Nati : «Wir gegen die Welt» - Schweizer wollen ins WM-Achtelfinale

Der Schweizer Torschütze Shaqiri jubelt über den Sieg seines Teams. /KEYSTONE
Der Schweizer Torschütze Shaqiri jubelt über den Sieg seines Teams. /KEYSTONE

Die Turbulenzen der vergangenen Tage haben bei den Schweizern Spuren hinterlassen. Allerdings im positiven Sinne. Das Team ist noch enger zusammengerückt. Auch deshalb traut ein alter Bekannter der Nati in Russland jede Menge zu.

shz.de von
26. Juni 2018, 17:16 Uhr

Endlich wieder Fußball! Nach den tagelangen Debatten über den Adler-Jubel von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri gegen Serbien sind die Schweizer froh, dass am Mittwoch das nächste Spiel ansteht.

Mit Xhaka, Shaqiri und Kapitän Stephan Lichtsteiner, die für ihre politischen Gesten mit einer Geldstrafe belegt wurden, wollen die Eidgenossen gegen die bereits ausgeschiedenen Costa Ricaner den Sprung in die K.o.-Runde perfekt machen. «Der Sieg ist das Ziel, und wir wollen wenn möglich auch Erster der Gruppe werden», sagte Trainer Vladimir Petković am Dienstag.

Erzielt sein Team im Duell mit den Lateinamerikanern ein Tor, wird sich die viel diskutierte Jubel-Geste nicht wiederholen. Da ist sich Mittelfeldspieler Valon Behrami sicher. «Das wird in Zukunft nicht mehr passieren, weil solch ein besonderes Spiel nicht mehr vorkommen wird», sagte der 33-Jährige. Der Fall sei nun abgeschlossen. Shaqiri und Xhaka, die kosovarische Wurzeln haben, und auch Lichtsteiner formten beim 2:1-Sieg gegen Serbien mit den Händen den Doppeladler, der die albanische Flagge ziert.

Die Turbulenzen der vergangenen Tage haben das Team noch enger zusammenrücken lassen. «Wenn etwas passiert, wenn einer von uns attackiert wird, dann stärkt das die Gruppe. Wir lassen keinen alleine und lassen nicht zu, dass ein Einzelner den Leuten zum Fraß vorgeworfen wird», sagte Defensivspieler Michael Lang. Und dann brachte der von Borussia Mönchengladbach umworbene Rechtsverteidiger die Stimmung im Schweizer Lager in der Wolgastadt Togliatti auf den Punkt: «Wir gegen die Welt.»

Mit diesem Trotz-Gefühl soll es für die Schweizer in Russland noch weit gehen. Schon vor dem Turnier hatte Petković das Erreichen des Achtelfinals selbstbewusst als Minimalziel ausgegeben. Dafür reicht der Nati am Mittwoch (20.00 Uhr) in Nischni Nowgorod bereits ein Punkt. Doch nach den ermutigenden Auftritten gegen Brasilien (1:1) und Serbien (2:1) wollen die Schweizer dieses Mal mehr. Das erste WM-Viertelfinale seit der Heim-Weltmeisterschaft 1954 ist das große Ziel.

Ottmar Hitzfeld, Vorgänger von Petković als Nationalcoach, traut der Mannschaft das absolut zu. «Die Spieler haben einen großen Schritt gemacht», sagte der 69-Jährige, der die Nati von 2008 bis 2014 trainierte, im Interview der Schweizer Boulevard-Zeitung «Blick». Bei der WM in Brasilien schied die Schweiz vor vier Jahren unter ihm im Achtelfinale unglücklich gegen Argentinien aus.

Doch Hitzfeld hält die aktuelle Auswahl für stärker, da die Spieler erfahrener seien. «Sie haben sich in den Vereinen weiterentwickelt, viele sind Stammspieler und Leistungsträger. Davon profitiert die Nati.» Der langjährige Erfolgscoach von Bayern München und Borussia Dortmund hat die jüngsten Diskussionen in der Schweiz natürlich aufmerksam verfolgt. «Dass es eine Debatte ausgelöst hat, ist normal», sagte Hitzfeld. «Aber jetzt muss es wieder um Fußball gehen. Jetzt muss wieder die ganze Schweiz hinter der Nati stehen.»

Mit Zusammenhalt und geballter Unterstützung ins Achtelfinale. Und dann? Dann könnte es gegen Weltmeister Deutschland gehen. Was auch für Hitzfeld ein ganz besonderes Duell wäre, in dem er der Schweiz die Daumen drücken würde. «Ich habe zwei Herzen in meiner Brust mit meinem deutschen Pass. Aber die Schweizer Spieler und der Verband liegen mir näher. Daher bin ich im Herzen für die Schweiz», sagte Hitzfeld, für den die DFB-Elf aber Favorit wäre. «Wenn die Deutschen nun ins Rollen kommen, sind sie schwer zu schlagen.»

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