Luxus-Problem : Kroatiens Stars Rakitic und Modric: wie Netzer und Overath

Star der kroatischen Nationalmannschaft: Luka Modric von Real Madrid. /AP
Star der kroatischen Nationalmannschaft: Luka Modric von Real Madrid. /AP

Kroatien hofft nach Platz drei vor 20 Jahren in Frankreich wieder auf einen WM-Coup. In Ivan Rakitic und Luka Modric hat das Team zwei überragende Strategen. Nur: Sie passen bisher nicht zusammen.

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19. Juni 2018, 10:26 Uhr

Kaliningrad (dpa) - Zwei geniale Lenker sind einer zu viel: Diese Erfahrung mussten bereits Wolfgang Overath und Günter Netzer in den 70er-Jahren in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft machen. 

Die beiden schienen unersetzlich, waren aber am Ende unvereinbar. Und so durfte am Ende meist nur einer von beiden spielen.

Ein ähnliches Luxus-Problem plagt die Nationalmannschaft Kroatiens seit Jahren und nun auch Trainer Zlatko Dalic bei der WM in Russland. In Ivan Rakitic und Luka Modric hat er zwei der besten Mittelfeldspieler der Welt in seinem Kader. Der eine ordnet das Spiel des FC Barcelona, der andere das des Erzrivalen Real Madrid. Zu einem Traum-Duo sind die beiden trotz jeweils rund 100 Länderspielen aber noch nicht zusammengewachsen.

Der frühere Nationaltrainer und künftige Bayern-Coach Niko Kovac bezeichnete die beiden in Anlehnung an den früheren italienischen Chefstrategen als «unsere Pirlos», doch schon die Mehrzahl wies auf das Problem hin. Zlatko Kranjcar, der die «Feurigen» zwischen 2004 und 2006 trainierte, stellte gar fest: «Sie führen ihre Teams zu Siegen in der Champions League. Aber im Nationalteam sind sie fast unsichtbar.»

In den vergangenen fünf Jahren gewann immer einer der beiden die europäische Königsklasse. Mit Kroatien blieb ihnen aber bisher der Erfolg verwehrt. Und die Endrunde in Russland könnte die letzte Chance sein. Der Ex-Schalker Rakitic ist bereits 30, Modric sogar schon 32. Auf die Frage, ob es seine letzte Chance sei, er also nach der WM aus dem Nationalteam zurücktrete, wich Modric aus.

Doch klar ist: Will Kroatien auch nur annähernd so erfolgreich sein wie beim dritten Platz 1998, braucht es Rakitic und Modric als kongeniales Team. Doch an diesem Versuch sind schon viele Trainer verzweifelt. Bei der EM 2012 verschob Slaven Bilic Rakitic auf den Flügel und scheiterte in der Vorrunde. 2014 probierte es Kovac mit beiden als Doppel-Sechs und schieden ebenfalls in der Gruppenphase aus. Bei der EURO 2016 spielte Modric unter Ante Cacic zusammen mit dem Ex-Hamburger Milan Badelj im defensiven Mittelfeld und Rakitic zentral davor. Die Kroaten scheiterten im Achtelfinale an Portugal.

Kein Zufall ist es für viele Experten, dass Kroatien seine besten Spiele und Ergebnisse meist dann lieferte, wenn das Duo gesprengt war. Beim 2:1-Sieg gegen Spanien 2016 saß Modric verletzt auf der Bank. Und im besten Spiel dieser Qualifikation gegen den späteren Gruppensieger Island (2:0) kam er erst für Rakitic ins Spiel.

Dalic, der sein Amt im Herbst 2017 antrat, rettete die WM-Teilnahme in den Play-offs mit einer ganz neuen Variante. Rakitic spielte neben Badelj auf der Sechs, Modric auf der Zehn. Beim 2:0 gegen Nigeria begannen beide als Doppel-Sechs, richtig gut wurden die Kroaten aber erst nach einer Umstellung mit Modric als Flügelstürmer. Welche Formation Dalic am Donnerstag (21.00 Uhr) gegen Argentinien wählen wird, bleibt also spannend.

Dass die beiden sportlich so wenig zusammenpassen, verwundert aber. Denn sie beteuern, «gute Freunde» zu sein. Rakitic berichtet gar, dass Modric ihn 2014 vor seinem Wechsel zu Barca zu Real locken wollte. Das wäre dem Mönchengladbacher Netzer oder dem Kölner Overath sicher nie eingefallen.

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