Deutschland bei der WM 2014 : Warum man Löws DFB-Elf angreifen darf

Gegen Algerien sah nicht nur Linksverteidiger Höwedes (re.) schlecht aus.
Gegen Algerien sah nicht nur Linksverteidiger Höwedes (re.) schlecht aus.

Deutschland zeigte gegen Algerien eine ganz schwache erste Hälfte. Schuld war vor allem Löws Aufstellung in der Abwehr. Dabei könnten die Defensiv-Probleme leicht behoben werden. Vor allem der Bundestrainer muss sich Kritik gefallen lassen.

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02. Juli 2014, 15:42 Uhr

Die deutsche Nationalmannschaft ist noch nicht ausgeschieden. Auch gegen Frankreich im WM-Viertelfinale kann es gut gehen. Aber selbst große Fans der DFB-Elf müssen zugeben: Die ersten 30 Minuten gegen Algerien waren einer Nationalmannschaft, die Weltmeister werden will, nicht würdig. Dass Löws Team in dieser Zeit nicht zwei Gegentore kassierte, lag ausschließlich an der fehlenden Effektivität der Algerier – und an Torhüter Manuel Neuer. Nein, es war keine Karnevalstruppe, gegen die es im WM-Achtelfinale ging – wie es Mertesacker im ZDF-Interview klarstellte. Aber es war auch wirklich keine Weltauswahl. Es gibt vielleicht keine ganz kleinen Gegner mehr, aber immer noch nicht ganz große. Kritik ist also nicht nur erlaubt – sie ist angebracht.

Die bisher größte Prüfung dieses Turniers wartet mit Frankreich am Freitag. Dann wird sich zeigen, ob Löw eine Taktik und Aufstellung findet, die eine Mannschaft in die Knie zwingt, die sich bei dieser WM mit ihren Auftritten zu einem Titelaspiranten gemausert hat – und das ohne Superstar Ribery.

Wenn Deutschland gegen Frankreich ausscheidet, dann wird es schwer für Löw, sich als Trainer zu halten. Zu Recht. Angriffsfläche bietet er vor allem wegen seiner Personalentscheidungen in der Defensive.

Dass er den besten Rechtsverteidiger der Welt im defensiven Mittelfeld auflaufen lässt, sorgt weiterhin für angebrachte Kritik. Ein Kommentar auf Facebook trifft den Nagel auf den Kopf: Philipp Lahm auf der Sechser-Position ist wie Boris Becker damals bei den French Open – er hält mit, aber Weltklasse ist er woanders. Boateng macht seine Sache auf Lahms eigentlicher Stammposition zwar durchaus ordentlich. Aber eben nicht sehr gut, wie es von Kapitän Lahm zu erwarten wäre. 

Benedikt Höwedes als Linksverteidiger aufzustellen ist ein weiterer Fehler. Auch er ist zwar nicht so schlecht, wie er oft dargestellt wird. Aber läuft er auf gleicher Position auch wieder gegen Frankreich auf, wird sich das rächen. Der gelernte Innenverteidiger kann sich gegen offensivstarke Mannschaften – wie Frankreich – nicht auf der Außenbahn durchsetzen. Vor allem sorgt er für keinerlei Gefahr, wenn es nach vorne geht. Aber auch darum wird es gehen, wenn Deutschland den Titel holen will. Seine Alternative: Dortmunds Kevin Großkreutz. Dass er die Außenbahnen bestens im Griff hat, bewies er in der abgelaufenen Bundesliga-Saison. Oder Lahm rückt doch auf die linke Abwehrseite, auf der er früher zum Weltklassespieler reifte. Aber das wagt Löw sowieso nicht.

Und dann wäre da noch Shkodran Mustafi. Der Überraschungsgast bei dieser WM lief gegen Algerien nicht als Hummels-Ersatz in der Innenverteidigung auf. Sondern auf der für ihn völlig ungewohnten rechten Außenbahn. Löws Entscheidung ging mächtig in die Hose.   

Hält Joachim Löw an einer Viererkette mit vier gelernten Innenverteidigern auch im Viertelfinale fest, wird es wieder Kritik hageln. Wieder zu Recht. Denn die Qualität wird wieder darunter leiden. Scheidet Deutschland gegen Frankreich aus, dann wahrscheinlich wegen der Entscheidungen auf den defensiven Positionen. Das Bittere: Es würde nicht einmal an mangelder Qualität der DFB-Elf liegen. Die hat sie ohne Frage. Schuld hätte vor allem Löw, der sie nicht abzurufen weiß. Die berechtigte Kritik am deutschen Spiel ist also vor allem eine Kritik am Bundestrainer.

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