Bundesliga-Kolumne : Halbzeit-Bilanz, Spaß-Fußball, Aufstiegs-Platz

Die Bundesliga-Hinserie war für die meisten Nord-Clubs erneut eine zum Vergessen – Jürgen Muhl blickt in seiner wöchentlichen Kolumne zurück.

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18. Dezember 2017, 07:45 Uhr

Traurige Weihnachten: Wie in fast jedem Jahr. Beim HSV brennt der Baum. Lichterloh. Der Hamburger SV geht mit dem Bewusstsein in die Winterpause, in der Rückrunde zumindest jedes zweite Spiel gewinnen zu müssen, will man nicht absteigen. Vorletzter, mit nur 15 Punkten auf dem Konto. Nicht mal für den Relegationsplatz hat es gereicht. Eine beschämende Ausbeute – bei den Ansprüchen in der Hansestadt.

Noch immer hat der HSV einen der höchsten Personaletats der Liga. Und einen Trainer, der mit seiner eigenen Wahrnehmung von der Realität weit entfernt ist. Auch mit Markus Gisdol ist der Club keinen Schritt vorangekommen. Wie schon unter seinen Vorgängern, wie sie auch alle hießen.

Holt der HSV den nächsten teuren Brasilianer?

Sportchef Jens Todt hat sich zuletzt in Südamerika umgesehen. Jetzt fehlt nur noch, dass er in der Winterpause erneut irgendeinen teuren Brasilianer oder Argentinier in den kalten Volkspark holt. Wie Cleber, Santos oder Walace, die allesamt gescheitert sind. Im Kieler Holstein-Stadion ist Todt dagegen in der Hinserie nicht aufgetaucht. Was verwundert. Allerdings war HSV-Scout Werner Bröcker häufiger bei Holstein-Spielen zu sehen. Gibt es doch in der Nachbarschaft an der Kieler Förde genug Potenzial für die 1. Liga.

Der letzte Profi, der von Holstein zum HSV in die Bundesliga wechselte und zum Stammspieler avancierte, war Franz-Josef Hönig. „Bubi“ Hönig verließ Holstein im Jahr 1967 und spielte bis 1974 für die Hamburger. 205 Bundesliga-Partien und 65 Tore stehen in seiner HSV-Bilanz.

Zurück in die heutige Zeit, in der in Hamburg eine grottenschlechte Personalpolitik betrieben wird. Zumeist sieht es so aus: Wechselt ein guter Bundesliga-Spieler zum HSV, liefert er in Hamburg in der Regel schlechtere Leistungen als bei seinem Ex-Club ab. Will der Club dagegen einen Profi loswerden und verkauft ihn innerhalb der Liga, folgen bessere Leistungen. Die jüngsten Beispiele: Michael Gregoritsch in Augsburg, Dennis Aogo auf Schalke und jetzt in Stuttgart oder Kerem Demirbay in Hoffenheim. Es gibt noch zahlreiche weitere Beispiele.

Werder-Coach Kohfeldt mit falscher Taktik

Nord-Desaster: Enttäuschend fällt auch die Bilanz von Bremen und Wolfsburg aus. Werder verspielte in den letzten Sekunden einen Heimsieg gegen Mainz, das die Bremer 80 Minuten lang zum Sieg eingeladen hatte. Aber Werder scheiterte an sich selbst. Zwei Punkte, die in der Endabrechnung fehlen könnten. Die Grün-Weißen haben den Relegationsplatz vom HSV übernommen. Coach Florian Kohfeldt lag mit seiner Taktik daneben und muss um seinen Job bangen. Nicht immer funktioniert das Prinzip, auf junge Cheftrainer zu setzen.

Zur Disposition müsste auch Wolfsburgs Coach Martin Schmidt stehen. Seine ständigen Prognosen, es werde schon bald alles besser, dürften den Geldgebern von Volkswagen mächtig auf die Nerven gehen. Es wird eher alles schlechter, wie bei der Blamage in Köln deutlich wurde.

Übergangslösung Peter Stöger

Lediglich Hannover 96 erfüllt aus norddeutscher Sicht die Erwartungen. Das 4:4 gegen Leverkusen war eines der sehenswertesten Spiele der Hinrunde. Beide Mannschaften suchten die Offensive, so macht Fußball Spaß, mehr als jedes 1:0 der Bayern. Ein Topspiel. Die Bayern funktionieren derweil, wie seit Jahren erprobt: Auch eine dürftige Leistung – wie beim 1:0 in Stuttgart – reicht, um die Konkurrenz auf Abstand zu halten.

Der Österreicher Peter Stöger auf der Bank von Borussia Dortmund – daran muss man sich erst gewöhnen. Trotz des Siegs gegen Hoffenheim wird er wohl eine Übergangslösung bleiben. Entlohnt wird er allerdings fürstlich, drei Millionen Euro soll der überzeugte Mützenträger für die rund sieben Monate beim BVB bekommen. Geldmaschine Bundesliga.

Schluss-Niederlage: Ein kaum bespielbarer Rasen in Sandhausen, zwei fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen. Der 1. Spieltag der Rückrunde – die 2. Liga hat einen anderen Rhythmus – meinte es nicht gut mit Holstein Kiel. Und doch haben die „Störche“ allen Grund zur Freude. Platz zwei, das ist ein Aufstiegsrang. Es bleibt spannend in Kiel.

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