Relegations-Rückspiel : Holstein Kiel gegen 1860 München: Aufstiegsfinale auf ganz großer Bühne

Fußball-Drittligist Holstein Kiel kann heute Abend in der Münchner WM-Arena den Sprung in die 2. Bundesliga schaffen.

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02. Juni 2015, 07:15 Uhr

München/Kiel | Am Montagmittag ging es per Bus und Flugzeug nach München, in der Nacht zu Mittwoch geht es mit dem Bus wieder zurück – dabei möchte Fußball-Drittligist Holstein Kiel am Dienstagabend doch eigentlich auf den Zug in Richtung 2. Bundesliga aufspringen. Nach dem 0:0 im Hinspiel ist noch alles drin gegen 1860 München. Anstoß in der Münchner WM-Arena ist um 20.30 Uhr (live bei N3). 45.000 Karten für das Alles-oder-Nichts-Spiel wurden in München verkauft, rund 1250 in Kiel. Von gut 2000 Kieler Fans gehen die Holstein-Verantwortlichen im Stadion aus. Große Kulisse für einen großartigen Abend? „Wir sind nicht nervöser als vor einem normalen Punktspiel“, betont Holstein-Trainer Karsten Neitzel. Die Freude über die noch vorhandene Chance zum Aufstieg überwiege: „Und diese Chance wollen wir nutzen – mit allem, was uns zur Verfügung steht.“

Das torlose Remis gegen die Münchner „Löwen“ im Hinspiel macht Neitzel Mut. „Es war wichtig, dass wir alle merken, dass wir dem Gegner Paroli bieten können“, sagt der 47-Jährige: „Wir sind der Überzeugung, dass wir in München eine realistische Chance haben.“ Obwohl ein eigener Treffer die Ausgangslage zusätzlich verbessert hätte, sei der Plan beim 0:0 im ausverkauften Holstein-Stadion „insgesamt aufgegangen“. Für die Partie am Dienstag sieht der vermutlich etwas anders aus. Denn eher abwartende und auf Konter lauernde Sechziger wird es bei Anpfiff wohl kaum zu sehen geben. „Ich glaube schon, dass sie mit ihren Zuschauern im Rücken gleich zu Beginn das Signal senden wollen: Wir fangen nicht an rumzutaktieren, sondern hier geht’s gleich vorne drauf“, vermutet Neitzel.

Das Publikum in der 75.000 Zuschauer fassenden Arena kann in solchen Spielen zu einem Faktor werden. Doch vor Ehrfurcht erstarren sollen die „Störche“ nicht. „Die Freude, vor so einer Kulisse zu spielen, soll überwiegen“, sagt der Holstein-Trainer, dessen Team ähnlich hitzige Atmosphären zuletzt auch schon in Dresden, Duisburg und Bielefeld kennen lernte. Nach der Ankunft in München stand gestern Abend zunächst eine Stippvisite im Stadion an. „Natürlich ist es dann noch leer“, erklärte Neitzel: „Ich finde es aber wichtig, dass die Jungs schon einmal den Gang auf den Platz hochgehen und kurz eine Nase Allianz Arena nehmen.“ Erst danach ging es ins rund 15 Busminuten entfernte Hotel. Abends wurde vermutlich noch einmal Anschauungsunterricht in Sachen Relegation beim Spiel zwischen dem Karlsruher SC und dem Hamburger SV genommen.

Am Dienstag wird es dann ernst: kurzes Training, Mittagessen, Ruhephase, letzte Besprechung und dann mit dem Bus in die Arena. Es folgt der Höhepunkt der Saison. „Das ist die große Überschrift: Wir können in die 2. Bundesliga aufsteigen. Und diesem Ziel ist alles untergeordnet“, sagt Neitzel. Heiß machen muss er seine Mannschaft nicht. In der Besprechung am Sonnabend nach dem Hinspiel habe er gemerkt, dass es Zeit war, die Jungs nach Hause zu schicken, „damit sie runterkommen“. Daher bekamen die Spieler am Sonntag auch frei.

Für die Partie in München nominierte Neitzel dieselben 18 Akteure wie für das Hinspiel, Verteidiger Manuel Hartmann wird den Kader ergänzen. „Ich bin richtig optimistisch, dass die Mannschaft wieder als geschlossene Einheit auftritt und wir es dem Gegner wieder enorm schwer machen werden“, blickt Kiels Trainer auf die heutige Partie. Und was kommt danach? „Gepäck, Spieler, Trainer, Betreuer und alles, was dazugehört, in den Bus – und dann rollen wir durch Deutschland und hoffen, dass wir laute Musik hören können.“  

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