Drei Spiele, neun Punkte, sechs Abstiegskandidaten : Abstiegskampf in der Bundesliga: Rettet sich heute der HSV?

Heiko Westermann (M) jubelt zusammen mit Gojko Kacar (l) und Pierre-Michel Lasogga. Reicht es für den HSV zum Klassenerhalt?
Heiko Westermann (M) jubelt zusammen mit Gojko Kacar (l) und Pierre-Michel Lasogga. Reicht es für den HSV zum Klassenerhalt?

Selten war es in der Bundesliga so spannend im Abstiegskampf wie in dieser Saison. Ab Platz 13 wird es eng.

shz.de von
08. Mai 2015, 13:22 Uhr

Hamburg | Es herrscht purer Abstiegskampf in der 1. Bundesliga. Von Platz 13 bis Platz 18 schrillen drei Spieltage vor Schluss die Alarmsirenen. Was den Abstiegskampf in dieser Saison so spannend macht? Fast alle Teams im Tabellenkeller spielen noch gegen einen direkten Konkurrenten.

Die Ausgangssituation vor dem 32. Spieltag:

Platz Verein Tordifferenz Punkte
13 Hertha BSC -13 34
14 Hamburger SV -26 31
15 SC Paderborn -30 31
16 SC Freiburg -11 30
17 Hannover 96 -18 30
18 VfB Stuttgart -22 27

Der Hamburger Sportverein macht am Freitagabend um 20.30 Uhr in der Imtech-Arena den Auftakt gegen den SC Freiburg. Die Hamburger, die sich in den letzten zwei Spielen etwas Luft verschafft haben (2:1 gegen Mainz, 3:2 gegen Augsburg), wollen einen weiteren Schritt in Richtung Ligaverbleib unternehmen. Im Moment liegt die Mannschaft auf dem 14. Tabellenplatz. Die Partie unter Flutlicht ist mit 57.000 Zuschauern ausverkauft. „Die Fans haben ihren Glauben zurück, und jetzt wollen wir diesen noch stärken“, sagte Trainer Bruno Labbadia.

Ivo Ilicevic wird am Freitagabend nicht dabei sein. Er klagt über eine Muskelquetschung. Auch Nicolai Müller laboriert an einem Knochenödem. Als Ersatz im Mittelfeld werden vermutlich Lewis Holtby im Zentrum und Zoltan Stieber auf der rechten Seite zum Einsatz kommen. Valon Behrami fällt wegen einer Oberschenkelzerrung aus.

Die Freiburger, die nur einen Punkt hinter den Hamburgern auf dem Relegationsplatz stehen, wollen im Schlussspurt ebenfalls punkten. Nach zuletzt zwei Niederlagen und einem Unentschieden der Breisgauer, wartet ein brisantes Duell auf die Fans. Freiburg hat gute Erinnerungen an den Volkspark. In den letzten vier Gastspielen gab es drei Siege und ein Remis. „Uns erwartet ein unglaublich intensives Spiel. Es wird uns alles abverlangt werden und dem können wir nur mit absoluter mannschaftlicher Geschlossenheit begegnen“, sagte Labbadia.

Mit einem Sieg würde sich der HSV auf 34 Punkte verbessern und damit mit Hertha BSC gleichziehen. Am Samstag spielt Hannover 96 gegen Werder Bremen und Stuttgart gegen Mainz. Am Sonntag folgt dann noch Hamburgs Tabellennachbar Paderborn, der zuhause gegen Championsleague-Teilnehmer Wolfsburg antreten muss.

Verlieren die anderen Teams, hätte Hamburg zwei Spieltage vor Schluss vier Punkte Abstand auf Tabellenplatz 16 (Relegation) und den direkten Abstiegsplatz (17). Gewinnt Stuttgart, würde sich zunächst nichts ändern. Mit 30 Punkten hätte die Mannschaft von Huub Stevens allerdings Anschluss gefunden.

Setzt sich Freiburg am Abend in Hamburg durch, wird es wieder brenzlich für die Labbadia-Truppe. Freiburg, dann 33 Punkte, würde am HSV vorbeiziehen. Gewinnt auch Hannover am Samstag gegen Bremen, würden die Hamburger wieder auf den Relegationsplatz abrutschen. Schlimmer kann es am 32. Spieltag allerdings nicht kommen. Es sei denn, Paderborn bezwingt am Sonntag Wolfsburg oder erreicht zumindest ein Unentschieden. Dann wäre der HSV erneut auf einem direkten Abstiegsplatz.

Bei einem Unentschieden gegen Freiburg würde der HSV Platz 14 ebenfalls sichern, sofern Paderborn nicht über ein Unentschieden hinaus kommt und Hannover nicht gewinnt. Hertha auf Platz 13 spielt in Dortmund und könnte sich mit einem Sieg aus der Abstiegszone verabschieden. Verliert die Mannschaft von Pal Dardai, ist sie wieder tiefer drin im Abstiegskampf.

