Europameister : Wie 2016: Pragmatismus soll Portugal den Titel bringen

Der portugiesische Superstar Cristiano Ronaldo trainiert für das Spiel gegen Uruguay. /AP
Der portugiesische Superstar Cristiano Ronaldo trainiert für das Spiel gegen Uruguay. /AP

So hat es schon einmal geklappt. Und es ist nicht lange her. Ändern wird Europameister Portugal an seiner nicht besonders attraktiven Spielweise auch im WM-Achtelfinale gegen Uruguay nichts. Pragmatismus ist gefragt. Die Devise: nicht schön, aber erfolgreich.

shz.de von
28. Juni 2018, 12:39 Uhr

In einer Hinsicht läuft es für Cristiano Ronaldo und seinen Portugiesen schon jetzt wie beim Europameister-Triumph vor zwei Jahren: Sie müssen sich Tag für Tag für ihre unattraktive Spielweise rechtfertigen.

Doch perlt das an den Spielern ab, frei nach dem Motto: nicht schön, aber erfolgreich. So will Portugal an diesem Samstag (20.00 Uhr MESZ) in Sotschi angeführt von Fußball-Beau Ronaldo Uruguay besiegen und unter die besten acht Fußball-Mannschaften der Welt kommen. «Ob wir schön spielen oder nicht, das einzige Ziel ist, Uruguay zu schlagen», sagt Abwehrspieler Cedric Soares.

Die äußeren Umstände passen zu diesem Pragmatismus: Wo sich Ronaldo und seine Kollegen auf das brisante Achtelfinale gegen den zweimaligen Weltmeister einstimmen, ist es wenig pittoresk, die Anlage ist teilweise nicht ganz fertiggestellt. Aber: Das Wesentliche ist in einem Top-Zustand, der Rasen grünt, Borussia Dortmunds Abwehrspieler Raphael Guerreiro ist nach seinen Muskelproblemen vom Vortag auch wieder dabei, Angreifer Gelson Martins ebenso. Ein Fragezeichen steht hinter dem Einsatz von Mittelfeld-Stammspieler William Carvalho.

Die Diskussionen und Dauerfragen der portugiesischen Medienvertreter nach der Spielweise kennen die Spieler, für sie zählt aber nur die Meinung von Coach Fernando Santos. «Jeder kann sich ja zur Qualität äußern, wichtig ist aber, dass der Trainer das Spiel analysiert», betonte einmal Jose Fontes. «Einen attraktiveren Fußball will jeder, aber das Wichtigste ist, zu gewinnen.»

Mit nur einem Sieg in 90 Minuten schaffte es Portugal 2016 erstmals bis an die Spitze Europas: Drei Unentschieden in der Gruppenphase reichten zum Weiterkommen, im Achtelfinale gegen Kroatien gelang ein Sieg nach Verlängerung, im Viertelfinale gegen Polen erst nach Elfmeterschießen. Im Halbfinale gegen Wales genügte die reguläre Spielzeit zum 2:0, im Finale besorgte Eder in der Verlängerung das 1:0 gegen Gastgeber Frankreich.

Man sei damals nicht zur EM gefahren, um Spektakel zu veranstalten, betonte der damalige und heutige Coach Santos. Seit 2014 trainiert der ehemalige Elektronik- und Telekommunikations-Ingenieur aus Lissabon die Portugiesen, zwei Jahre brauchte der mittlerweile 63-Jährige, um das Land zum bisher größten Fußball-Erfolg zu führen. Zuvor hatte er es mit dem ehemaligen Europameister Griechenland 2012 in das EM-Viertelfinale und 2014 ins WM-Achtelfinale geschafft.

Was er schon auf dem Weg zum Titel mit Portugal vor zwei Jahren sagte, gilt bei Santos nun auf der Weltbühne genauso. «Wir sind nicht das beste Team in der Welt, aber es ist nicht leicht, Portugal zu besiegen», sagte er damals. Verloren hat Portugal bei der WM noch kein Spiel.

Gewonnen hat Ronaldo dafür die Aufmerksamkeit von US-Präsident Donald Trump, auch wenn dieser noch ein paar Probleme mit dessen Namen hat. «Wird Christian jemals gegen Sie zur Wahl des Präsidenten antreten?», fragte er Portugals Staatsoberhaupt Marcelo Rebelo de Sousa scherzhaft bei dessen Besuch im Weißen Haus.

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