WM-Finalist Frankreich : Mittelstürmer ohne Tor: Mitspieler verteidigen Giroud

Stellt sich ganz in den Dienst der Mannschaft: Frankreichs Mittelstürmer Olivier Giroud.  /AP
Stellt sich ganz in den Dienst der Mannschaft: Frankreichs Mittelstürmer Olivier Giroud.  /AP

Er ist für die Tore da. Aber er macht sie nicht. Olivier Girouds persönliche Bilanz bei dieser WM ist mehr als mäßig. Egal, heißt es von den Franzosen. Der Mittelstürmer stellt sich voll in den Dienst der Mannschaft. Nur das zählt.

shz.de von
14. Juli 2018, 14:00 Uhr

Er ist der Mittelstürmer, der nicht trifft. Zumindest bisher bei dieser Fußball-WM. Noch kein Tor gelang Olivier Giroud für die Équipe Tricolore in Russland.

«Er ist vielleicht frustriert, weil er nicht getroffen hat, aber das Wichtigste ist, dass die Mannschaft gewinnt», sagt Girouds Auswahlkollege Blaise Matuidi. Und Giroud selbst? «Wenn ich ein Tor mache, ist das gut, aber vor allem anderen stelle ich mich in den Dienst der Mannschaft», sagt der 31-Jährige.

Er ist Kritik gewohnt. Vor der EM 2016 in Frankreich musste Trainer Didier Deschamps Giroud verteidigen, vor einem Jahr musste er es wieder tun, ehe Giroud beim 5:0 gegen Paraguay in einem Testspiel den ersten Dreierpack seiner Nationalmannschaftskarriere machte. Es war auch das erste Mal seit David Trezeguet im August 2000, dass ein Franzose dreimal in einem Spiel traf. Die Zuschauer in Rennes feierten Giroud damals, ansonsten kennt Giroud aber auch Pfiffe gegen ihn nur zu gut.

Jetzt steht Giroud wieder im Blickpunkt, weil er bis zum Finale der WM im Moskauer Luschniki-Stadion gegen Kroatien noch nicht getroffen hat. Die weitere Statistik stellt ihm auch kein glanzvolles Mittelstürmer-Zeugnis aus. 14 Torversuche in 465 gespielten Minuten, nur einer davon ging auch auf den gegnerischen Kasten, neun verfehlten das Ziel, fünf wurden geblockt.

Dabei ist Giroud der drittbeste Torschütze der Grande Nation mit 31 Treffern. Nur der legendäre Michel Platini mit 40 und Thierry Henry mit 48 Toren waren erfolgreicher im Trikot mit Hahn.

Giroud ist ein Mittelstürmer klassischster Ausprägung. Sein Verein FC Chelsea, zu dem er zu Jahresbeginn vom Stadtrivalen FC Arsenal kommend wechselte, bewirbt ihn als «physisch starken Angreifer», der «gefährlich in der Luft und eiskalt mit den Füßen im Strafraum ist». Giroud ist 1,92 Meter groß, ein Hüne. «Man kann nicht von ihm verlangen, dass er sich den Ball nimmt und drei Leute umspielt», sagte Deschamps einmal über den Angreifer.

Giroud ist keiner wie Angriffspartner Kylian Mbappé, der sich den Ball 30, 40 Meter vorm gegnerischen Tor schnappt, den Turbo anwirft und mit rasender Geschwindigkeit und brillanter Technik die Abwehrspieler reihenweise düpiert. Oder Antoine Griezmann, der Gegenentwurf Girouds, fast 20 Zentimeter kleiner, superwendig, dribbelstark, Vorbereiter und Vollender. Vor allem zu Beginn der WM harmonierten die beiden zudem nicht miteinander, fanden sich selten.

Und die Spielweise der Franzosen fußt auch noch auf einer starken Defensive, so muss auch einer wie Giroud nicht selten in der eigenen Hälfte aushelfen. «Er arbeitet viel, es ist super für uns», lobte Matuidi den Torschützen a.D. Nach dem Halbfinalsieg gegen Belgien betonte auch Deschamps, welch große Rolle Giroud in der taktischen Ausrichtung gespielt habe.

Wie sehr die Torlos-Zeit ihn belastet, ist Giroud nicht anzumerken. Ähnlich wie Abwehrmann Adil Rami sich bei einem WM-Triumph den Titel trotz bisher null Einsatzminuten nicht kleinreden lassen will, dürfte es Giroud aber auch bestens verkraften, wenn ein anderer ihn und die gesamte Mannschaft zum WM-Titel schießt.

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