Flensburg : Abreise aus Trainingslager: Der HSV enttäuscht seine Fans

Die Trainingsanlage der Marineschule in Flensburg-Mürwik.

Die Trainingsanlage der Marineschule in Flensburg-Mürwik.

Der Platz war für ein Training in zu schlechtem Zustand, lautet die Begründung. Die Kritik bleibt nicht aus.

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26. Juni 2018, 11:04 Uhr

Flensburg | „Mir tut’s richtig leid, besonders für die Kinder“, sagt Tim Gabrys und atmet tief durch. Gabrys ist nicht nur bekennender HSV-Fan, sondern auch Presse-Stabsoffizier der Marineschule Mürwik. Und er erlebte am Montag mit, wie die Fußball-Profis des Hamburger SV nach nur einer Trainingseinheit die Rückreise antraten. Lapidare Begründung: Der Rasen sei zu schlecht, die Verletzungsgefahr zu hoch.

Verfügt hatte das Cheftrainer Christian Titz. Die endgültige Entscheidung fiel am Mittag im Strandhotel Glücksburg, wo der HSV-Tross am Sonntag Nachmittag abgestiegen war. Der HSV ist weg – das bedeutet natürlich auch, dass es heute und am Donnerstag keine öffentlichen Trainingseinheiten gibt. Und genau das tut Gabrys leid. Er weiß noch genau, wie es vor drei Jahren war, als der HSV – noch als Erstligist – mit Trainer Mirko Slomka zu Gast war. „Die Plätze waren damals nicht besser“, sagt Gabrys, und Jürgen Muhl, stellvertretender sh:z-Chefredakteur, berichtet: „Mirko Slomka hat sich hinterher schriftlich für die guten Bedingungen bedankt.“

Ortstermin am Montagnachmittag auf einem der beiden Plätze. Der erste Eindruck: Von einem perfekten Rasenteppich kann nicht die Rede sein. „Das kann auch niemand verlangen, schließlich hat es sechs Wochen lang nicht geregnet“, sagt Gabrys. Greenkeeper des Förde-Golf-Clubs hatten sich intensiv um das Grün gekümmert, auch ein Mitglied des Greenkeeping-Teams des HSV hatte beide Plätze vorher in Augenschein genommen. Entweder er war zufrieden und die Entscheidung wurde allein von Christian Titz getroffen – oder er war nicht zufrieden. Dann hätte er seine Bedenken zeitnah übermitteln sollen, was aber offensichtlich nicht geschah. Nicht wenige Beobachter vermuten ein Kommunikationsproblem beim Hamburger SV.

 

„Wir haben alles, was in unserer Macht steht, getan“, versicherte HSV-Fan Gabrys. Der Presse-Offizier weiter: „Natürlich sind wir jetzt enttäuscht. Aber die Entscheidung treffen andere.“ Am Sonntagabend hatten die Verantwortlichen noch alles getan, um einen Ausweichplatz zu finden. Die Reise führte unter anderem nach Satrup, zum SC Weiche 08 ins Manfred-Werner-Stadion, vor die Tore des Flensburger Stadions und auch auf den Platz des Polizei SV an der Westerallee. Doch entweder waren die Plätze gesperrt, weil neuer Rasen angesät wird (TSB, SC Weiche 08), oder fanden keine Gnade vor den Augen von Titz.

So entschloss sich der HSV zur Abreise – und hinterließ ratlose Gesichter und enttäuschte Fans. Ursprünglich hatte Titz alle Trainingseinheiten öffentlich abhalten wollen. „Es liegt ihm (Titz - Red.) sehr am Herzen, dass der HSV weiter in großen Schritten auf seine Fans zugeht, daher möchte er sich mit seiner Mannschaft so offen wie möglich präsentieren“, hatte Teammanager Jürgen Ahlert in der vergangenen Woche geschrieben.

 

Von der Absage des Trainingslagers nicht berührt ist das Testspiel am Freitag (18.30 Uhr) im Büdelsdorfer Eiderstadion im Rahmen des sh:z-Fußballsommers gegen den Landesligisten Büdelsdorfer TSV.

Tim Gabrys kann es immer noch nicht verstehen: „So wie ich es gehört habe, hätten Teambuilding-Maßnahmen im Mittelpunkt gestanden. Wir haben die Treppe, wir haben eine Hinderniswand...“ Auf der legendären Treppe hatte schon Felix Magath die Fußballer des VfL Wolfsburg gescheucht. Weder von Magath noch von Mirko Slomka zu seiner HSV-Zeit war auch nur eine Beschwerde überliefert – dann kam Christian Titz und verprellte nicht nur die Veranstalter, sondern in erster Linie die zahlreichen HSV-Fans im Norden.

Eklat um den HSV: Die Ansprüche eines Zweitligisten

Ein Kommentar von Jürgen Muhl

Der Hamburger SV ist nach einem Tag Trainingslager unverrichteter Dinge aus Glücksburg abgereist. Offizielle Begründung: Die Trainingsplätze in der Marineschule Mürwik entsprächen nicht den Ansprüchen des Zweitligisten HSV.

Eine halbe Woche lang hatte der HSV-Greenkeeper an den Plätzen Hand angelegt und grünes Licht gegeben. Danach kümmerten sich zwei Greenkeeper vom Golfclub Glücksburg um die Rasenflächen, die insgesamt – abgesehen von zwei, drei hellen Stellen – einen guten Eindruck hinterlassen. Was aber HSV-Trainer Christian Titz nicht davon abgehalten hat, das Trainingslager zu beenden bevor es begonnen hat. Eine kurze Abschlusspressekonferenz im Strandhotel – die Schuld an die vom HSV engagierte Agentur abgewälzt – und das war es dann. Der Mannschaftsbus verlässt das Hotelgelände.

Die Zeiten im Profi-Fußball haben sich geändert. Nichts ist mehr so wie vor einigen Jahren, als neben dem HSV der VfL Wolfsburg, Schalke 04, Hannover 96 oder auch der englische Club West Ham United in der Marineschule trainierten und des Lobes voll waren. Inzwischen reichen die Bedingungen offenbar nicht einmal mehr für einen Zweitligisten mit den Ansprüchen eines Hamburger SV.

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