Neues vom HSV : Antragsteller Gottschalk: AfD-Werte und Raute passen nicht zusammen

Peter Gottschalk hält einen Wimpel des Supporters-Club vom HSV in seinen Händen.
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Peter Gottschalk hält einen Wimpel des Supporters-Club vom HSV in seinen Händen.

„Wir können darauf pochen, dass unsere Werte eingehalten werden“, sagt Peter Gottschalk trotz der heftigen Reaktionen der AfD.

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02. Februar 2018, 10:35 Uhr

Hamburg | Antrag IX für die Mitgliederversammlung des Hamburger SV hat den Wahlkampf um das Präsidentenamt beim Fußball-Bundesligisten zwischen dem Herausforderer Bernd Hoffmann und Amtsinhaber Jens Meier beinahe in den Hintergrund gedrängt. Die sieben Zeilen, in denen Peter Gottschalk auf der Versammlung am 18. Februar den Ausschluss von AfD-Mitgliedern aus dem Traditionsclub fordert, haben heftige Reaktionen ausgelöst. Vor allem bei Vertretern der rechtspopulistischen Partei, die dem 76-Jährigen Ausgrenzung vorwerfen und Parallelen zum Umgang mit jüdischen Mitgliedern des Clubs während der Nazi-Diktatur ziehen.

So rechtfertigt Gottschalk seinen Antrang

„Ich will nicht ausgrenzen. Ich will Transparenz“, sagt Gottschalk. „Ich will, dass jeder weiß: Wer sich nicht an die Werte der Vereins hält, wird ausgeschlossen.“ Sein Antrag sei demokratisch gestellt und werde demokratisch abgestimmt. „Es gibt genügend Sportlerinnen und Sportler, die meine Ansicht teilen.“ HSV-Mitglieder müssten nicht ihr Parteibuch zeigen, betonte er. „Es geht hier schließlich nicht um Formalismus“, meinte Gottschalk, der seit seinem 13. Lebensjahr im HSV ist. „Wir können aber darauf pochen, dass unsere Werte eingehalten werden.“ Diese Werte seien unter anderen Toleranz, kein Rassismus, Kameradschaft, Solidarität und Fairness.

Nach eigener Aussage erhielt der Unternehmer seit Bekanntwerden seines Antrags etliche Mails und Nachrichten via Facebook, in denen er beschimpft und verunglimpft wurde. „Das sagen die Leute die gesichtslos und geschichtslos sind“, meinte Gottschalk, der bis 2009 Vorsitzender des Seniorenrats des HSV war. „Bei einigen ist es Kalkül, bei einigen Dummheit.“

Anderer Gottschalk ist größter Kritiker

Heftig angegriffen wurde Gottschalk, seit 1981 aktives SPD-Mitglied, vor allem aus der AfD selbst. Kay Gottschalk, stellvertretender Bundesvorsitzender, HSV-Mitglied und nicht mit Peter Gottschalk verwandt, hatte den Antrag mit der Ausgrenzung jüdischer Mitglieder zwischen 1933 und 1945 verglichen: „Damals wurden jüdische Fußballer ausgeschlossen, will man jetzt ernsthaft wieder an diese Zeit anknüpfen?“, fragte er. Er machte Peter Gottschalk ein Gesprächsangebot. Doch der HSV-Senior lehnte ab: „Ich rede nicht mit Nazis. Er kann sich ja auf der Mitgliederversammlung äußern.“

Der AfD-Fraktionschef in der Hamburger Bürgerschaft, Alexander Wolf, hatte den Antrag als „skandalös“ bezeichnet. Es sei ein „seltsames Demokratieverständnis, wenn man Mitglieder der drittstärksten Partei im Deutschen Bundestag stigmatisieren und ausgrenzen will“.

Frankfurt hat das gleiche Problem

Der HSV ist aber nicht der erste Fußball-Bundesligist, in dem über den Umgang mit der AfD diskutiert wird. Präsident Peter Fischer von Eintracht Frankfurt hatte am Sonntag bei der Jahreshauptversammlung seine Position bekräftigt. „Unsere Satzung sagt ganz klar: Wehret den Anfängen von Rassismus, Herabsetzung, Ausgrenzung und Antisemitismus“, hatte der 61-Jährige den Mitgliedern zugerufen. Gleichzeitig Mitglied der Eintracht und Wähler dieser rechtspopulistischen Partei zu sein, sei deshalb „unvereinbar“.

Und er fügte hinzu: „Wir müssen uns für die Verteidigung der Werte unserer Gesellschaft ohne Zweifel engagieren. Die sind viel stärker in Gefahr, als wir das wahrnehmen.“ Auch wegen dieser deutlichen Positionierung wurde Fischer mit 99 Prozent der Mitgliederstimmen als Präsident wiedergewählt. „Sonst wären es wohl nur 96 Prozent gewesen“, meinte Peter Gottschalk scherzhaft.

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