DFB wappnet sich mit Matrix : Löw will «Klarheit» gegen Südkorea

Joachim Löw will sich nicht auf Rechenspiele einlassen.
Joachim Löw will sich nicht auf Rechenspiele einlassen.

Auf Rechenspiele will sich beim Weltmeister im letzten Gruppenspiel niemand einlassen. Das Achtelfinale liegt in der eigenen Hand. In Kasan erwartet Kapitän Neuer und Kollegen ein hitziger Nachmittag.

shz.de von
27. Juni 2018, 07:10 Uhr

Joachim Löw will sich beim erwarteten heißen Spiel gegen Südkorea nicht auf Rechenspiele einlassen. «Ich bin keiner, der unterschiedliche Szenarien durchspielt», sagte der Bundestrainer zu den vielfältigen Konstellationen im Kampf um Platz eins und zwei in der Gruppe F.

Manager Oliver Bierhoff verriet jedoch, dass der Fußball-Weltmeister am Nachmittag in Kasan auf alle Eventualitäten vorbereitet sei: «Wir haben eine Matrix erstellt mit allen möglichen Varianten, um im Spiel auch noch kurzfristig reagieren zu können.»

Bierhoff sieht nach der «emotionalen Explosion» beim 2:1 gegen Schweden durchaus die Gefahr, dass die deutschen Spieler die punktlosen Südkoreaner im Kampf um das Achtelfinale unterschätzen könnten. «Das ist eine andere Mannschaft. Sie werden uns sicherlich aggressiv stören», mahnte der Manager am Dienstagabend bei dem kurzfristig wegen eines Unwetters aus der Kasan-Arena auf einen kleineren Sportplatz verlegten Abschlusstrainings. «Das wird gefährlicher, als es gegen Schweden war», glaubt Bierhoff.

AUSGANGSLAGE: Ein Sieg mit mindestens zwei Toren Vorsprung reicht der deutschen Mannschaft definitiv für das Weiterkommen. Dann wäre es egal, wie das Parallelspiel zwischen Mexiko und Schweden ausgeht. «Wir sollten mit unserem Spiel und mit unserem Ergebnis für Klarheit sorgen und es aus eigener Kraft schaffen», erklärte Löw. Mexiko (6 Punkte) geht als Tabellenerster vor Deutschland und Schweden (je 3) in den letzten Spieltag. Auch Südkorea (0) hätte als Sieger noch eine kleine Chance. Im Extremfall könnte es sogar zum Losentscheid kommen.

PERSONAL: Die Bayern-Profis Jérôme Boateng (Sperre) und Sebastian Rudy (Nasenbeinbruch) fallen aus. Mats Hummels ist nach Problemen am Halswirbel wieder einsatzbereit. Löw zieht neben den erzwungenen Veränderungen auch andere personelle Umstellungen in Betracht. Er bescheinigte etwa Mesut Özil eine «sehr gute Reaktion» im Training. Vorne ruhen die Hoffnungen wieder auf Marco Reus und Timo Werner.

HITZE: Um die 30 Grad sind zum Anpfiff um 17.00 Uhr Ortszeit in Kasan angesagt. «Die Physis wird auch eine wichtige Komponente», weiß Löw. Ein Fitnessproblem sieht er bei seiner Mannschaft aber nicht. «Ich glaube, dass wir mit dem Tempo und der Hitze nicht mehr Probleme haben werden als Südkorea», erklärte der Bundestrainer.

ANFÄLLIGKEIT: Ein Problem im bisherigen Turnierverlauf war die Konteranfälligkeit. «Gegen Schweden war es in der Umschaltbewegung schon viel, viel besser. Das ist der Maßstab», sagte Löw. Bei den Südkoreanern sticht in der Offensive Heung-Min Son heraus. «Korea hat aber nicht nur Son, sondern ein paar andere Konterspieler auch», warnte der Bundestrainer. Fehlerminimierung sei ein gutes Mittel.

ACHTELFINALE: Erst nach dem deutschen Spiel wird der mögliche Achtelfinal-Kontrahent ermittelt. Rekordweltmeister Brasilien, die Schweiz und auch Serbien kommen noch als mögliche Gegner in Frage. Als Gruppenzweiter müsste die deutsche Mannschaft am kommenden Montag in Samara antreten. Als Erster wäre einen Tag später St. Petersburg der Spielort. Besondere Brisanz würde nach dem deutschen 7:1 im Halbfinale 2014 in Belo Horizonte ein erneutes Kräftemessen mit den Brasilianern haben. Löw wollte auch darüber vorab nicht spekulieren, sondern sagte pragmatisch: «Dann nehmen wir es, wie es kommt.»

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