1:1 gegen Argentinien : Messi-Schreck Island schreibt wieder Geschichte

Alfred Finnbogason (r) aus Island bejubelt sein Tor zum 1:1 gegen Argentinien. /xinhua
Alfred Finnbogason (r) aus Island bejubelt sein Tor zum 1:1 gegen Argentinien. /xinhua

«Huh!», tönte es in Frankreich. «Huh!», heißt es nun in Russland. Der WM-Neuling Island feiert ein Remis gerne mal wie einen Sieg. Doch der Trainer der Wikinger hat längst eine größere Party im Sinn.

shz.de von
17. Juni 2018, 13:25 Uhr

Die 1:1-Überraschung gegen den zweimaligen Weltmeister Argentinien sorgte bei Island für große Gefühle. Nach dem großen Coup samt anschließender Party auf dem Rasen hat Fußball-Zwerg Island schon das nächste Fest im Sinn.

«Wartet mal ab, wie wir feiern, wenn wir mal ein Spiel gewinnen. Das wird erst eine Feier sein», kündigte Trainer Heimir Hallgrímsson nach dem beeindruckenden Punktgewinn der frechen Wikinger gegen Superstar Lionel Messi und dessen Argentinier an. In der Kurve ließen sich die erschöpften Spieler von ihrem beeindruckend lauten Anhang schon nach dem Remis feiern.

«Wir erleben die besten Momente in Islands Fußball-Historie», sagte Augsburgs Alfred Finnbogason, der kaltschnäuzig die Führung von Starstürmer Sergio Agüero ausglich und damit Islands erstes Tor bei der WM-Premiere erzielte. «Das ist der großartigste Moment in meiner Karriere, ohne Zweifel. Wir schreiben hier Geschichte und das Tor ist das Sahnehäubchen», berichtete der völlig euphorisierte und losgelöste Finnbogason, der vor allem wegen seiner Qualitäten bei der Abwehrarbeit gegen den Ball aufgeboten wurde. «Er hat getroffen, also können wir nicht so falsch gelegen haben», rechtfertigte der Trainer, dessen Matchplan gegen den hohen Favoriten ideal aufging.

Tatsächlich dürfen die Insel-Kicker vor dem zweiten Spiel gegen Nigeria am Freitag auf einen erneuten Vorrunden-Coup hoffen. Den schwersten Gegner haben Finnbogason und Co. hinter sich, gegen Kroatien haben sie sich bereits in der Qualifikation durchgesetzt.

Nach einer kurzen Nacht forderte Kapitän Aron Einar Gunnarsson gerade wegen der guten Konstellation nun volle Aufmerksamkeit für den nächsten Gegner. «Wenn wir uns jetzt nicht auf Nigeria konzentrieren und da keine Punkte holen, hat der Punkt gegen Argentinien keinen Nutzen», sagte Gunnarsson. Im Training durfte er sich schonen und joggte nur um den Platz.

Am Wert des Unentschiedens gab es auch tags darauf keinen Zweifel. Die Stimmung beim lockeren Training der Reservisten war sehr gut. «Das ist eine Art Meilenstein für uns. Gegen Argentinien zu spielen, ist nicht das Einfachste. Uns gibt dieser Punkt sehr viel», wiederholte Hallgrímsson seine Aussage vom Samstag. Die Situation gleicht der bei der EM 2016: Damals trotzte Island zum Start Portugal einen Punkt ab, dann begann das kleine Huh-Wunder.

Auch deshalb wollte sich Elfmeter-Held Hannes Thór Halldórsson, der mit einem parierten Strafstoß von Superstar Messi den Punktgewinn erst ermöglichte, das Ergebnis nicht schlechtreden lassen. «Es ist ein großartiges Unentschieden für uns. Wir haben bei der letzten Euro gemerkt, wie wichtig es ist, in das Turnier zu kommen», sagte der 34 Jahre alte Keeper, der im normalen Leben Filmemacher ist. Auch Islands Geschichte als Favoritenschreck gegen Cristiano Ronaldo, England und nun gegen Messi ist mehr als filmreif.

Wie 2016 ist Island noch immer keine spielstarke Mannschaft. Mit Ausnahme von Spielmacher Gylfi Sigurdsson hat kaum einer der Spieler internationales Format. Doch Hallgrimssons Team agiert diszipliniert, verfolgt einen klaren Plan und lässt sich von den großen Namen der Szene nicht aus dem Konzept bringen. Das beste Beispiel ist Schlussmann Halldórsson. Zu Messis Elfmeter sagt er: «Ich habe meine Hausaufgaben gemacht. Ich wusste, dass die Situation kommen könnte. Ich habe mir viele Messi-Elfmeter angeschaut. Ich hatte ein gutes Gefühl.» Mit diesem Selbstverständnis wird Island ein mehr als ekliger Gegner bleiben.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert