Relegation gegen den KSC : „Atemlos“ statt „Hamburg, meine Perle“? Welches Problem HSV-Fans mit Helene Fischer haben

Verbleib in der Bundeliga oder Abstieg? Heute Abend muss der HSV im ersten Relegationsspiel gegen den Karlsruher SC alles geben. shz.de mit Fakten und Kuriositäten rund um die Spiele.

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28. Mai 2015, 15:22 Uhr

Hamburg | Feuchte Hände und schlaflose Nächte: Für HSV-Fans wird es am Donnerstag ab 20.30 Uhr ernst. Beim ersten Relegationsspiel für den Klassenerhalt in der Bundesliga tritt der Hamburger SV gegen den Karlsruher SC an.  Was Sie vor dem Duell wissen müssen.

„Atemlos“ statt „Hamburg, meine Perle“?

Was machen HSV-Fans, die nicht zum Relegations-Rückspiel nach Karlsruhe fahren können? Zusammen beim Public Viewing seinem Verein die Daumen drücken. Das Rückspiel des HSV gegen den KSC sollte eigentlich live auf einer großen Leinwand im Volksparkstadion übertragen werden. Doch die Sängerin Helene Fischer  könnte dem Plan einen Strich durch die Rechnung machen. Die Schlagersängerin tritt kommenden Donnerstag und Freitag in Hamburg auf. Die Hamburger Morgenpost berichtet, dass die Aufbauarbeiten aber bereits am Montag beginnen sollen - am Tag des Rückspiels. Der HSV prüft, ob das Public Viewing wie geplant stattfinden kann. Bleibt zu hoffen, dass die Parodie „Punktelos“ des Fischer-Hits „Atemlos“ keine bittere Wahrheit wird.

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Wenn auch zukünftig vor jedem Spiel Lotto King Karl „Hamburg meine Perle“ anstimmen würde, wäre dies aber auf jeden Fall ganz im Sinn der Fans.

Public Viewing

Zusammen Fußball  zu gucken und dann zu zusammen jubeln ist doch viel schöner als einsam zu Hause vor dem Fernseher zu sitzen. Das Landhaus Walter veranstaltet im Stadtpark ein Public Viewing auf einer 15 Quadratmeter großen Leinwand. 6000 Fans können dort gemeinsam Daumen drücken.

Wer ist fit?

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Artjoms <a href="https://twitter.com/hashtag/Rudnevs?src=hash">#Rudnevs</a> fällt aus mit Adduktorenproblemen, <a href="https://twitter.com/Jiras_Official">@Jiras_Official</a> wegen Knieproblemen. Schnelle &amp; gute Besserung! <a href="https://twitter.com/hashtag/HSVKSC?src=hash">#HSVKSC</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Relegation2015?src=hash">#Relegation2015</a></p>&mdash; Hamburger SV (@HSV) <a href="https://twitter.com/HSV/status/603594997271760897">27. Mai 2015</a></blockquote>

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Der HSV muss verletzungsbedingt auf einige Spieler verzichten. Neben Artjoms Rudnevs und Petr Jiracek werden auch Ashton Götz, Marcell Jansen und Valon Behrami nicht spielen. Ob Pierre-Michel Lasogga am Donnerstag auf dem Platz stehen wird, ist noch unklar.

Gesunde Spieler sollten trotzdem im Hinspiel aufpassen. Beim HSV sind Gojko Kacar, Matthias Ostrzolek, Johan Djourou, Heiko Westermann und Cléber Reis mit jeweils vier gelben Karten vorbelastet – eine weitere und das Rückspiel findet ohne sie statt.

Rückspiel in Karlsruhe vorverlegt

Im Wildparkstadion in Karlsruhe stehen die Fans Schlange, um Karten für das Relegationsspiel gegen den HSV zu bekommen.
dpa
Im Wildparkstadion in Karlsruhe stehen die Fans Schlange, um Karten für das Relegationsspiel gegen den HSV zu bekommen.
 

Sicherheit geht vor: Das Rückspiel am Montag ist von 20.30 Uhr auf 19 Uhr vorverlegt worden. Eine Diskussion über die Sicherheitsvorkehrungen in und um das Wildpark-Stadion hatte die geänderte Anstoß-Zeit ausgelöst.

HSV Fankneipe „UnabsteigBar“

Was tun, wenn der HSV in die zweite Bundesliga abgestiegen ist, die Fankneipe aber doch „UnabsteigBar“ heißt? Richtig, umbenennen. Mario Drifte, Besitzer „UnabsteigBAR“, erwägt einen Namenswechsel seiner Kultkneipe im Fall eines Abstiegs. „Die ersten 14 Tage würde ich das Schild mit 'UnfassBAR' überkleben und danach vielleicht mit 'AufsteigBAR'“, sagte 50-Jährige

Und was ist mit der Bundesliga-Uhr im Stadion?

