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Uwe Seeler : „Beim HSV muss etwas passieren“

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Uwe Seeler (77) spricht im Interview über die vielen Defizite in seinem Verein. Kritik übt er an der Einkaufs- und Personalpolitik der Hanseaten.

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2013 | 13:01 Uhr

Seit Jahren macht sich Uwe Seeler große Sorgen um seinen HSV. Der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft vermisst in der Führungsebene des Traditionsclubs Personal mit Fußball-Sachverstand. Im Gespräch mit dem sh:z spricht Clubidol Seeler über die Defizite des Hamburger SV, über die umstrittene Hotel-Investition des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Brasilien – und über seine ungebrochene Popularität.

Uwe Seeler, Franz Beckenbauer hat Sie jüngst bei der Auszeichnung zur „Legende des Sports“ als „Super-Legende“ bezeichnet. Beckenbauer hat nicht übertrieben, Sie werden auch heute noch vom Fußballvolk geliebt. Was hat aus Ihrer Sicht zu diesen einzigartigen Sympathiewerten geführt?
Das kann man ja immer sehr schlecht selbst beurteilen. Ich bin halt so, wie ich bin – stinknormal. Es freut mich, wenn die Fans an meiner Art, Fußball zu spielen, Spaß gehabt haben. Ich habe mal gesagt, das Schönste auf der Welt ist es, normal zu sein. Ich kann gar nicht anders, als ich bin. Wenn das dann gut ankommt, ist es ja in Ordnung.

Warum gelingt es einem Großteil der heutigen Profis nicht, sich so, wie Sie es getan haben, und sich so, wie Sie es heute noch tun, zu präsentieren?
Wir leben in einer anderen Zeit. Der Berufsfußball hat sich weiterentwickelt. Die Profis von heute haben ganz andere Werte, die zählen. Ich kann das nicht erklären. Ich muss es auch nicht gut finden. Das können nur die Spieler selbst.

Zum Thema Bescheidenheit: Der DFB lässt der Nationalmannschaft in Brasilien ein Nobelhotel bauen. Ganz gleich, ob jetzt Investoren die Rechnung bezahlen, der DFB oder die Sponsoren – zu Ihrer Zeit ging es in eine Sportschule. Grenzt dies nicht ein wenig an Größenwahn?
Ich kenne die Hotelangebote in Brasilien nicht. Aber ich gehe davon aus, dass das Ganze nachher einem wohltätigen Zweck übergeben wird. Insofern ist es nur eine Momentaufnahme, der DFB hat ja auch bei der Europameisterschaft in Polen einen Trainingsplatz am Hotel gebaut. Den haben sie dann den Gastgebern übergeben, verschenkt also. Und dann ist das ja wieder eine gute Sache. Wenn die Hotelanlage in Brasilien Menschen zu Gute kommt, denen es nicht ganz so gut geht, ist das in Ordnung. Damit kann ich leben.

Beim Hamburger SV läuft es immer noch nicht so, wie es eigentlich sollte. Eigentlich läuft es seit Jahren nicht gut. Was macht der HSV Ihrer Meinung nach falsch?
Vieles, vieles. Es ist eben vieles verkehrt gelaufen. Man hat dieselben Fehler immer wieder gemacht. Fehler machen wir ja alle, darüber brauchen wir uns gar nicht zu unterhalten. Aber sie dürfen nicht immer wieder passieren. Und Fehler muss man schnell wiedergutmachen. So zum Beispiel bei Spielereinkäufen: Man kann immer mal daneben liegen, aber dann muss man sich schnell wieder trennen. Wie heißt es so schön? Der erste Verlust ist immer der geringste. Selbst den Bayern ist das passiert. Aber dort wurden die Fehler schnell repariert. Jetzt, so glaube ich, ist durch Trainer Bert van Marwijk und Sportchef Oliver Kreuzer aber etwas Ruhe in den Verein gekommen. Nur sind den beiden die Hände gebunden, wenn kein Geld mehr da ist, und die Spieler langfristige Verträge haben. Dann wird es schwierig. Einige der Profis sind auch schon zu lange da. Die sind ja nicht preiswert. Kein Verein will diese Herren haben.

Bert van Marwijk ist sicherlich ein hervorragender Trainer. Aber sagen Sie mal ganz ehrlich: Oliver Kreuzer, ist das der richtige Mann?
Was er bislang in Verbindung mit van Marwijk macht, ist in Ordnung. Er macht auch seinen Mund auf, wenn es eng wird. Das gefällt mir. Wir brauchen mehr unbequeme Leute in der Führungsetage. Noch ist es zu früh, Kreuzer zu beurteilen.

Im Januar entscheiden die Mitglieder über die Zukunft des HSV. Über welches Ergebnis würden Sie sich freuen?
Ich weiß, dass es verschiedene Strömungen gibt. Seit Jahren sage ich, dass beim HSV etwas passieren muss, wenn wir irgendwann wieder nach vorne wollen. Weil es nur so geht, denn das ist Berufsfußball. Und da muss es gewisse Entscheidungen geben, die den Profifußball eben auch gewähren lassen. So wie er heute erfolgreich bei den Bayern und auch bei Borussia Dortmund betrieben wird. Aber die Statuten beim HSV lassen nicht viel zu. Insofern weiß ich noch nicht, wie sie es lösen, und ob sie es lösen. Es gibt offenbar drei oder auch vier Interessengruppen. Da ist natürlich die Vernunft der Mitglieder gefragt. Es ist spannend.

Bayern und Dortmund, wie Sie schon sagen, haben es vorgemacht, dass einige ehemalige Nationalspieler auf Stühlen sitzen, auf denen sie etwas zu sagen haben. Wäre das nicht auch beim HSV der richtige Weg, dass einige dieser Leute, die man ja zweifelsohne beim HSV hat, an die Schaltzentralen im Volkspark kommen?
Ich glaube, eine gute Mischung zwischen Fußballkennern und Kaufleuten ist wichtig. In anderen Vereinen funktioniert das, bei uns im Moment nicht. Vielleicht wird das ja nach der Mitgliederversammlung besser. Ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Und wie hat Uwe Seeler Weihnachten gefeiert?
Wie immer im Kreise der lieben Familie. Ruhig und so ganz ohne Fußball. Das geht auch.

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