WM 2014 in Brasilien : WM-Krimi: Deutschland gegen Ghana 2:2

Der Klose-Salto zum 2:2. Der Rekordspieler rettete Deutschland vor der Niederlage gegen Ghana
Der Klose-Salto zum 2:2. Der Rekordspieler rettete Deutschland vor der Niederlage gegen Ghana.

Nach einem furiosen Spiel gegen Ghana sichert sich Deutschland einen Punkt. Der Fupa-Ticker zum Nachlesen.

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21. Juni 2014, 22:11 Uhr

Fortaleza | Miroslav Klose hat Fußball-Deutschland eine böse Bruchlandung im zweiten WM-Spiel erspart. Mit seinem 15. Weltmeisterschafts-Tor sorgte der Stürmer-Oldie nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung wenigstens noch für das 2:2 (0:0) gegen ein unerwartet starkes Team aus Ghana. „20 Spiele, 15 Kisten ist schon nicht schlecht, aber wichtig ist, dass wir gegen die USA gut aufspielen“, sagte Klose, der zur Krönung noch seinen berühmten Salto folgen ließ. „Ich weiß nicht, wielange ich das nicht mehr gemacht habe. Gut gelungen ist er nicht.“ Dafür aber sein Tor.

Vor 59.612 Zuschauern in Fortaleza hatte Mario Götze am Samstag zwar noch die Führung für das DFB-Team erzielt (51. Minute). Doch danach verlor das Team von Bundestrainer Joachim Löw die Kontrolle über die Partie und geriet sogar in Rückstand. Im letzten Gruppenspiel am Donnerstag in Recife gegen Jürgen Klinsmann und seine US-Boys darf sich das DFB-Team, das nun 13 Länderspiele in Serie nicht verloren hat, keinen Ausrutscher erlauben, um ins Achtelfinale einzuziehen. „Für uns hat sich die Ausgangsposition nicht entscheidend verändert. Wir wollen das nächste Spiel gewinnen und Tabellenführer bleiben“, sagte Bundestrainer Löw. „Wir haben immer noch alles in der Hand. Darauf müssen wir uns in den nächsten Tagen konzentrieren“, fügte Sami Khedira nach der Partie hinzu, mit der Kapitän Philipp Lahm „nicht zufrieden“ war: „Wir waren nicht so aggressiv von Anfang an. Dann bekommt man gegen solche Mannschaften Probleme“, stellte er selbstkritisch fest.

Titel-Mitfavorit Deutschland konnte im 800. Match der WM-Geschichte wie erhofft mit der siegreichen Elf aus dem Portugal-Spiel beginnen. Innenverteidiger Mats Hummels, dessen Mitwirken wegen einer Oberschenkelprellung bis zuletzt fraglich war, meldete sich spielbereit. Für den dadurch wieder als Rechtsverteidiger aufgebotenen Jerome Boateng kam es wie schon bei der WM 2010 zum Bruder-Duell mit Kevin-Prince Boateng. Denn bei den Ghanaern kehrte der gegen die USA (1:2) erst nach der Pause gebrachte Schalker in die Startelf zurück. Es gab zwei weitere Umstellungen: Im Tor brachte Trainer James Kwesi Appiah Fatau Dauda für Adam Kwarasey und in der Abwehr Harrison Afful für den angeschlagenen Daniel Opare.

Bei 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit, aber auf einem komplett im Schatten liegenden Rasen sahen die gut 17.000 deutschen Fans in der Arena ebenso kampfstarke wie vorsichtige Westafrikaner. Diese störten früh, weil sie auf keinen Fall in die gefürchteten deutschen Konter laufen wollten. Kapitän Philipp Lahm & Co. starteten angesichts der extremen Verhältnisse wie angekündigt im Energie-Sparmodus: Erstmal Sicherheit gewinnen in der eigenen Hälfte, vor des Gegners Tor aber wurde das Tempo angezogen. Der Matchplan sah vor, den Gegner weich zu spielen, um im Laufe der Partie entscheidend zuzuschlagen.