Sie läuft und läuft und ob sie weiter läuft, entscheidet sich am Montag. Der frühere Manager des Karlsruher SC, Rolf Dohmen, ist jedenfalls genervt von der Bundesliga-Uhr im Stadion des Hamburger SV. „Ich finde, es wird viel zu viel Wind um diese blöde Uhr gemacht. Das ist doch Humbug. Reine Vergangenheit, das ist was für die Geschichtsbücher“, sagte der 63-Jährige vor dem Relegations-Hinspiel.
Im Falle des Abstiegs wird die Uhr nicht sofort ausgeschaltet. Sie würde bis 23 Uhr weiterlaufen und dann wie jede Nacht  in den Energiesparmodus umschalten. Allerdings würde sie am Dienstag nicht mehr aus dem Schlaf erwachen.

HSV-Profi Diekmeier ist der „Meister der Relegation“

HSV-Profi Dennis Diekmeier ist so etwas wie der Meister der Relegation. Dreimal hat der 25 Jahre alte Fußballprofi bisher in den Entscheidungsspielen zwischen dem Erstliga-16. und dem Zweitliga-Dritten gestanden, dreimal war er erfolgreich. 2009 stieg er mit dem 1. FC Nürnberg in die 1. Liga auf, ein Jahr später hielt er mit dem FCN die Klasse, ohne jedoch selbst zum Einsatz zu kommen. Und 2014 schaffte „DD“ dann mit dem Hamburger SV den Klassenverbleib. „Das ist der Wahnsinn! Eigentlich wollte ich das nie wieder erleben, aber jetzt muss ich meine Serie ausbauen“, sagte Diekmeier vor dem Relegations-Hinspiel. Diekmeier rechnet sich für den HSV gute Chancen aus, weil der aus den letzten fünf Bundesliga-Partien dieser Spielzeit zehn Punkte holte. „Letztes Jahr hingegen haben wir vor Saisonende fünfmal verloren.“

HSV- der Wirtschaftsfaktor

HSV-Fanshop-Betreiber wie Berti Bober aus Kaltenkirchen würde der Abstieg schwer treffen.
Axel Heimken
HSV-Fanshop-Betreiber wie Berti Bober aus Kaltenkirchen würde der Abstieg schwer treffen.
 

Ein HSV-Abstieg wäre nicht nur für den Verein, sondern auch für die Stadt ein herber Imageverlust. „Erfolgreiche Fußballvereine sind aufgrund ihrer medialen Reichweiten die stärksten Visitenkarten einer Stadt“, sagt Raphael Brinkert, Werbechef der Agentur Jung von Matt. Und der Sportökonom des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Henning Vöpel, mahnt: „Ein sofortiger Wiederaufstieg ist kein Selbstgänger.“

Die sportliche Perspektive des HSV ist eng verknüpft mit der desolaten finanziellen Situation des verschuldeten Nordclubs. Sollten die Hanseaten absteigen, stehen sie vor einem Dilemma. „Der HSV trifft in der 2. Liga auf Vereine wie RB Leipzig, die eine eingespielte Mannschaft und durch Investoren Geld in der Kasse haben“, sagt Vöpel. Die Hamburger müssten zur Deckung des Zweitliga-Etats Spieler verkaufen, brauchen aber ein schlagkräftiges Team.

Die Einnahmen würden schwinden: weniger Ticketverkäufe, geringere Fernsehgelder und wohl eine schwächere Nachfrage nach Fan-Artikeln. „Der HSV wird die Kosten nicht im gleichen Rahmen senken können, wie die Einnahmen zurückgehen“, erläutert der HWWI-Ökonom.

Schon 2014 litten Fans und die Stadt, als der Bundesliga-Dino nur mit Glück die Relegation gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth überstand. Tourismus-Manager und Werbestrategen sorgten sich schon damals um das Standing der Stadt. Auf rund 100 Millionen Euro beziffert das HWWI den Einkommens- und Beschäftigungseffekt, den der HSV durch direkte Arbeitsplätze im Verein und indirekte in Kneipen, Restaurants und Imbissbuden sowie durch Marketing und Merchandising erzeugt.

Im Fall eines HSV-Abrutsches befürchtet der HWWI-Experte einen Rückgang um 30 Millionen bis 50 Millionen Euro. „Ein Abstieg würde die Anzahl der Tages- und Übernachtungsgäste deutlich reduzieren und sich damit spürbar auf die Einnahmen von Einzelhandel, Gastronomie, Hotellerie und Verkehrsbetriebe auswirken“, warnte Hamburgs Tourismusvermarktung schon im Vorjahr.

mit dpa

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