Kommentar : Holsteins Frauen-Bann: Ein Eigentor per Fallrückzieher

Das Stadion des Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel muss ausgebaut werden – der Verein will an anderer Stelle sparen und stellt seine Spielerinnen und Angestellten vor vollendete Tatsachen.
Das Stadion des Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel muss ausgebaut werden – das kostet Geld.

Vor allem die Art und Weise der Abwicklung der Frauen-Teams lässt jede Professionalität vermissen, meint Holger Loose.

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02. Mai 2018, 11:44 Uhr

Kiel | Holstein Kiels Fußballer träumen weiter vom Durchmarsch in die Bundesliga – auch, weil nicht nur auf dem Platz, sondern im Hintergrund bisher hoch professionell gearbeitet wurde. Was sich die Verantwortlichen des Clubs nun aber mit der Verbannung der gesamten Frauenfußball-Abteilung geleistet haben, ist amateurhaft. Selbst wenn man über die Beweggründe, die zu der Entscheidung geführt haben, diskutieren kann: Die Art und Weise der Kommunikation und der vermeintliche Rückzieher am Mittwoch stoßen sauer auf.

Landes- und Kommunalpolitiker, die noch im vergangenen Sommer zugestimmt haben, als es darum ging, Holsteins Stadionumbau mit mehreren Millionen Euro zu unterstützen, sind auf der Zinne. Selbst der Ministerpräsident hat sich eingeschaltet und zeigt den KSV-Oberen die Gelbe Karte – völlig zu Recht. Einige der Fußballerinnen, die seit Jahren ihre Schuhe für Holstein schnüren, haben erst aus den Medien erfahren, dass ihr Verein sie nicht mehr will.

Einen sechsstelligen Betrag soll der Frauenfußball die Kieler pro Jahr kosten – dem Vernehmen nach nicht mehr als ein durchschnittlicher Spieler der Profi-Mannschaft pro Saison verdient – dennoch zu viel für Holstein. Das stößt nicht nur bei den betroffenen Spielerinnen auf Unverständnis.

So nachvollziehbar die Bündelung der Kräfte auf den Männerfußball ist, mit dem Rauswurf der drei Frauenmannschaften erweckt der Club den Eindruck, dass ihm Gleichberechtigung und Vielfalt im Fußball weniger wert sind als Erfolg. Die Holstein-Verantwortlichen haben ein klassisches Eigentor geschossen. Und das könnte für die Kieler noch teuer werden. Schwer vorstellbar jedenfalls, dass – sollte der Aufstieg in die Bundesliga gelingen – Stadt und Land noch einmal das Portemonnaie aufmachen.

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