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Nach Niederlage gegen Paderborn : Aufbruchstimmung beim HSV weicht Ernüchterung

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Trainer Slomka wollte die Durststrecke des Hamburger SV im Volkspark beenden. Doch viel zu zögerlich agierten die Hamburger, was kecke Paderborner zu drei Toren ausnutzten.

Hamburg | Schon wieder wurde der Hamburger SV von seinen Fans mit gellenden Pfiffen in die Kabine verabschiedet. Am Ende verließen die Hamburger Fans fluchtartig das Stadion. Unten auf dem Rasen der Arena spielte sich das schon gewohnte Trauerspiel ab. Bedröppelt schlichen die Akteure in Rotweiß in die Kabine. Bedenklich ist die Art und Weise der Niederlage. Aufsteiger SC Paderborn gewann absolut verdient mit 3:0 (1:0) im Volkspark. Den Ostwestfalen gelang der erste Sieg in der Bundesliga durch Tore von Elias Kachunga (29.), Mario Vrancic (68.) und Moritz Stoppelkamp (87.).

Die Hanseaten warten damit auch nach dem neunten Bundesliga-Spiel saisonübergreifend auf einen Erfolg und Trainer Mirko Slomka weiter auf den 100. Bundesliga-Sieg seiner Karriere. Ihm blieb nichts anderes übrig, als mit verbitterter Miene festzustellen, was Sache ist: „Wir haben unsere Fans brutal enttäuscht, obwohl wir ein neues Gesicht zeigen wollten.“

Hamburgs Angriff wirkte harmlos, die Abwehr unsicher. Schon zur Pause gab es ein Pfeifkonzert. Auch danach fanden die Hamburger kein Mittel gegen die immer selbstbewusster auftretenden Gäste, die von Trainer André Breitenreiter, der von 1994 bis 1997 für den HSV gespielt hatte, bestens eingestellt waren. „Das war absolut verdient. Für uns war das ein bitteres Ergebnis, vor allem, weil uns die Fans so brutal unterstützt haben“, sagte Coach Mirko Slomka. Vieles, was man sich im Training erarbeitete, habe man im Match nicht gesehen.

Der HSV bestimmte zwar zu Beginn das Spiel, zwingende Chancen erarbeiteten sich die ohne den immer noch verletzten Mainzer Zugang Nicolai Müller angetretenen Hausherren aber kaum. Mit der gleichen Aufstellung wie beim 0:0 in Köln setzte Slomka auf eine eingespielte Elf. Doch der Angriff wirkte trotz des vielen Ballbesitzes zu ungefährlich. Der Neuling stand dagegen gut in der Defensive und lauerte auf Konter. Die dritte Großchance nach Möglichkeiten durch Stoppelkamp (18.) und Kachunga (24.) schob der 22-Jährige ein, nachdem Adler den Schuss von Süleyman Koc gerade noch abwehren konnte. Das 2:0 lag in der Luft, als wieder Kachunga aus Abseitsposition einköpfte.

Eine deutliche Schwächung für die Hamburger war die Auswechslung des angeschlagenen Kapitäns Rafael van der Vaart nach 37 Minuten. Für den Aktivposten kam der aus Hannover zurückgekehrte Stürmer Artjoms Rudnevs, der technisch große Defizite offenbarte. Noch nicht recht ins Spiel fand auch Angreifer Pierre-Michel Lasogga, der vor der Halbzeit nur einmal weit über das Gehäuse schoss. Zum Ende der ersten 45 Minuten wurden die Ostwestfalen immer selbstbewusster, beim HSV lief kaum noch etwas zusammen. „Da hätten wir auch höher führen können“, sagte Breitenreiter. Abwehrspieler Johan Djourou befürchtet sogar: „Wenn wir so weiterspielen, machen wir keinen einzigen Punkt in der Liga.“

Zur zweiten Halbzeit brachte Slomka auf dem Flügel für Tolgay Arslan erstmals Zoltan Stieber. Der Fürther Neuzugang brachte gleich neue Impulse. Nach einer Ecke verpasste Innenverteidiger Johan Djourou (56.) knapp den Ausgleich. Auch Lasogga (60.) konnte einen Kopfball nicht im Tor von Lukas Kruse unterbringen. Nur Sekunden später verfehlte der ehemalige Berliner nach Steilpass von Marcell Jansen wieder das Gehäuse. Wenig später erlief Vrancic einen Fehlpass von Rudnevs und sprintete auf René Adler zu. Schnell und gekonnt ließ er den HSV-Schlussmann aussteigen und schob ein. Statt eines Aufbäumens der Hausherren legten die Gäste sogar noch nach: Nach Vorlage von Daniel Brückner erzielte Stoppelkamp den Endstand. Adler war machtlos. „Das haben wir alle anders erwartet, ich habe die gleiche Gefühlslage wie die Zuschauer“, sagte der HSV-Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer. Weder Rückkehrer Artjoms Rudnevs noch 8,5-Millionen-Euro-Zugang Pierre-Michel Lasogga nutzten ihre Großchancen. Bis Montag könnte noch Mittelfeldspieler Lewis Holtby von Tottenham Hotspur zu den Hanseaten stoßen. In Hamburg kursiert schon nach zwei Spieltagen der makabre Witz, in Mirko Slomka werde der wichtigste Transfer kurz nach dem 1. September getätigt.

Der als Hoffnungsträger zurückgeholte Dietmar Beiersdorfer wollte sich nach dem Spiel zu Slomka nicht äußern. „Das war eine sehr schlechte Leistung, aber ich spreche nicht über den Trainer“, sagte der HSV-Vorstandsvorsitzende, der nach seiner Rückkehr in die Hansestadt fast jeden Stein umgedreht hatte und Sportdirektor Oliver Kreuzer entließ. Vor Slomka machte er Halt, doch auch ein richtiges Treuebekenntnis gab es nie. Angeblich soll er sich kürzlich sogar mit dem ehemaligen Mainzer Trainer Thomas Tuchel getroffen haben.

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erstellt am 31.Aug.2014 | 11:58 Uhr

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