sehr unwahrscheinlich zu sein. Ein Pluspunkt von Bruchhagen dürfte allerdings sein, dass er bereits mit Eintracht Frankfurt zwei Abstiege aus der Bundesliga erlebt und jeweils direkt den Wiederaufstieg geschafft hat. Vielleicht bleibt er als Vorstandschef, wenn der HSV absteigt.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

 

Kommt Jörg Schmadkte für Jens Todt?

Noch schlechter als für Bruchhagen liegen die Karten wohl für Sportchef Jens Todt. Immer wieder hat es in der Vergangenheit aus dem Fan-Lager heraus bereits Forderungen nach einem Rausschmiss gegeben. Unter Hoffmann könnten Todts Tage an der Elbe endgültig gezählt sein.

Der neue Präsident sagte direkt nach seiner Wahl am Sonntag: „Wir brauchen einen ganz starken Sportvorstand!“ Solch einen Posten gibt es beim HSV derzeit nicht. Todt ist Sportchef, hat aber kein Mandat im Aufsichtsrat. Und Todt würde wohl auch nicht Sportvorstand werden, sondern ersetzt werden. Dafür gibt es offenbar schon einen Kandidaten.

Nach Informationen des „Kicker“ könnte Jörg Schmadtke, bis Oktober vergangenen Jahres Sportdirektor beim 1. FC Köln, das neu zu schaffende Amt des Sportvorstands beim HSV bekleiden. Schmadtke (53) war zur Saison 2013/14 Sportdirektor in der Rhein-Stadt geworden und hatte einen Vertrag bis Sommer 2017 unterschrieben. Dieser wurde vorzeitig bis zum 30. Juni 2020 verlängert. Vom Fußballmagazin „11 Freunde“ wurde Schmadtke in der Saison 2016/17 als bester Manager der Bundesliga ausgezeichnet. Kurz zuvor hatten die Kölner abermals mit ihrem Sportdirektor verlängert – um drei weitere Jahre. Das Ende kam dann jedoch am 23. Oktober vergangenen Jahres, Schmadtkes Vertrag wurde aufgelöst.

Bevor er das erste Mal in Köln unterschrieb, stand Schmadtke auch schon auf dem Sprung zum HSV. Das war im Jahr 2013. Damals wurde ihm jedoch Oliver Kreuzer vorgezogen. Was für Schmadtke in Hamburg spricht, ist, dass ihm mit den Kölnern in Liga Zwei ein Neuanfang gelang.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

 

Walace auf Heimaturlaub

Einer der dem ganzen Tohuwabohu im Hamburg den Rücken kehren kann, ist der Brasilianer Walace. Nach der Geburt seiner Tochter Titia, die am Sonnabend zur Welt gekommen ist, hat der Verein sein Versprechen eingelöst und dem 22-jährigen Heimaturlaub gewährt. „Walace wird in Brasilien mit einem Privattrainer arbeiten und hat mir zugesichert, dass er pünktlich zum nächsten Spiel zurück ist“, berichtete HSV-Coach Bernd Hollerbach am Montag, nachdem sich der Olympiasieger von 2016 auf den Weg gemacht hatte.

Vorgesehen ist, dass der Mittelfeldakteur bis Donnerstag in Brasilien bleibt und am Freitag direkt nach Bremen fliegt. Dort tritt der abstiegsbedrohte HSV am Samstag (18.30 Uhr) zum Nordderby bei Werder Bremen an. Auf Walace, der gegen Leverkusen bester HSV-Akteur war, kann Hollerbach im Abstiegskampf nicht verzichten. Zumal weiter ein Fragezeichen hinter Albin Ekdal steht. Der Schwede fehlte gegen Bayer aufgrund von Sprunggelenkproblemen. Ob er rechtzeitig zum Nordderby fit wird, ist fraglich.

Antrag auf AfD-Ausschluss zurückgezogen

Peter Gottschalk hat bei der Mitgliederversammlung am Sonntag seinen Antrag auf Ausschluss von AfD-Mitgliedern aus dem Verein zurückgezogen. Der Vorsitzende des HSV-Seniorenrats will stattdessen bei der nächsten Mitgliederversammlung einen Antrag auf Satzungsänderung einbringen. Das sagte er am Sonntagabend. Im Regelwerk solle verankert werden, dass der Verein keinen Rassismus, keine Ausgrenzung, Diskriminierung und Herabsetzung von Menschen dulde.

HSV-Mitglied Peter Gottschalk wollte AfD-Mitlgieder oder gleichgesinnte Personen aus dem Verein ausschließen.
Peter Gottschalk
HSV-Mitglied aus vollem Herzen: Peter Gottschalk hält einen Wimpel des Supporters-Club des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV in seinen Händen.

Der 76-jährige Gottschalk wollte ursprünglich, dass AfD-Mitglieder oder gleichgesinnte Personen nicht Mitglied im HSV e. V. werden oder der Fußball-AG angehören dürfen. Sein Vorstoß hatte Diskussionen ausgelöst, ob der Verein bei einem Ausschluss von AfD-Mitgliedern selbst intolerant wäre.

Mit Material der dpa

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen