Neuer Trainer von Holstein Kiel : Tim Walter: „Wir wollen immer agieren“

Fußball spielen, nicht nur arbeiten: „Störche“-Coach Tim Walter impft  den Kieler Profis seit Wochen seine Philosophie ein.

Fußball spielen, nicht nur arbeiten: „Störche“-Coach Tim Walter impft  den Kieler Profis seit Wochen seine Philosophie ein.

Der Trainer des Fußball-Zweitligisten spricht über seine Spielidee, seine Lehre aus der WM und das Nordderby beim HSV.

shz.de von
30. Juli 2018, 12:21 Uhr

Kiel | Er hat zweifellos ein schweres Erbe angetreten: Tim Walter, neuer Cheftrainer von Holstein Kiel, soll den Fußball-Zweitligisten möglichst in der Erfolgsspur halten. Was realistisch betrachtet –  nach der wohl kaum wiederholbaren Vorsaison mit Tabellenplatz drei unter Markus Anfang – nur bedeuten kann, den Vorjahresaufsteiger so weit wie möglich von der Abstiegszone fernzuhalten. Knapp eine Woche vor dem Nordschlager zum Saisonstart beim Hamburger SV (Freitag, 20.30 Uhr) stand Walter im Interview Rede und Antwort.

Tim Walter, im Sommer konnten Sie unter den Anfragen mehrerer Proficlubs wählen. Warum haben Sie sich für Kiel entschieden?
Es stimmt, erfreulicherweise hatte ich ein paar Angebote – aber letztlich habe ich mich ja für den richtigen Club entschieden. Natürlich gab es einiges abzuwägen, mit dem dritten Platz in der 2. Liga hatte Holstein ja auch Begehrlichkeiten geweckt. Es war mir bewusst, dass einige Spieler für andere Vereine interessant werden. Den Spagat zu schaffen, mit dem Kern der vergangenen Saison, aber eben auch mit vielen Zugängen einen neuen Weg zu gehen, ist reizvoll. Aber es ist nicht einfach, in der kurzen Zeit eine Mannschaft aufzubauen und ihr eine neue Spielidee zu implementieren. Das ist ein Prozess, der am Freitag sicher noch nicht abgeschlossen sein wird.

Was unterscheidet Ihre Spielphilosophie von der Ihres Vorgängers Markus Anfang?
Der Grundgedanke ist ähnlich: Fußball zu spielen, nicht nur zu arbeiten. Aber jeder Trainer bringt seine eigenen Ideen sicher ein bisschen anders ein.

Wie würden Sie beschreiben, was Sie von Ihrer Mannschaft sehen wollen?
Wir wollen immer agieren. Wir wollen den Grundgedanken des Fußballs in den Mittelpunkt rücken – nämlich nicht nur hinterherzulaufen, sondern mit dem Ball zu spielen. Es liegt doch in der Natur des Menschen, etwas mit dem Gerät, mit dem man arbeitet, kreieren zu wollen.

Hat Sie die WM, bei der Mannschaften, die auf Ballbesitz gesetzt haben, größtenteils wenig Erfolg hatten, nicht beunruhigt?
Nein. Das hat mich eher bestärkt, es mit Ball noch besser machen zu wollen. Sprich: Wenn man den Ball verliert, muss man sich schon vorher, wenn man die Kugel noch hat, besser absichern.

Der erste Gegner ist gleich der HSV. Ein Derby bei einem der Aufstiegsfavoriten zum Start – wie gut passt Ihnen die Ansetzung?
Wir freuen uns total darauf. Das Spiel an sich und die Gegebenheiten motivieren jeden genug. Uns konnte eigentlich nichts Besseres passieren, denn: Niemand erwartet etwas von uns – außer der Trainer. (lacht)

Der HSV ist aus wirtschaftlicher Sicht quasi zum Aufstieg verdammt. Welches Saisonziel hat Holstein?
Wir versuchen jede Woche, ein Spiel zu gewinnen. Das sollte der Anreiz für jeden Profi sein. Ich hoffe, dass wir eine Siegermentalität entwickeln, die Jungs voranbringen und den Club im Profibereich etablieren. Wir tun insgesamt gut daran, es langsam anzugehen.

Wie genau haben Sie Ihre Startelf für Freitag schon im Kopf?
Das ist schwer zu beziffern. Außerdem gilt: Die Mannschaft, die am 1. Spieltag auf dem Feld steht, ist nicht die, die am letzten Spieltag aufläuft. Jeder wird sich empfehlen können, wir brauchen alle unsere Spieler.

Mit dem südkoreanischen WM-Teilnehmer Lee Jae-Sung von Jeonbuk Hyundai und Jonas Meffert vom SC Freiburg sind zuletzt noch zwei Mittelfeldakteure mit Startelfambitionen dazugekommen. Aber komplett ist der Kader immer noch nicht, oder?
Warten wir ab. Der Wunsch, noch einmal auf dem Transfermarkt tätig zu werden, ist da. Aber wir haben auch jetzt schon ein schlagkräftiges Team, das auf jeden Fall in der 2. Liga bestehen kann.

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