Die Restprogramme der Teams im Tabellenkeller haben es auch am 33. und 34. Spieltag in sich:

Die Hamburger spielen noch gegen den abstiegsbedrohten VfB, wo unbedingt gepunktet werden sollte. Die Bilanz spricht für das Team aus der Hansestadt. Am letzten Spieltag folgt dann noch Schalke. Je nach Ergebnissen geht es für den derzeit Fünftplatzierten noch um die Teilnahme an der Europaleague. Die Schalker stehen mit 45 Punkten nur knapp vor Augsburg (43 Punkte) und Bremen, die mit 42 Punkten noch den Einzug in die Europaleague vor Augen haben. Ein Sieg könnte also für beide Teams noch hohe Bedeutung haben. Siegt Hamburg gegen Freiburg und Stuttgart und würde noch ein Unentschieden gegen Schalke holen, wären am Ende 38 Punkte auf dem Konto.

33. Spieltag VfB Stuttgart gegen HSV
34. Spieltag HSV gegen Schalke

Der Aufsteiger Paderborn möchte natürlich den direkten Wiederabstieg vermeiden. Auch der SC muss noch gegen Schalke spielen, die um die Europa-League Qualifikation ringen. Am letzten Spieltag geht es dann gegen Stuttgart. Auch hier muss Paderborn gewinnen, möchten der Verein den Verbleib in der Liga sichern. Mit Wolfsburg und Schalke warten harte Brocken. Damit hat Paderborn die ungünstigste Ausgangslage. Ein Sieg gegen Stuttgart ist drin und vielleicht ein weiteres Unentschieden. Mit vier Punkten aus drei Spielen würde Paderborn die Saison mit 35 Punkten beenden.

33. Spieltag FC Schalke gegen Paderborn
34. Spieltag Paderborn gegen Stuttgart

Die Freiburger sind für ihre Schlussspurts bekannt. In der letzten Saison rettete sich der Club bereits frühzeitig, sodass die letzten beiden Spiele sogar verloren gehen konnten. Ein Sieg gegen den HSV ist Pflicht, denn am 33. Spieltag kommt Meister Bayern. Damit hat Freiburg die schwerste Aufgabe im Restprogramm. Eine Niederlage einkalkuliert, müsste dann gegen Hannover gewonnen werden. Sechs Punkte aus drei Spielen würde eine Rettung Freiburgs wahrscheinlicher machen. Das Team hätte dann 36 Punkte. Ein Ass haben die Breisgauer noch im Ärmel. Mit einer Tordifferenz von nur -11 Treffern, steht der SC konkurrenzlos da. Das könnte am Ende bei gleichem Punktestand entscheidend sein.

33. Spieltag SC Freiburg gegen Bayern München
34. Spieltag Hannover 96 gegen SC Freiburg

Hannover spielt am 33. Spieltag gegen Augsburg. Das Team will in die Europaleague und hat Bremen und Hoffenheim im Nacken. Beide Teams müssen also gewinnen, um ihre Ziele zu erreichen. Im direkten Duell gegen Freiburg muss Hannover dann ohnehin punkten. Blöd für 96, dass am Samstag Bremen in Hannover zu Gast ist. Werder kann nach einer verkorksten Saison nämlich noch international spielen. Keine leichte Ausgangssituation für 96-Coach Frontzeck. Mit einem Sieg gegen Freiburg und einem Unentschieden gegen Bremen oder Augsburg würden vier Punkte aus den letzten Spielen herausspringen. 34 Punkte am Ende würden dann den Abstieg bedeuten.

33. Spieltag FC Augsburg gegen Hannover 96
34. Spieltag Hannover 96 gegen Freiburg

Stuttgart hat die schlechteste Ausgangslage aller Teams. Verliert der VfB das Abendspiel am Samstag gegen Mainz, sieht es düster aus. An den beiden letzten Spieltagen geht es gegen den HSV und Stuttgart. Die Mannschaft muss diese Spiele gewinnen, um sich vielleicht noch retten zu können. Mit drei Siegen kämen die Stuttgarter auf 36 Punkte und könnte so vielleicht den Relegationsplatz erreichen.

33. Spieltag VfB Stuttgart gegen HSV
34. Spieltag SC Paderborn gegen VfB Stuttgart

Auch für Hertha könnte es noch gefährlich werden. Wird gegen Dortmund, Frankfurt und Hoffenheim nicht gepunktet und siegt die Konkurrenz auf den hinteren Tabellenplätzen, könnte der Drei-Punkte-Vorsprung der Berliner am Ende nicht reichen.

33. Spieltag Hertha gegen Frankfurt
34. Spieltag Hoffenheim gegen Hertha

In der Relegation gibt es gleich mehrere mögliche Gegner für das Spiel um Auf- oder Abstieg. In der zweiten Liga steht Ingolstadt unangefochten an der Spitze. Um den Relegationsplatz wird es indes ein harter Kampf in den letzten drei Spielen. Sowohl Kaiserslautern (Platz 2, 54 Punkte), Darmstadt (Platz 3, 53 Punkte), Karlsruhe (Platz 4, 52 Punkte) und Eintracht Braunschweig (Platz 5, 50 Punkte) haben noch reelle Chancen auf den Aufstieg. RB Leipzig auf Platz 6 hat bereits sechs Punkte Rückstand auf Platz 3 und kann seine Durchmarsch-Ambitionen bis in die Bundesliga vorerst begraben. Das Wunder könnte Darmstadt schaffen. Nach dem Aufstieg aus der Dritten Liga wäre der Aufstieg in die Bundesliga der erste seit 1981.

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