Allerdings nicht, dass die Black Stars zu mehr Chancen kommen würden als den Deutschen lieb sein konnte. Die erste nach toller Vorarbeit von Christian Atsu durch Asamoah Gyan (7.), doch Jubilar Per Mertesacker störte in seinem 100. Länderspiel den Schützen, der den Ball in den Abendhimmel jagte. Als Atsu abzog (13.), parierte Torwart Manuel Neuer dessen Schuss ebenso wie gegen Sulley Muntari (32.). Die beste deutsche Chance hatte Toni Kroos (11.), dessen Schuss nach schöner Hackentrick-Vorlage von Thomas Müller noch abgeblockt wurde.In der deutschen Elf hatte Mesut Özil deutlich mehr Ballkontakte als zuletzt, doch ihm und auch dem zunächst ziemlich fahrig wirkenden Götze fehlte die letzte Konsequenz. Man kontrollierte in der von Taktik geprägten Partie zwar weitgehend das Geschehen, es fehlte aber an Präzision. Das im Portugal-Spiel noch perfekt dargebotene schnelle Umschaltspiel kam deshalb auch nicht zustande. Zudem gelang es Lahm und Sami Khedira oft nicht, die Torgefahr der Ghanaer zu unterbinden. Nach der Pause schaffte Götze das vermeintlich erlösende Führungstor, als er Thomas Müllers präzise Flanke mit Kopf und Knie ins Netz lenkte. Doch die Ghanaer schlugen prompt zurück. Nur drei Minuten später traf André Ayew, als der nach der Pause für Boateng (muskuläre Probleme) eingewechselte Shkodran Mustafi nicht mit hochsprang und den Schützen fast unbehelligt zum Torerfolg kommen ließ.

Knapp zehn Minuten später lagen Löws Mannen sogar hinten: Aus Ghanas Mittelfeld wurde der Ball genau in die Schnittstelle der deutschen Hintermannschaft gespielt, und der völlig freistehende Asamoah Gyan (63.) ließ Neuer im deutschen Gehäuse keine Chance. Löw reagierte auf den unverhofften Rückstand mit der Hereinnahme der erfahrenen Klose und Bastian Schweinsteiger (69.). Und es dauerte gerade mal zwei Minuten, ehe Kroos dem Stürmer-Oldie mit einer von Benedikt Höwedes verlängerten Eckem das 2:2 auflegte. Mit seinem 15. WM-Treffer zog Klose mit Rekordler Ronaldo gleich. „Es ist ein besonderer Geburtstag, er ist jetzt Rekordtorschütze der Nationalmannschaft, seine Karriere ist unglaublich“, rühmte Teammanager Oliver Bierhoff. Am Ende eines nicht gewollten offenen Schlagabtauschs stand nicht mehr als das allerdings gerechte 2:2 zu Buche.

Bundestrainer Joachim Löw: „Es war ein offener Schlagabtausch. Ein irrsinniges Tempo. Die Spieler haben alles gegeben und sich völlig verausgabt. Die Mannschaft hat gute Moral bewiesen, dass sie zurückgekommen ist. Für uns hat sich die Ausgangsposition nicht entscheidend verändert. Wir wollen das nächste Spiel gewinnen und Tabellenführer bleiben.“

Mario Götze: „Es war etwas glücklich, dass mein Kopfball reingegangen ist. Bei den Bedingungen haben wir es über weite Strecken gut gemacht. Aber wir haben zwei Gegentore zugelassen, die man nicht kriegen darf. Mit dem Punkt können wir leben.“

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach: „Das war ein echter WM-Fight in einer grandiosen Kulisse. Da muss man noch ein paar Mal durchatmen. Gut, dass Miro so schnell geantwortet hat. Ghana war ein unglaublich starker Gegner. Das ist die stärkste afrikanische Mannschaft.“

Manuel Neuer: „Wir haben Ghana durch unsere Fehler ins Spiel zurückgebracht. Die zwei Gegentore waren geschenkt. Das darf bei einer WM nicht passieren. Für uns war das ein Wachmacher. Wir wissen jetzt, dass wir mit beiden Beinen auf den Boden gehören. Wir haben noch nichts erreicht.“

Mats Hummels: „Es war das erwartet schwere Spiel. Wir haben dem Gegner mit vielen Ballverlusten in die Karten gespielt. Angesichts der vielen Fehler müssen wir mit dem Unentschieden zufrieden sein. Gegen die USA müssen die Ballverluste minimieren. Das darf man sich nicht erlauben.“

Alles zum Spiel im Liveticker:

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