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Affäre ums „Sommermärchen“ : Gütetermin für Beckenbauer und Co. verschoben

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Aus der Onlineredaktion

Am Dienstag sollte vor eine Schiedsstelle in Hamburg eine Lösung gefunden werden – eigentlich. Nun könnte ein Prozess der früheren Top-Funktionäre folgen.

Frankfurt/Main | Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach und Co. brauchen am kommenden Dienstag doch noch nicht wegen möglicher Schadenersatzforderungen in der WM-Affäre auszusagen. Der Gütetermin bei der Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle (ÖRA) in Hamburg ist aus Termingründen auf unbestimmte Zeit verschoben worden, bestätigten der Deutsche Fußball-Bund und der Anwalt des früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag.

Wie korrupt ist der Fußball? Diese Frage steht im Zentrum. Nach den vielen Skandalen bei der FIFA erreichte sie im Oktober auch Deutschland und den DFB. „Das zerstörte Sommermärchen“ titelte damals der „Spiegel“ und brachte Untersuchungen in Gang. Im November trat DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zurück. Anfang März veröffentlichte die Rechtsanwaltskanzlei Freshfield einen Report im Auftrag des DFB.

Zwanziger gehört genau wie Beckenbauer, Niersbach, Fedor Radmann und Hort R. Schmidt zu den Mitgliedern des früheren Organisationskomitees der Weltmeisterschaft 2006. Der DFB hatte Ende 2015 mehrere Güteanträge bei der ÖRA gestellt, um zu verhindern, dass mögliche Schadenersatz-Ansprüche im WM-Skandal verjähren.

Sollte dem Verband in diesem Skandal ein finanzieller Schaden entstehen, möchte er die Möglichkeit behalten, das Geld von den früheren WM-Machern zurückzufordern. Der Deutsche Fußball-Bund hatte Ende 2015 mehrere Güteanträge bei der Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle eingereicht. Sie richten sich gegen die früheren OK-Mitglieder, gegen den Weltverband FIFA sowie den Testamentsvollstrecker des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus.

Beobachter gehen allerdings einhellig davon aus, dass der DFB nie Geld über die Schiedsstelle erhalten wird, sondern es vor Gericht einklagen muss. Die Klage müsste dann auch Franz Beckenbauer einschließen, der vielen nach wie vor als „Lichtgestalt“ des deutschen Fußballs erscheint.

Kommt enventuell zu dem Termin nach Hamburg: Theo Zwanziger.

Kommt enventuell zu dem Termin nach Hamburg: Theo Zwanziger.

Foto: Imago/Schüler
 

Denn keiner der WM-Macher ist verpflichtet, vor der Hamburger Schlichtungsstelle auszusagen. Beckenbauer, Niersbach, Fedor Radmann und Hort R. Schmidt wollen demnach zu dem Termin auch nicht erscheinen. Lediglich Zwanziger erklärte auf Nachfrage: „Ich halte mir offen, mit meinem Anwalt dorthinzugehen.“

Im Zentrum der gesamten Affäre und auch dieser Auseinandersetzung stehen zwei Zahlungen von 6,7 Millionen Euro. Mit Hilfe von Louis-Dreyfus überwiesen Beckenbauer und sein Manager Robert Schwan diese Summe 2002 zunächst über ein Konto in der Schweiz an eine Firma des früheren FIFA-Funktionärs Mohamed bin Hammam in Katar. 2005 zahlte das WM-OK die 6,7 Millionen an den früheren Adidas-Chef aus Frankreich zurück - allerdings bewusst falsch deklariert als Beitrag zu einer WM-Gala, die am Ende nie stattfand.

Der DFB wirft den OK-Mitgliedern vor, in der Steuererklärung zur WM 2006 „mutmaßlich unzutreffende Angaben“ gemacht zu haben. Der Verband droht deshalb, für das Jahr 2006 nachträglich seine Gemeinnützigkeit zu verlieren. Sollte das passieren, käme auf den DFB ein „erheblicher zusätzlicher Schaden“ zu, heißt es in den Anträgen an die ÖRA.

Die Anschuldigungen gegen Franz Beckenbauer und weitere mögliche Beteiligte haben mittlerweile auch eine internationale Ebene erreicht. Wegen des Verdachts der Schmiergeldzahlungen und Korruption schaltet sich am 22. März die FIFA in den deutschen WM-Skandal ein. Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes leitete offiziell Ermittlungen gegen Franz Beckenbauer und fünf weitere Organisatoren der Weltmeisterschaft 2006 ein. Das Verfahren richte sich auch gegen Wolfgang Niersbach, Helmut Sandrock, Horst R. Schmidt, Theo Zwanziger und Stefan Hans, teilte die FIFA vergangene Woche mit.

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erstellt am 24.Mär.2016 | 17:04 Uhr

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