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Umbau des Holstein-Kiel-Stadions : „Wir sind vorbereitet“: Erste Maßnahmen ab Ende Mai geplant

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Holstein Kiel steht vor dem Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga. Der Verein plant aber nicht, das Stadion zu übernehmen.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2017 | 09:50 Uhr

Kiel | Am Sonnabend kann Holstein Kiel mit einem Sieg in Großaspach nach 36 Jahren die Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga perfekt machen. Sportlich fehlen nur noch zwei Punkte zum großen Wurf – beim Drumherum noch ein paar mehr. Doch Holstein-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke wirkt entspannt. „Für den Fall sind wir vorbereitet. Wir schlafen ja nicht auf den Bäumen“, sagt der frühere Weltklasse-Handballer, wenn man ihn auf die infrastrukturellen und finanziellen Planungen für die Zweitklassigkeit anspricht. Sollte Holstein aufsteigen, muss das Stadion vergrößert werden. „Wir haben Gespräche mit der Stadt geführt, der das Stadion ja gehört“, erklärt der 49-Jährige.

Kommt es zu keiner schnellen Lösung, hätte dies Konsequenzen für das Team von Trainer Markus Anfang. Denn dann müsste Holstein Kiel in der 2. Liga zunächst ans Hamburger Millerntor des FC St. Pauli oder auf die Lohmühle ausweichen, wo sonst Regionalligist VfB Lübeck spielt.

Was gemacht werden muss, ist klar. Das Holstein-Stadion ist nicht in allen Bereichen zweitligareif. Das Fassungsvermögen – offiziell derzeit mit 11.386 Plätzen beziffert, wegen Sicherheitsauflagen aber auf rund 10.000 begrenzt – muss erweitert werden. Im Unterhaus müssen nach den Vorschriften der Deutschen Fußball-Liga (DFL) 15.000 Zuschauer Platz finden. Dafür allerdings gibt es Übergangsfristen – so spielt Aufsteiger Würzburg derzeit in einem Stadion mit gut 12.000 Plätzen.

Unweigerlich sofort überarbeitet werden müssen zudem das Flutlicht (1200 Lux statt bisher 800), die seit den 1950er-Jahren kaum veränderten Umkleidekabinen und die Arbeitsbedingungen für Fernsehen und Presse. Das alles soll im Aufstiegsfall möglichst sofort nach dem Landespokalfinale gegen den SV Eichede (25. Mai) in Angriff genommen werden.

Schwenke ist sicher: „Ich habe keine Sorge, dass eine Lizenz für die 2. Liga an diesen Fragen scheitern könnte.“ Im schlimmsten Fall allerdings müssten die Kieler übergangsweise ins Stadion des FC St. Pauli ausweichen. Dieser Fall droht, weil die Finanzierung noch ungeklärt ist. Das Stadion gehört der Stadt, Holstein ist als Mieter nur für die Betriebskosten zuständig. Gerhard Lütje, Aufsichtsratsmitglied und großer Förderer des Vereins, machte gegenüber den „Kieler Nachrichten“ schon einmal deutlich: „Land und Stadt müssen investieren, sonst können wir hier auf Dauer keinen Bundesliga-Fußball etablieren.“

Eine Übernahme des Stadions durch den Verein lehnt er ab. „Daran sind schon andere erstickt.“ Die Kosten für die Erweiterung der derzeitigen Stahlrohr-Tribünen, einen Neubau in der bisherigen Gästekurve (5000 Plätze) und die anderen notwendigen Umbauten werden auf etwa zehn Millionen Euro geschätzt.

Insgeheim arbeitet man in Kiel schon seit Jahren an einer „großen Stadion-Lösung“ für die 2. Bundesliga. Für diesen Fall, der bei einer Etablierung der Kieler unter den 36 deutschen Bundesliga-Clubs angegangen werden soll, sicherte Lütje zu, „seinen Beitrag zu leisten“, wenn auch Stadt und Land investieren. CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther sagte am Mittwoch, er wolle sich „dafür einsetzen, dass das Land seinen Beitrag leistet“.

Der angedachte schrittweise Komplettumbau zu einer modernen Fußball-Arena, die am Ende über rund 25.000 Plätze und ein Parkhaus für 1800 Autos verfügen soll, wird mit etwa 50 Millionen Euro veranschlagt. Um ein Vorhaben dieser Größenordnung zu stemmen, wäre für den Verein auch die verbesserte Finanzlage in der 2. Bundesliga nicht ausreichend. Zwar könnte Holstein statt mit bislang 711.000 Euro mit rund 6,2 Millionen Euro aus dem Fernsehtopf sicher planen. „Aber wir hätten auch eine Menge Ausgaben mehr“, sagt Schwenke und verweist darauf, dass der Verein „auch sportlich investieren“ müsse.

Im Haifischbecken Bundesliga wären die Kieler schließlich ein kleiner Fisch. Weil sich nämlich die TV-Einnahmen aus den Erfolgen der vergangenen Jahre bemessen, könnte beispielsweise ein derzeit möglicher Zweitliga-Konkurrent Hamburger SV im Abstiegsfall sogar noch über 20 Millionen Euro Fernsehgeld einplanen.

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