Nach turbulenter Testphase : Videobeweis feiert WM-Premiere

Den Videobeweis wird es auch bei der WM in Russland geben.
Den Videobeweis wird es auch bei der WM in Russland geben.

Der Videobeweis war in der Bundesliga das Dauerthema Nummer eins und stand zwischenzeitlich sogar vor dem Aus. Bei der WM sollen die deutschen Schiedsrichter ihre Erfahrungen aus dieser Saison einbringen, um hitzige Debatten zu verhindern.

shz.de von
08. Mai 2018, 12:08 Uhr

Nach der turbulenten Testphase in der Bundesliga dürfte die Expertise der deutschen WM-Videoassistenten Bastian Dankert und Felix Zwayer beim sommerlichen Fußball-Fest in Russland ganz besonders gefragt sein.

Schließlich gab es in den zurückliegenden Monaten in Sachen Videobeweis nichts, das es nicht gab - selbst in der Halbzeitpause kam die umstrittene Technik zum Einsatz. «Dass wir von unseren bisherigen Erfahrungen aus der Bundesliga sehr profitieren, steht außer Frage», sagte Dankert daher nach seiner Nominierung durch den Weltverband FIFA. «Wir sind sehr optimistisch, dass dieses System bei der WM gut funktionieren wird.»

Davon sind nicht alle Fußball-Experten überzeugt, nachdem es in der Bundesliga immer wieder zu schwer nachvollziehbaren Entscheidungen gekommen ist. «So, wie der Videobeweis jetzt praktiziert wird, ist es schlecht, ist es negativ für den Fußball. So kann es nicht weitergehen», kritisierte Bayern-Trainer Jupp Heynckes unlängst den Einsatz der Technik.

Ex-Nationalspieler Matthias Sammer befürchtet gar ein Chaos bei der WM. Für ein solches Turnier sei der Videobeweis «grundsätzlich nicht geeignet». Es lägen viel zu wenige Erfahrungswerte vor, «und wir haben ja in der Bundesliga gesehen, was das zu Beginn der Saison bedeutet hat.»

In der Tat verging in der Hinrunde kaum ein Wochenende, an dem nicht über den Videobeweis diskutiert wurde. Schon der Auftakt ging schief - technische Probleme verhinderten bei drei Spielen den Einsatz des Hilfsmittels über die vollen 90 Minuten. Vor allem die Debatte um die Frage, wann der Video-Assistent in Köln eingreifen soll und wann nicht, nahm an Schärfe zu und flackerte auch in der Saison-Endphase immer wieder auf.

Unter dem Druck der massiven Kritik korrigierte der DFB nach dem fünften Spieltag zunächst heimlich seine Vorgaben an die Schiedsrichter, ruderte wenige Wochen später nach einem Machtwort von Präsident Reinhard Grindel aber wieder zurück. Anfang November wurde Hellmut Krug als Projektleiter abgesetzt und durch Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich ersetzt. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) forderte im Zuge der zum Teil hitzigen Debatte sogar eine Neuordnung des Schiedsrichterwesens.

Die Zwischenbilanz in der Winterpause fiel dennoch positiv aus. Immerhin 37 Fehlentscheidungen wurden in der Hinrunde durch den Videoassistenten verhindert, allerdings irrten die Unparteiischen auch in elf Fällen. Dennoch betonte DFB-Boss Grindel immer wieder: «Wir sollten uns freuen, dass der Fußball gerechter geworden ist.» Eine Statistik für die gesamte Spielzeit lag vor dem Saisonfinale noch nicht vor.

Obwohl bis heute längst nicht alle Spieler, Trainer und Funktionäre vom Videobeweis überzeugt sind, sprach sich im März eine große Mehrheit der Profivereine für eine reguläre Einführung der Technik in der Bundesliga ab der kommenden Saison aus. Zuvor war das Hilfsmittel von der FIFA ins offizielle Regelwerk übernommen worden.

Bei der WM erlebt der Videobeweis nun seine Premiere auf der ganz großen Fußball-Bühne. Dabei macht sich der Weltverband die Erfahrungen aus den nationalen Ligen zunutze. So sollen die einzelnen Entscheidungen auch dem Fan im Stadion genau erklärt werden. Sebastian Runge, der bei der FIFA für Innovationen zuständig ist, kündigte an: «Wir werden Grafiken und Wiederholungen auf den riesigen Bildschirmen haben und wir werden die Fans über den Ausgang eines Videobeweises und die Überprüfung informieren.»

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