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Spiel gegen Eintracht Braunschweig : Die fünf besten Momente von Holstein Kiel im DFB-Pokal

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Kiel will gegen Braunschweig in die nächste Pokalrunde einziehen. In der Vergangenheit waren die Störche ein „Pokalschreck“.

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erstellt am 10.Aug.2017 | 20:31 Uhr

Kiel | Am Freitagabend um 20.45 Uhr steht im Holstein-Stadion das Erstrunden-Spiel der Störche im DFB-Pokal an. Zu Gast an der Förde ist Ligakonkurrent Eintracht Braunschweig, der als norddeutscher Traditionsverein ein spannendes Duell auf dem Platz und auf den Rängen verspricht. Für die „Störche“ ist es die Chance, die Pokalbilanz gegen die „Löwen“ aus Niedersachsen auszubauen. Beim einzigen Aufeinandertreffen in diesem Wettbewerb verloren die Kieler 1979 in der zweiten Hauptrunde mit 1:3. Ansonsten hat der Pokal in der Landeshauptstadt aber immer das Potenzial für Fußballfesttage – wie unsere fünf kleinen Blicke in die Vergangenheit zeigen.


1941 – Pokalschreck mit Tradition

<p>Holstein Kiel spielte schon 1935 um den Tschammer-Pokal mit.</p>

Holstein Kiel spielte schon 1935 um den Tschammer-Pokal mit.

Foto: Imago/Gepa Pictures


Bereits vor der Einführung des DFB-Pokals gab es mit dem Tschammer-Pokal 1935 einen nationalen Pokalwettbewerb. Insgesamt nahmen gleich zur Premiere 4100 Mannschaften teil, unter ihnen natürlich auch Holstein Kiel. Das allererste Spiel wurde gegen die SpVgg Nordring Stettin am 1. September 1935 mit einem fulminanten 7:1 gewonnen. In der zweiten Runde war dann bei Hannover 96 allerdings Schluss.

Besser lief es für die Kieler sieben Jahre später, als die Favoriten reihenweise an der Ostseeküste Schiffbruch erlitten. Erste Runde: Hamburger SV  - 2:1, zweite Runde: Werder Bremen - 2:1, dritte Runde: Blau-Weiß 90 Berlin - 4:0 und Achtelfinale 1. SV Jena - 2:1. Damit war Kiel in der nächsten Runde. Dort wartete mit Schalke 04 ein Starensemble der damaligen Zeit - Fritz Szepan und Ernst Kuzorra sind heute im Pott noch Legenden. Für die Kieler waren die Königsblauen die Endstation: 0:6.

1978 – Holstein Kiels Wintermärchen

<p>Dieter Wendlandt (3.v.l.) trifft per Kopf gegen den Karlsruher SC.</p>

Dieter Wendlandt (3.v.l.) trifft per Kopf gegen den Karlsruher SC.

Foto: Imago/Werek
 

Sommermärchen 2006? Kiel hatte schon viel früher sein Fußballmärchen, allerdings zu einer etwas kälteren Jahreszeit. Als frischgebackener Zweitliga-Aufsteiger segelt Holstein 1978 auch im DFB-Pokal von Runde zu Runde. Nach einem klaren 5:0 Zuhause gegen Saar 05, müssen die Störche in Runde zwei beim SC Herford antreten. Nach einem 3:0 wartet wieder ein Heimspiel und diesmal ist es ein großer Name. Für das Duell gegen den Karlsruher SC kommen am 2. Dezember 14.000 Fans ins Holstein-Stadion und hoffen auf die Sensation. Und tatsächlich führen die Hausherren nach 14. Minuten durch Dieter Wendlandt. Dann schlagen die Süddeutschen zurück, und in der 53. Minute steht es 2:1 für den Favoriten. Aber Holstein bäumt sich auf, kämpft und zeigt große Moral. Mit dem legendären „Holstein-Geist“ wird das Spiel nicht nur gedreht, durch ein weiteres Tor von Wendlandt, einen Doppelpack von Jochimiak und den krönenden Abschluss durch Möller steht es am Ende 5:2.

Trainer Kuno Böge hat die „beste Holstein-Leistung seit dem Zweiten Weltkrieg“ gesehen und ganz Kiel feiert den größten Pokalerfolg seit 1941. Erst im Achtelfinale ist nach einer Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg das Pokalaus besiegelt.

2002 – Güner Kopuk rächt die Türkei

<p>Spätestens der DFB-Pokalsieg gegen Hertha BSC machte Güner Kopuk zum Publikumsliebling an der Förde. Weltmeister Luizao hatte keine Chance gegen den Holsteiner Defensivmann - für „Güni“ die ganz „persönliche Rache für die Türkei“</p>

Spätestens der DFB-Pokalsieg gegen Hertha BSC machte Güner Kopuk zum Publikumsliebling an der Förde. Weltmeister Luizao hatte keine Chance gegen den Holsteiner Defensivmann - für „Güni“ die ganz „persönliche Rache für die Türkei“

Foto: Matthias Hermann

Sommer 2002. Bei der WM in Korea und Japan ist Brasilien gerade Weltmeister geworden. Auf dem Weg zum Titel hat sich die „Seleção“ im Halbfinale zu einem knappen 1:0 über den Außenseiter Türkei gemüht. Einige der erfolgreichen Brasilianer stehen in den Diensten von Hertha BSC und müssen nur einige Wochen später in der ersten Runde des DFB-Pokals im Holstein-Stadion antreten.

