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Die Bundesliga-Kolumne : Gesamt-Gebilde, Lang-Weiler, Pfeif-Konzert

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Werder und der HSV sind am Boden. „Armer Norden“, kommentiert Jürgen Muhl das sportliche Wochenende der Nordclubs.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 07:59 Uhr

Worte gegen Zahlen: Beim HSV wird gern vieles schöngeredet. So auch die roten Zahlen. Was mit den traditionellen roten Hosen zu tun haben mag. Oder mit der alten Heimat Rotherbaum, wo Uwe Seeler einst seine Kopfballstärke am Pendel trainierte. Stundenlang. So ein Kopfballpendel gibt es im Volkspark nicht. Wobei ein solches Gerät, das den Kopf stählt, einigen Herren des Traditionsvereins gut zu Gesicht stünde.

Als Vorstandschef Heribert Bruchhagen vor wenigen Tagen ein 13,5-Millionen-Euro-Minus für das letzte Geschäftsjahr verkünden musste – was den Gesamtschuldenstand der HSV Fußball AG auf mehr als 105 Millionen Euro ansteigen lässt –, überraschte er mit einer sonderbaren Feststellung. Der HSV sei ein „äußerst stabiles Gesamtgebilde“. Ja, Donnerwetter, wie ist denn das zu verstehen? Als Mutmacher für den Abstiegskampf? Als Beruhigungstropfen für Geldgeber Klaus-Michael Kühne und die Banken und Sparkassen, die noch im Spiel sind?

Dennis Diekmeier und Jann-Fiete Arp vom HSV stehen geknickt nach dem Abpfiff auf dem Spielfeld.  
Dennis Diekmeier und Jann-Fiete Arp vom HSV stehen geknickt nach dem Abpfiff auf dem Spielfeld. Foto: Axel Heimken
 

Einen sportlichen Bezug kann Bruchhagens Stabilitätsprogramm kaum haben. Dabei wollte er den Club sanieren. Doch auch die finanzielle Zukunft verspricht nichts Gutes: Bis 2019 muss die Fananleihe in Höhe von 17,5 Millionen Euro plus sechsprozentigem Zins zurückgezahlt werden. Nicht auszuschließen, dass die HSV-Fans auf die Rückzahlung verzichten. Jene Fans, die immer wieder ins Stadion kommen und immer wieder enttäuscht werden.

Gute 20 Minuten, wie am Sonnabend in Berlin, reichen nun einmal in der Bundesliga nicht. Auch ein Jann-Fiete Arp reicht nicht. Plötzlich hofft jener hochverschuldete Verein, der in der letzten Winterpause noch einmal für rund 20 Millionen Euro Personal einkaufte, auf einen 17-jährigen Nationalspieler. Ein Jungprofi, der noch nicht einmal Auto fahren darf und sein Abitur vor der Brust hat, soll den HSV retten. Während die meisten Großverdiener versagen.

Trainer Markus Gisdol hat einen härteren Kurs angekündigt. Warum erst jetzt? Und: Gisdol hat schon so vieles angekündigt, was auf der Strecke geblieben ist. Welch eine Tragik um diesen einst so stolzen und angesehenen Verein.

Elf gegen zehn: Bayern München setzt auf das Überzahlspiel und grüßt von der Tabellenspitze der Bundesliga. Drei Punkte vor einer derzeit desolaten Dortmunder Borussia. Das Spitzenspiel gegen RB Leipzig avancierte zu einem Langweiler. Weil auch die Sachsen nichts davon halten, mit einem Profi weniger auf dem Rasen noch einmal alles zu versuchen. Als die Rote Karte – diesmal zu Recht – gezeigt wurde, hätte der Mannschaftsbus in Richtung Heimat starten können. Leipzig wollte nicht mehr.

Bayern München - RB Leipzig: James Rodriguez von München köpft nach einer Ecke auf das Tor von Leipzig.
Bayern München - RB Leipzig: James Rodriguez von München köpft nach einer Ecke auf das Tor von Leipzig. Foto: Sven Hoppe
 

 Sollten die Bayern einmal zu zehnt weiterspielen müssen, würde es anders aussehen. In einer solch misslichen Situation zeigt sich eine Mannschaft. Leipzig hat sich zwei Mal in einer Woche selbst aufgegeben.

Wie ein Absteiger: So präsentierte sich Werder Bremen Sonntagabend gegen den FC Augsburg. Ein Desaster am Weserbogen. Vielleicht schon heute wird es eine Entscheidung geben. Trainer Alexander Nouri hat kaum noch Kredit, wie das Pfeifkonzert gestern im Weserstadion aufzeigte. Sind doch die Bremer mit Pfiffen eigentlich recht sparsam. Gibt es ein Comeback von Thomas Schaaf? Werder und der HSV am Boden. Armer Norden.

Augsburgs Torschütze Alfred Finnbogason (l) beim Zweikampf mit dem Bremer Thomas Delaney.
Augsburgs Torschütze Alfred Finnbogason (l) beim Zweikampf mit dem Bremer Thomas Delaney. Foto: Carmen Jaspersen
 
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