Viertelfinale Deutschland gegen Frankreich : WM 2014: Franzosen treffen auf ihren „besten Feind“

Mit Deutschland-Fahne und Vuvuzelas feierten die Neumünsteraner Fußballfans den Einzug der deutschen Nationalmannschaft ins Viertelfinale.
Mit Deutschland-Fahne und Vuvuzelas feierten die Neumünsteraner Fußballfans den Einzug der deutschen Nationalmannschaft ins Viertelfinale. Können die Fans auch am Freitag wieder feiern?

Am Freitag steigt das Prestigeduell um den Einzug ins Halbfinale. Die bislang souveränen Franzosen strauchelten im Achtelfinale leicht, Deutschland hat die Favoritenrolle verloren. Vielleicht kann die DFB-Elf so befreiter aufspielen.

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02. Juli 2014, 12:21 Uhr

Brasilien | Am Freitag um 18 Uhr wird in Rio de Janeiro die Partie Deutschland gegen Frankreich angepfiffen. Das Prestigeduell ist eine der wohl interessantesten Begegnungen im Viertelfinale. Es ist die vierte WM-Partie zwischen der DFB-Elf und der Equipe Tricolore. Deutschland ist bei der 18. Weltmeisterschaft zum 17. Mal unter den besten Acht im Wettbewerb. Jetzt warten unsere Nachbarn im Viertelfinale.

Frankreich geht mit breiter Brust in die Partie. Drei Siege in der Gruppenphase. Im Achtelfinale gegen Nigeria wurde es schon schwieriger. Am Ende kamen die Franzosen gegen eine aufopferungsvoll kämpfende afrikanische Mannschaft aber doch noch zum Erfolg. Deutschland hat im Duell vor allem seitens der Medien Federn gelassen. Vom Titelaspiranten und WM-Favoriten ist nichts mehr zu lesen. Die französiche Zeitung La Dépêche titelt bereits siegesbewusst: „Und nun? Deutschland. Die Franzosen treffen auf ihren ,besten' Feind. Die Phantome von 1982 und 1986 kommen wieder zum Vorschein. Aber jedes Mal (außer 1938), wenn ,Les Bleus' bis zum Achtelfinale kommen, sind sie auch mindestens bis ins Halbfinale gekommen!“ Auch der Standard aus Österreich sieht Deutschlands weg am Ende: „Deutschland zieht erst nach Verlängerung ins Viertelfinale ein, erweckt beim Zittersieg gegen tapfere, aber im Abschluss schwache Algerier nicht den Eindruck, den Titelweg bis zum Ende gehen zu können.“

Nur Frankreichs Trainer Didier Deschamps rief bisher zur Zurückhaltung auf - aber sein Appell verhallte fast wirkungslos. „Wir stehen jetzt unter den letzten Acht“, sagte Deschamps. „Unsere Ziele verschieben sich natürlich, aber wir dürfen jetzt nicht durchdrehen.“ Zu wenig überzeugend war der Auftritt seiner Mannschaft gegen den Afrika-Meister. Über lange Zeit fehlten Leichtigkeit, Esprit und Durchschlagskraft, in der Defensive ließen die Franzosen durch ihre „laissez-faire“-Einstellung immer wieder Gelegenheiten zu.

Nach dem Abpfiff der Partie gegen Nigeria stürzten sich fast alle Spieler erleichtert auf Pogba und begruben den Torschützen des 1:0 unter sich. Ob er die deutsche Mannschaft fürchte, wurde der defensive Mittelfeldspieler hinterher gefragt: „Nein, ich habe keine Angst“, antwortete der Matchwinner mit ernstem Blick, der keine Zweifel zuließ. „Wir haben vor niemandem Angst.“

Unterdessen hofft Bastian Schweinsteiger natürlich auf einen Einsatz am Freitag in der Fußball-Kultstätte Maracanã, in der er im 106. Länderspiel zum erst zweiten Male in einem Länderspiel gegen die Franzosen auflaufen würde. Im bislang für ihn einzigen Vergleich im November 2005 gab es für den damaligen Einwechselspieler ein 0:0. „Frankreich ist ein schwerer Brocken“, sagte der Mittelfeldmann über einen der Titelaspiranten. „Sie haben sehr gute Einzelspieler in ihren Reihen, die sehr hohe Qualität haben. Aber sie spielen auch als Mannschaft. Das war vielleicht vor ein paar Jahren nicht so.“

Nachdem er gegen Algerien mit dem Kopf noch einen möglichen Siegtreffer in der regulären Spielzeit vergeben hatte, gab er für die maximal drei weiteren WM-Spiele in Brasilien auch noch ein kleines Torversprechen ab. „Mein Kopfballtor kommt noch.“ Aufopferungsvoll rannte Schweinsteiger für das Team - und das will er auf dem Weg ins Halbfinale auch wieder von allen sehen: „Ich glaube daran, dass wir auch Frankreich schlagen können - wenn wir wieder die Einstellung und den Willen haben.“

Doch die Statistik trübt die Erfolgsaussichten am kommenden Freitag. Die Bilanz ist bei acht Siegen, sechs Unentschieden und elf Niederlagen negativ - das Torverhältnis aber auch wegen eines 5:1 in den 60er Jahren bei 42:41 Treffern positiv für die DFB-Auswahl. Nur drei Duelle waren Pflichtspiele - alle bei Weltmeisterschaften. „Wir wissen, dass die Franzosen offensiv nochmal stärker sind und mehr Qualität haben. Da müssen wir von der ersten Minute an besser spielen“, sagte Matchwinner André Schürrle nach der Partie gegen Algerien. „Im Moment kann man eher Frankreich in der Favoritenrolle sehen“, bemerkte selbst Teammanager Oliver Bierhoff.

Am Freitag werden beide Mannschaften alles geben. Wer am Ende gewinnt, wird sich eventuell wieder in der Verlängerung entscheiden, so würde der Achtelfinal-Trend wenigstens fortgesetzt werden.

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