Die Favoritenrollen sind (eigentlich) mal wieder klar verteilt, doch ist es am Ende nicht die Elf von Huub Stevens, die jubeln darf. Den Berlinern versagen im Elfmeterschießen komplett die Nerven und nachdem Matthias Rose zum 4:1 eingeschoben hat und Michael Hartmann an Holstein Keeper Manuel Greil scheitert, gibt es am Westring 501 kein Halten mehr.

Dass es überhaupt die Entscheidung vom Punkt geben konnte, hatten die Kieler unter anderem Güner Kopuk zu verdanken. Der türkischstämmige Publikumsliebling nimmt Weltmeister Luizao komplett aus dem Spiel, so dass dieser sich irgendwann komplett entnervt auswechseln lässt - Kicker-Note fünf. Für „Güni“ gibt es hingegen eine 2,5 und auf die Frage eines Reporters sagt er ein wenig schmunzelnd: „Das war meine persönliche Rache“.


2010 - Erst im Viertelfinale gegen Dortmund war Schluss

<p>Die „Pokalschreck-Helden“ feiern den Sieg gegen Mainz 05. Steve Müller (Mitte) gelang gegen den Bundesligisten das 2:0.</p>

Die „Pokalschreck-Helden“ feiern den Sieg gegen Mainz 05. Steve Müller (Mitte) gelang gegen den Bundesligisten das 2:0.

Foto: Matthias Hermann

Als im Sommer 2010 ein junger Holstein-Fan Torsten Gutzeit fragt, „wann die Störche endlich wieder für den DFB-Pokal melden“, schmunzelt der neue Trainer kurz und sagt zur Freude aller Anwesenden: „Ich hoffe auch bald.“ Tatsächlich wird dem Nachwuchs-Schlachtenbummler sein Wunsch nur ein Jahr später erfüllt – und wie!

In der ersten Runde bekommt der Regionalligist mit Zweitligist Energie Cottbus einen durchaus attraktiven Gegner zugelost. Doch nach 90 Minuten reiben sich die Zuschauer verwundert die Augen und Gäste-Trainer „Pele“ Wollitz ist böse zerknirscht. 3:0 – das hat weh getan. Für die Kieler hingegen wird es noch besser, viel besser. Der MSV Duisburg wird in der zweiten Runde mit 2:0 abgefertigt, genau wie im Achtelfinale Erstligist Mainz 05.

Im Viertelfinale ist Borussia Dortmund mit Jürgen Klopp zu Gast in der „Festung an der Förde“. Ein Fußballfeiertag, bei dem jeder dabei sein möchte. Trotz Minusgraden übernachten die Fans der Störche vorm Ticketschalter, um eine der heißbegehrten Eintrittskarten zu bekommen. Auch wenn die KSV gegen den späteren Pokalsieger mit Piszczek, Blaszczykowski und Lewandowski beim 0:4 chancenlos ist – außer dem 1. FC Magdeburg ist kein Viertligist jemals so weit im DFB-Pokal gekommen. Und Kiel hat sich den Beinamen „Pokalschreck“ mehr als verdient.


2015 – Auch die Fans mit Höchstleitungen

<p>Eine Choreografie, über die ganz Deutschland sprach, zauberten die Fans von Holstein Kiel anlässlich des DFB-Pokalspiels gegen den VfB Stuttgart im Jahr 2015 auf die Westtribüne.</p>

Eine Choreografie, über die ganz Deutschland sprach, zauberten die Fans von Holstein Kiel anlässlich des DFB-Pokalspiels gegen den VfB Stuttgart im Jahr 2015 auf die Westtribüne.

Foto: Matthias Hermann

Der letzte DFB-Pokal-Auftritt der Störche liegt zwei Jahre zurück. Über 9900 Zuschauer freuten sich auf den Bundesligisten VfB Stuttgart, der in der Saisonvorbereitung Manchester City mit 4:2 geschlagen hatte. Das ließ nichts Gutes für das ungleiche Duell erahnen.

Doch ganz der Rollenverteilung zum Trotz waren es die Underdogs von der Förde, die nach 37 Minuten in Führung gingen. Kapitän Rafael Czichos hatte den Ball in die Maschen des Stuttgarter Tors gehämmert. Auch wenn nur wenige Minuten später der Ausgleich fiel und in der 60. Minute sogar Stuttgart in Führung ging, blieb die Partie bis zum Schluss umkämpft und offen. So ging auch kaum einer der Kieler Zuschauer wirklich enttäuscht nach Hause.

Für viel Gesprächsstoff sorgte allerdings nicht nur die Leistung der Spieler, sondern auch die der Kieler Fans – und das absolut im Positiven. Zu Beginn des Spiels schipperte ein riesiger Fördedampfer als Liebeserklärung an die Landeshauptstadt und den eigenen Verein aus der Westtribüne. Eine Choreografie, die im Internet viral ging und es auch im Ausland in Fußballmagazine schaffte. Dass der Dampf täuschend echt imitiert wurde, störte an diesem Abend nicht einmal die Polizei.
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