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Nach Vorfall bei Hallenturnier in Hamburg : Gewalt im Fußball: „Trainer und Eltern sind häufiger das Problem“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Gewalt im Fußball nimmt nicht zu, sagt SHFV-Geschäftsführer Tim Cassel. Die Prävention wird in SH groß geschrieben.

shz.de von
erstellt am 21.Jan.2016 | 11:40 Uhr

Hamburg/Kiel | Zuständig für die hässlichen Vorfälle vom Wochenende ist der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) nicht. Dennoch ging die Meldung von dem E-Jugend-Hallenturnier in Hamburg, das nach einer Schlägerei abgebrochen worden war, an Dr. Tim Cassel alles andere als spurlos vorbei. „Zum einen habe ich Mitleid mit den Kollegen vom Hamburger Verband empfunden“, sagt der Stellvertretende SHFV-Geschäftsführer, der für die Kampagne „Schleswig-Holstein kickt fair“ verwantwortlich ist. Zum anderen, so Cassel, ärgere er sich, „dass wieder der Eindruck entsteht, dass die Gewalt im Fußball zunimmt – doch das ist nicht der Fall“.

Rückblende: Die Hamburger Polizei schickte am Sonntag sechs Streifenwagen zu einer Sporthalle in Wilhelmsburg, um eine Auseinandersetzung bei einem E-Junioren-Turnier in den Griff zu bekommen. Während der Partie zwischen dem FC Bingöl und Bergedorf 85 war eine Schlägerei entbrannt. Trainer, Eltern und Spieler sollen beteiligt gewesen sein, Erwachsene seien sogar gegenüber Kindern handgreiflich geworden. Vier Personen, darunter ein Acht- und ein Zehnjähriger, erlitten leichte Verletzungen.

Ein schwerer Fall aus der Hansestadt – der laut Cassel aber nicht für einen Trend steht: „Bei 2500 Fußballspielen, die an einem normalen Wochenende in Schleswig-Holstein stattfinden, werden uns zwei bis drei Vorfälle gemeldet. Wir bewegen uns also im Promillebereich – und diese Zahl ist bundesweit seit Jahren stabil.“ Zwar räumt der 43-Jährige ein, „dass es im Bereich der verbalen Diskriminierung eine Dunkelziffer gibt“. Andererseits verweist Cassel auf das immer weiter verfeinerte Meldesystem: „Wir werden über alle Fälle von Gewalt oder Diskriminierung informiert, die im Spielbericht auftauchen oder vor dem Sportgericht landen. Die Polizei benachrichtigt uns, wenn sie gerufen wurde – was aber höchstselten vorkommt. Und wir halten selbst Augen und Ohren offen.“

Das nördlichste Bundesland nimmt zudem in Sachen Prävention eine Vorreiterrolle ein. Die Initiative „Schleswig-Holstein kickt fair“, 2007 gegründet und seitdem stetig ausgebaut, wurde 2011 als bestes Breitensportprojekt Europas ausgezeichnet. Der SHFV verleiht unter anderem Fair-Play-Preise oder beschäftigt einen Demokratietrainer, den Vereine zur Konfliktschlichtung zu Rate ziehen können.

Darüber hinaus fördert der Verband die Fair-Play-Liga, die im Kinderfußball in fast allen Kreisen zum Einsatz kommt. Die Regeln: eine Elternzone mit 15 Metern Abstand zum Spielfeld, kein Referee, gemeinsames Coaching der beiden Trainer. „Ich stehe hinter der Idee, weil so die Sozialkompetenz der Kinder geschult wird“, sagt Cassel, räumt aber ein: „Leider bekommen wir auch negative Rückmeldungen. Trainer und Eltern sind häufiger das Problem als die Kinder – etwa, wenn zwei Trainer, die sich nicht mögen, kein gemeinsames Coaching hinbekommen. Hier wartet noch viel Aufklärungsarbeit auf uns.“

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