HSV hilft VfB: Ein Duell mit großer Tradition

Avatar_shz von
18. März 2013, 08:05 Uhr

Der größte Helfer für den finanziell schwer angeschlagenen VfB Lübeck ist ein Rivale aus alten Tagen. Der Hamburger SV kommt am 9. April (18 Uhr) zum "Retterspiel" auf die Lohmühle. Einst wohnten bis zu 20 000 Zuschauer den Punktspielen beider Clubs bei. Und auch heute ist der HSV in Lübeck noch ein Zuschauermagnet. Rund 6700 Tickets (mehr zum Vorverkauf auf Seite 10) sind bislang abgesetzt. Der VfB hofft auf mehr als 10 000 Besucher. Dann wäre der erhoffte Reinerlös von über 100 000 Euro sicher, der ein wichtiger Baustein zum Fortbestand des Traditionsvereins sein soll.

Fast auf den Tag genau 40 Jahre wird es her sein, dass die beiden Rivalen letztmals ein Punktspiel gegeneinander bestritten. Am 21. April 1963 siegte der HSV in Lübeck mit 5:3 - es war das 36. und letzte Duell um Punkte zwischen beiden Clubs seit 1933. Danach kam die Bundesliga - und während die Hamburger zum Erstliga-"Dino" mutierten, pendelte der VfB zwischen Zweit- und Viertklassigkeit. Der große Nachbar HSV kam dennoch regelmäßig nach Lübeck. Jahrelang galten Tests beim VfB auch für die Hamburger als gute Einnahmequelle. "Über die Zuschauerresonanz bin ich überrascht", sagte HSV-Manager Felix Magath noch nach einem Schneespiel im Januar 1987, als 4200 Fans den damals nicht fan-verwöhnten Hamburgern nach einer 20:80-Einnahmeteilung noch eine unverhoffte Einnahme von 24 000 Mark beschert hatten. Gut neun Jahre zuvor waren es noch ein paar Mark mehr gewesen. Doch das Spiel vom Silvestertag 1977 blieb beim HSV trotzdem nicht in guter Erinnerung. Der Top-Star der Gäste, Kevin Keegan, trat schon nach fünf Minuten gegen den arg rustikalen VfB-Verteidiger Erhard "Mucker" Preuß nach, sah die Rote Karte und wurde für drei Monate gesperrt. Sieben Jahre lang ließ sich der HSV anschließend nicht mehr beim VfB sehen - so lange wie nie zuvor.

In Erinnerung bleibt aus Lübecker Sicht vor allem ein Spiel: Am 2. Februar 1958 siegte der VfB zum zweiten und letzten Mal (nach einem 3:1 im September 1934) in einem Punktspiel. Das heutige Aufsichtsratsmitglied Rolf Oberbeck traf zum 3:1-Endstand. Auf morastigem Boden hatten die Lübecker dem Dauermeister der damals erstklassigen Oberliga den Schneid abgekauft. Am Ende stiegen die Grün-Weißen dennoch ab. Leicht war es für den HSV übrigens kaum einmal. Selbst der höchste Pflichtspielerfolg in Lübeck, ein 6:2 am 12. Februar 1950 - übrigens erste Spiel, das der heute 71-Jährige Aufsichtsratsboss Dietmar Scholze beim VfB erlebte - kam erst in der Schlussviertelstunde zustande. Und auch das 5:0 der Hamburger im Juli 2008, als es vor 9692 Fans um den "Holsten-Cup" ging, war lange Zeit keine so klare Angelegenheit. Es war übrigens im 59. Aufeinandertreffen der 46. Sieg der Hamburger. Der VfB siegte vier Mal - zuletzt durch ein Tor von Michael Butrej mit 1:0 in einem Freundschaftsspiel 1998 auf dem Buniamshof.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen