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WM-Qualifikation : WM ohne die Niederlande, Robben Geschichte, Argentinien dank Messi dabei

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Die Niederlande müssen zuschauen – Bayern-Star Arjen Robben tritt ab. Ganz Argentinien feiert derweil Lionel Messi.

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erstellt am 11.Okt.2017 | 08:36 Uhr

Amsterdam/Quito | Großer Jubel in Lissabon, Paris und Buenos Aires – tiefe Trauer in Amsterdam und Chile: Europameister Portugal, Frankreich und Argentinien haben die Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland perfekt gemacht. Die Niederlande hingegen scheiterten erstmals seit 2002 wieder vor dem Endturnier. Direkt nach dem Spiel verkündete Bayern-Star Arjen Robben seinen Rücktritt aus der niederländischen Nationalmannschaft. Er wolle sich fortan „ausschließlich auf Bayern konzentrieren“, sagte der 33-Jährige. Auch in Chile ist der Traum von der WM geplatzt.

Wird wohl nie mehr ein WM-Spiel bestreiten: Oranje-Kapitän Arjen Robben.
Wird nie mehr ein WM-Spiel bestreiten: Oranje-Kapitän Arjen Robben. Foto: imago/Pro Shots

Portugal setzte sich am Dienstagabend im Showdown mit der Schweiz 2:0 (1:0) durch und verdrängte die bisher perfekten Eidgenossen aufgrund der besseren Tordifferenz noch vom ersten Platz der Gruppe B. Frankreich, Weltmeister von 1998, machte den letzten Schritt zum Sieg in der Gruppe A durch ein 2:1 (2:1) gegen Weißrussland.

Für die Niederlande wurde das Scheitern in der Qualifikation trotz eines überragenden zweifachen Torschützen Robben beim 2:0 (2:0) gegen Schweden zur Gewissheit. Der dreimalige WM-Zweite, der mit sieben Toren Unterschied hätte gewinnen müssen, ist damit in Russland im kommenden Sommer zum Zuschauen verdammt.

Schon bei der EM-Endrunde im vergangenen Jahr war Oranje nicht dabei gewesen. Robben, der schon bei der Hymne mit seinen Emotionen zu kämpfen hatte, verabschiedete sich in Amsterdam unter dem wohlwollenden Applaus der Zuschauer. Für den Flügelspieler des deutschen Rekordmeisters war es ein logischer Schritt: Das nächste große Turnier, bei dem Robben für die Niederlande teilnehmen könnte, wäre die EM 2020. Dann wäre der Bayern-Star 36 Jahre alt.

Robben zeigte es seinen Kritikern am Dienstagabend noch einmal. Er, der unter Ex-Coach Carlo Ancelotti bei Bayern zuletzt nicht mehr gern gesehen war, spielte groß auf und verwandelte einen Handelfmeter in lässiger Manier zur Führung (16.). Fünf Minuten später setzte der Ausnahmestürmer mit einer herrlichen Direktabnahme einen drauf.

Am Dienstag fielen auch die letzten Entscheidungen hinsichtlich der Playoffs, in denen die letzten vier WM-Teilnehmer aus Europa ermittelt werden. Neben Schweden in der Gruppe A und der Schweiz in der Gruppe B gehört auch Griechenland dank des 4:0 (1:0) gegen Gibraltar zum Feld der acht besten Gruppenzweiten. Der Europameister von 2004 belegte den zweiten Rang der Gruppe H. Zu den besten Zweiten gehören auch Dänemark, Italien, Nordirland, Irland und Kroatien. Heraus fiel die Slowakei als schlechtester Gruppenzweiter der neun Qualifikationsgruppen.

Die vier Europa-Playoffs werden am 17. Oktober ausgelost; die Spiele finden vom 9. bis 14. November statt.

Die Portugiesen brachte in Lissabon ein Eigentor des ehemaligen Hamburger Bundesligaprofis Johan Djourou (41.) auf den Weg nach Russland. André Silva (57.) legte nach und sorgte somit für Ruhe. Für Frankreich trafen die Offensivstars Antoine Griezmann (27.) und Olivier Giroud (33.) per Doppelschlag, Anton Saroka (44.) brachte Weißrussland nochmals heran.

Cristiano Ronaldo (r) aus Portugal und seine Teamkollegen jubeln über den Sieg. Haris Seferovic (l) aus der Schweiz steht im Vordergrund.
Cristiano Ronaldo (r) aus Portugal und seine Teamkollegen jubeln über den Sieg. Haris Seferovic (l) aus der Schweiz steht im Vordergrund. Foto: dpa

Griechenland feierte am Ende einen klaren Sieg gegen den krassen Außenseiter Gibraltar. Vasileios Torosidis, zweimal Konstantinos Mitroglu und Giannis Giannotas erzielten die Tore. Gruppensieger Belgien kam zu einem klaren 4:0 gegen Zypern.

Messi schießt Argentinien zur WM - Chile draußen

Dank eines Dreierpacks des überragenden Lionel Messi hat der zweifache Weltmeister Argentinien doch noch die Qualifikation für die Fußball-WM 2018 in Russland geschafft. Beim 3:1 in Ecuador erzielte Messi nach frühem Rückstand alle drei Tore (12., 20. und 61. Minute). „Er ist der beste Spieler der Geschichte“, meinte sein Nationaltrainer Jorge Sampaoli. Es bewege ihn, mit Messi zu arbeiten. Neben Argentinien und dem schon lange qualifizierten Brasilien lösten zudem Uruguay und Kolumbien das WM-Ticket für Russland 2018.

Lionel Messi (2.v.l.) umarmt Lucas Biglia (l) vor dem Blick von Angel Di Maria (r) nach Messis Tor zum 3:1 für Argentinien.
Lionel Messi (2.v.l.) umarmt Lucas Biglia (l) vor dem Blick von Angel Di Maria (r) nach Messis Tor zum 3:1 für Argentinien. Foto: dpa
 

Der Copa-América-Sieger Chile verpasste dagegen die WM-Qualifikation. Denn Brasilien schlug Chile mit 3:0. Das 1:1 von Peru gegen Kolumbien ließ beide Teams vorbeiziehen. Für Kolumbien traf James Rodríguez vom FC Bayern München. Die Peruaner können als Fünfter in einem Vergleich mit Ozeaniensieger Neuseeland noch ein WM-Ticket lösen, es wäre die erste WM-Teilnahme seit 1982. In Lima kannte der Jubel keine Grenzen, als der frühere Spieler vom FC Bayern München und des Hamburger SV, Paulo Guerrero, in der 75. Minute einen Freistoß zum 1:1 versenkte.

In Chile war nach der Pleite vom Ende der „goldenen Generation die Rede“. Nationaltrainer Juan Antonio Pizzi bot seinen Rücktritt an. „Bedauerlicherweise hat sich ein Kreis geschlossen, in dem wir Momente großer Freude erlebt haben und nun diese Enttäuschung“, sagte der Argentinier. Chile hatte 2015 und 2016 die Copa América gewonnen und in diesem Jahr das Confedcup-Finale gegen Deutschland erreicht (0:1). Der gelbgesperrte Arturo Vidal vom FC Bayern München deutete via Twitter ebenfalls seinen Rücktritt an: „Vielen Dank für alles“, schrieb Vidal und betonte: Er habe in jedem Spiel sein Leben gegeben.

 

Der letzte Spieltag der Südamerika-Qualifikation war an Spannung kaum zu überbieten. Die Ausgangslage: Brasilien war durch, Uruguay auch praktisch – durch ein 4:2 gegen Bolivien wurde schließlich souverän der zweite Platz gesichert. Chile (26) ging als Dritter in das Qualifikations-Finale, gefolgt von Kolumbien (26) und Peru (25).

Argentinien war wegen der weniger erzielten Tore im Vergleich zu Peru Sechster (25). Als Argentinien bereits nach 37 Sekunden durch ein Tor von Romario Ibarra 1:0 im Atahualpa-Stadion in Quito zurücklag, herrschte daheim in Buenos Aires lähmendes Entsetzen – das bedeutete das erstmalige Verpassen einer Weltmeisterschaft seit Mexiko 1970.

Doch dann begann die Show des Lionel Messi, auf dessen Schultern die Hoffnungen eines ganzen Landes ruhten. Zwei Mal war Ángel Di María von Paris Saint-Germain beteiligt, bevor Messi vollstreckte. Beim 2:1 kannte sein Jubel keine Grenzen, in der zweiten Halbzeit machte der fünfmalige Weltfußballer vom FC Barcelona den Dreierpack perfekt, die Mitspieler ließen ihn in der Jubeltraube verschwinden. Durch den Sieg wurde Argentinien hinter Brasilien (41 Punkte) und Uruguay (31) mit 28 Punkten noch Dritter, gefolgt von Kolumbien (27) und Peru (26). Chile (auch 26) verpasste den fünften Platz um zwei mickrige Tore.

Paraguay, das sich durch einen Sieg gegen den Letzten Venezuela noch statt Peru das Play-Off-Ticket gegen Neuseeland hätten sichern können, verlor zu Hause mit 0:1. Es gab ständige Wechsel in der Blitztabelle, wegen des Tors von Peru war Chile unter den Augen der entsetzten Präsidentin Michelle Bachelet in São Paulo am Ende draußen. Schmerzlich vermisst wurde der gelbgesperrte Vidal. Die Tore für Brasilien erzielten Paulinho (54.) und Gabriel Jesus (56./90.).

Jorge Valdivia (vorne) aus Chile zeigt sich enttäuscht nach der Niederlage.
Jorge Valdivia (vorne) aus Chile zeigt sich enttäuscht nach der Niederlage. Foto: dpa
 

In den südamerikanischen Medien war vom „Herzschlagfinale“ die Rede – laut FIFA-Chef Gianni Infantino ist es die „härteste Qualifikation“. In der argentinischen Stadt La Plata hatte die irische Rockband U2 extra ein Konzert in die späten Abendstunden verlegt, damit die Fans dort im Stadion erst auf Leinwänden das Spiel in Ecuador sehen konnten. U2-Sänger Bono meinte: „Danke Lionel Messi. Gott existiert.“

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