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Nordderby gegen Hansa Rostock : 2:0 – Holstein Kiel bejubelt ersten Saisonsieg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

3. Liga: Die „Störche“ waren im Ostsee-Derby gegen Rostock die aktivere Mannschaft. Auch nach dem Spiel blieb es friedlich.

Kiel | Das Ostsee-Derby in der 3. Liga hat den Fußballern von Holstein Kiel den ersten Saisonsieg gebracht. Im Duell zweier bislang unbesiegter Teams fügte die Neitzel-Elf dem FC Hansa Rostock vor 9023 Zuschauern mit 2:0 (0:0) die erste Niederlage zu. Der Erfolg der aktiveren Gastgeber war insgesamt verdient. „Holstein hat Power gemacht, wie man es erwarten muss, wenn man ein Heimspiel gewinnen will“, sagte Hansa-Coach Peter Vollmann. Karsten Neitzel war glücklich: „Das war gut. Aber man hat auch gesehen, wie eng diese Liga ist. In der zweiten Hälfte haben wir es geschafft, mehr aus unseren Vorteilen zu machen.“

Schon in der ersten Hälfte hatten die Kieler mehr vom Spiel. Die Gäste standen jedoch defensiv gut und ließen die gefürchtete Druckphase der „Störche“ zu Spielbeginn nicht zu. Allerdings hatten die Rostocker Probleme im Spielaufbau und leisteten sich viele einfache Ballverluste. So blieb es ein typisches Drittliga-Spiel: beidseitig engagiert geführt, mit guten Ansätzen, aber ohne entscheidende Vorteile für eine Mannschaft.

Holstein hatte durch Maik Kegel (5.), Tim Siedschlag (29.) und Marc Heider (30.) drei ordentliche Torabschlüsse. Hansa, ansonsten vorne harmlos, besaß jedoch bis kurz vor der Pause die einzige echte Chance: Denis-Danso Weidlich hatte zwei Kieler im Mittelfeld abgeschüttelt und Halil Savran in die Schnittstelle geschickt, der frei vor Holstein-Keeper Kenneth Kronholm jedoch verzog (23.). Holsteins beste Chance resultierte aus einem Siedschlag-Freistoß: Nach Kegels Ablage war Manuel Hartmann aber zu überrascht und traf den Ball aus elf Metern nicht voll (45./+2).

Im zweiten Abschnitt sorgte Hansas Jovan Vidovic mit einem Kopfball für eine Schrecksekunde bei den Kielern (51.). Doch das Tor fiel auf der anderen Seite. Siedschlag brachte einen Freistoß herein, der 45 Sekunden zuvor eingewechselte Patrick Breitkreuz köpfte zum 1:0 (61.) ein. „Davon träumt man, vor so einer Kulisse das 1:0 zu machen“, sagte der Torschütze.

Der Treffer brachte mehr Musik in die Partie. Im Gegenzug hätte Rostock ausgleichen können, doch Kronholm parierte gegen David Blacha und hielt auch den Nachschuss von Shervin Radjabali-Fardi (62.). Das Zwischenhoch der Rostocker war damit jedoch schon wieder beendet. Marcel Gebers verpasste per Kopf noch das 2:0, das zwei Minuten später Saliou Sané nachlegte. Breitkreuz hatte ihn herrlich freigespielt (77.).

„Das war klasse vorbereitet“, freute sich Sané, der ein starkes Spiel geboten hatte. „Es war eine super Leistung der gesamten Mannschaft.“ Mit dem 2:0 war die Partie zugunsten der Gastgeber entschieden. Nur die knapp 2000 Hansa-Fans sorgten noch für Erwähnenswertes: Als das Spiel bereits verloren war, zogen einige Minuten lang dichte Rauchschwaden aus dem Gästeblock durchs Stadion. Ansonsten blieb die Begegnung friedlich.

 „Ruhigen Dienst“ – jeden einzelnen der 903 Beamten erreichte Andreas Breitner zwar nicht persönlich mit diesem Wunsch, aber doch einen großen Teil von ihnen. Satte zwei Stunden vor Beginn des Spiels der 3. Fußball-Liga zwischen Holstein Kiel und Hansa Rostock nahm sich der Innenminister Zeit, um vor dem Kieler Holstein-Stadion den Polizisten symbolisch den Rücken zu stärken. Handelte es sich doch immerhin um einen der größten Einsätze der Ordungskräfte zur Sicherung eines Fußballspiels im Land seit jeher. „Gewaltbereite Fans gucken immer, was geht – und wir wollen mit der Polizeipräsenz zeigen, dass hier nichts geht“, sagte Breitner. Väterlicherseits stammt der Ressortchef aus Rostock. Von Besuchen im dortigen Stadion weiß er: „Man spürt dort einen deutlichen Unterschied in der Fanszene.“

Im Dezember hatte es im Holstein-Stadion zuletzt eine Begegnung der Clubs aus Kiel und Rostock – begleitet von aggressiver Stimmung unter Teilen der Anhänger – gegeben. Doch diesmal bleibt alles ruhig. Die Polizei spricht anschließend von einem friedlichen Fußballabend und teilt am späten Abend via Presseerklärung mit:  „Die Fans beider Vereine verhielten sich sowohl während der Anreise, des Aufenthalts und der Abreise ruhig und unauffällig.“

Aufgrund der Dezember-Erfahrung war die Einsatztaktik diesmal „ein wenig geändert“ worden, verriet Bernd Triphahn, Sprecher der Polizeidirektion Kiel. Eine Folge: eine höhere Zahl mobiler Einsatzkräfte. Das sind flexibel bewegliche Spezialisten für gewaltbereite Gegner. Darüber hinaus waren weitere Polizisten auf zwei Einsatzabschnitte aufgeteilt: aufs Stadion selbst und für die Fanbegleitung durch die Stadt. Letztere nahmen die Gäste aus Rostock am Bahnhof sowie an einem Sammelparkplatz in Empfang, von wo aus es mit Bussen zum Stadion weiterging. Dass die Mecklenburger nicht geschlossen anreisten, sondern die Möglichkeit hatten, peu a peu „einzusickern“ – das stellte  für die Ordnungshüter die größte Herausforderung dar.

Neben Schleswig-Holsteinern bestand die mobile Eingreiftruppe auch aus Einheiten aus Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Hamburg. Tendenziell sei Schleswig-Holstein „ja eher Geberland“ bei der Sicherung von Großveranstaltungen durch die Polizei, meinte Breitner. Umso schöner, jetzt auch einmal Unterstützung von den Nachbarn zu erfahren.

Ob es die abschreckende Wirkung der massiven Polizeipräsenz war  oder die Entscheidung von Holstein Kiel, Tickets an Rostocker nur für den Gästeblock zu verkaufen – der Zustrom aus dem Osten fiel  geringer aus als gedacht. Per Bahn reisten 160 Anhänger an, nur halb so viele wie erwartet. Bei der Dezember-Partie waren es noch 600. Per PKW und Kleinbus kamen knapp 1500 Hansa-Anhänger, rund 300 weniger als im Vorfeld erwartet.

Auch wenn für Breitner der „relativ hohe Ansatz“ der Polizeikräfte das Erfolgsrezept für einen störungsfreien Fußballabend gewesen ist, nutzte er die Gelegenheit für einen Appell, nicht allein den Staat in der Verantwortung zu sehen: „Der Fußball muss mehr tun, um gegen  die  Gewaltbereitschaft von Fans anzugehen. Unter anderem brauchen wir viel mehr Fanprojekte mit Sozialarbeitern.“

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erstellt am 07.Aug.2014 | 07:43 Uhr

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