Hallenfussball in Kiel : Hallenmasters 2015: Die Sensation aus Hartenholm

Tempo und Technik beim Kieler Budenzauber: Holsteins Patrick Auracher (l.) im Zweikampf gegen Eichedes Ian Prescott Claus.
Tempo und Technik beim Kieler Budenzauber: Holsteins Patrick Auracher (l.) im Zweikampf gegen Eichedes Ian Prescott Claus.

Beim Fußball-Fest vor 8600 Zuschauern in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kieler Arena trumpfte ein Außenseiter auf. SH-Ligist TuS Hartenholm setzte sich im Finale mit 2:1 gegen den VfB Lübeck durch.

shz.de von
11. Januar 2015, 12:53 Uhr

Kiel | Zum mittlerweile 17. Mal ermittelten gestern Abend die acht besten Fußball-Mannschaften aus Schleswig-Holstein in der Handball-Hochburg ihren Landesmeister. Der heißt in diesem Jahr völlig überraschend TuS Hartenholm. Das Team aus der fünften Liga besiegte in einem packenden Finale den Regionallisten VfB Lübeck mit 2:1 durch Treffer von Aaron Meyerfeldt und Christian Jaacks. Zwischenzeitlich hatte Marcello Meyer für Lübeck ausgeglichen.

Deutschlands größtes Amateur-Fußballturnier – so wirbt der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) für sein alljährliches Spektakel zu Jahresbeginn. Erstmals war das Masters vorab ausverkauft und der Veranstalter entsprechend stolz. Feuerwerk, Mitklatsch-Hymnen, mitunter etwas bemühte Animation, das ist die eine Seite des Masters. Die andere ist die Begeisterung der Fans, gerade der unterklassigen Mannschaften. In diesem Jahr waren mit den SH-Ligisten TuS Hartenholm, TSV Schilksee und Eutin 08 drei Debütanten am Start und hatten große Unterstützung von den Rängen.

Etwa 600 Eutiner Anhänger waren gekommen, mehr als 800 sogar aus der etwa 1600 Einwohner zählenden Gemeinde Hartenholm im Kreis Segeberg. „Seit drei Wochen ist der ganze Ort mit den Vorbereitungen beschäftigt“, sagte Jörg Schwarzer, der Trainer des Überraschungsteams. Die Bewohner standen Spalier, als die zehn voll besetzten Busse sich auf den Weg in die Landeshauptstadt machten. Und das Fußball-Märchen der Hartenholmer fand seine Fortsetzung auf dem Kunstrasen. Zwar verlor der SH-Ligist sein erstes Spiel gegen den routiniert aufspielenden Titelverteidiger ETSV Weiche Flensburg 0:2, drehte dann aber richtig auf. Das Debütanten-Duell gegen Eutin gewannen die Segeberger 3:0, das abschließende 1:1 gegen den Regionalligisten VfR Neumünster reichte zum Einzug ins Halbfinale. Fünfte gegen dritte Liga, für zwölfeinhalb Minuten auf Augenhöhe – der Reiz des Masters. Hartenholm machte gegen Holstein einen 0:1-Rückstand (Tim Wirlmann) durch Martin Genz wett. Und als Christian Jaacks Sekunden vor dem Abpfiff den Ball zum 2:1 und damit zum Sensationssieg über die Linie stocherte, stand die Halle Kopf.

Sieger in Gruppe A wurde der ETSV Weiche. Nach dem 2:0 gegen Hartenholm gab es nach 2:0-Führung ein 2:2 – Keeper Andre Hagge hielt in letzter Sekunde den Punktgewinn für den Zweitplatzierten beim Flensburger Sparda-Bank-Hallencup fest.

Das 6:0 gegen Eutin 08 war eine Demonstration feinsten Hallenfußballs. Ein ums andere Mal kombinierten die Flensburger die Ostholsteiner aus und gewannen auch in der Höhe verdient mit 6:0. Wie aufgedreht spielte Florian Meyer, der alleine drei Tore erzielte. Eutins Coach Hans-Friedrich („Mecki“) Brunner nahm es gelassen. „Wir haben ein Spiel gewonnen (3:2 gegen Neumünster –Red.) und haben gezeigt, dass wir kein Kanonenfutter sind. Wir und besonders unsere Fans haben uns gefreut, dass wir dabei sein durften.“

Neben Eutin verabschiedete sich auch der VfR Neumünster vorzeitig. In Gruppe B ereilte dieses Schicksal die SH-Ligisten SV Eichede und TSV Schilksee. Schilksee verlor alle drei Spiele, Eichede reichte das 2:2 im abschließenden Spiel gegen den VfB Lübeck nicht.

Gruppensieger wurde Turnierfavorit Holstein Kiel mit sieben Punkten vor dem VfB Lübeck (5). Das Halbfinale zwischen ETSV Weiche und Lübeck entwickelte sich zum echten Krimi. 16 (!) Neunmeter waren nötig, bevor der VfB Lübeck sich mit 5:4 durchgesetzt hatte. Zuvor hatte es 1:1 gestanden, die schnelle Weicher Führung von Torge Paetow hatte Hayn Akcasu ausgeglichen.

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