Nach 6:1 Test gegen Armenien : WM-Aus für Reus – Mustafi nachnominiert

Erst die Sorgen um ein Bayern-Trio, jetzt droht einem Dortmunder das WM-Aus. Marco Reus musste noch während der WM-Generalprobe der Nationalelf ins Krankenhaus. Dort wurde ein Teilriss des vorderen Syndesmosebandes am linken Sprunggelenk diagnostiziert.

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07. Juni 2014, 09:58 Uhr

Mainz | Als Marco Reus mit schmerzverzerrtem Gesicht gestützt von Doc und Physiotherapeut in die Kabine geleitet wurde, befürchtete Joachim Löw bereits Schlimmstes. Sorgenvoll blickte der Bundestrainer seinem verletzten WM-Hoffnungsträger entgegen, nur zaghaft kamen Marco-Reus-Rufe von den Rängen. Fans und Bundestrainer beschlich am Freitagabend in Mainz bei der am Ende mit 6:1 gewonnenen Weltmeisterschafts-Generalprobe gegen Armenien schon da eine bittere Vorahnung, die wenige Stunden später wahr wurde. Reus droht wegen eines Teilrisses des vorderen Syndesmosebandes oberhalb des linken Sprunggelenks das WM-Aus.

Kurz vor der Pause (44. Minute) hatte Artak Jedigarjan den Dortmunder am Fuß getroffen, Reus blieb zusammengekrümmt auf dem Rasen liegen Schnell waren Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Physiotherapeut Klaus Eder auf das Spielfeld geeilt. Nach einem kurzen Blick auf den Patienten gaben sie ebenso rasch das Signal zum Wechsel, der später starke Lukas Podolski kam in der Nachspielzeit der ersten Spielhälfte in die Partie. Für Reus ging es dagegen in die Mainzer Uniklinik zur Kernspintomographie. „Ich habe in der Halbzeit gesehen, dass der Fuß schon geschwollen war. Ich hoffe, dass er nichts an den Bändern hat“, sagte ein besorgter Löw noch kurz nach dem Spiel. Es blieb nicht mehr als eine Hoffnung. Am Tag, als Bayern-Star Franck Ribéry der WM-K.o. ereilte, musste sich auch Reus mit den Gedanken an ein WM auseinandersetzen.

„Es ist bitter für uns und natürlich für ihn. Er war eine Waffe. Er kann Freistöße schießen, ist beweglich“, hatte Kollege Miroslav Klose schon unmittelbar nach dem Abpfiff zur schwerwiegenden Verletzung von Reus geäußert. Nach einem eher harmlosen Zweikampf war die große WM-Hoffnung mit dem Fuß unglücklich umgeknickt. „Es gab keine Schuld, es war kein überhartes Foulspiel oder unfaires Spiel vom Gegner. Es war ein Zweikampf, wie er immer wieder passiert im Spiel“, sagte der wie die Spieler geknickte Löw.

Der 54-Jährige nominierte für Reus wenige Stunden vor der Abreise des WM-Kaders nach Brasilien den Abwehrspieler Shkodran Mustafi von Sampdoria Genua nach. „Marco war super drauf. Er hat im Trainingslager und in den beiden Spielen gegen Kamerun und Armenien einen hervorragenden Eindruck hinterlassen, hat vor Spielfreude gesprüht. In unseren Überlegungen für Brasilien hat er eine zentrale Rolle gespielt“, bedauerte Löw.

Wenngleich der Bundestrainer kurz nach der veröffentlichten Diagnose noch keine Konsequenzen bekanntgab. Wie wichtig der Instinktfußballer für das deutsche Spiel ist, zeigte er auch am Freitagabend. Ballsicher, dribbelstark, ideenreich: Nur beim Torabschluss war er nicht effektiv genug. Nach Pass von Thomas Müller (13. Minute) tunnelte der Dortmunder Armeniens Keeper Roman Beresowski, doch der Ball wurde noch kurz vor der Linie geklärt. Die einzige gefährliche Ecke in der ersten Spielhälfte schlug ebenfalls der seit einer Woche 25-Jährige. Jérome Boatengs Kopfball ging aber knapp an Armeniens Tor vorbei. Erneut nach feinem Zuspiel von Müller ließ Reus nur eine Minute später eine weitere Großchance aus.

Den Nachrücker Mustafi hatte Löw nach dem Trainingslager in Südtirol nicht in das 23-köpfige WM-Aufgebot berufen. „Es ging uns nicht darum, Marco Reus eins zu eins zu ersetzen“, erläuterte Löw. Auf den Positionen hinter der Spitze habe er mit Podolski, Schürrle, Götze, Müller, Özil, Draxler und auch Kroos „genügend Alternativen“. Deswegen habe er sich für eine weitere Option für den Defensivbereich entschieden, meinte Löw.

Sportlich hatte der Abend vor 27.000 Zuschauern in der Mainzer Arena - wenn auch erst spät - für neue Vorfreude auf die Weltmeisterschaft in Brasilien gesorgt.  „Wir wollten uns von unseren Fans hier in Mainz mit einem Spiel verabschieden, an dem sie Freude haben, bei dem ein Sieg herausspringt. Das haben wir auch geschafft“, erklärte Löw. Am Samstagabend hebt der DFB-Tross in einem Charterflieger von Frankfurt aus Richtung Salvador ab. „Die Mannschaft ist mit Beifall verabschiedet worden, das tut jedem gut, dieses positive Gefühl mitzunehmen in den Flieger, das kann noch mal einen Schub geben“, meinte der Chefcoach .André Schürrle (52. Minute), Lukas Podolski (71.), Benedikt Höwedes (73.), Rekordtorschütze Klose (76.) und der zweimal erfolgreiche Mario Götze (82./89.) erzielten die Tore. Der Dortmunder Henrich Mchitarjan verwandelte für die Gäste einen Foulelfmeter zum 1:1-Zwischenstand (69.). Miroslav Klose ist somit seit Freitagabend mit seinem 69. Länderspieltreffer neuer alleiniger Rekordschütze in der Geschichte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

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