WM-Donnerstag : Kroatien rückt in den Favoritenstatus auf, der Videobeweis patzt

Reicht es bei dieser Weltmeisterschaft für den ganz großen Coup? Kroatien spricht ein ernstes Wort um den Titel mit.
Reicht es bei dieser Weltmeisterschaft für den ganz großen Coup? Kroatien spricht ein ernstes Wort um den Titel mit.

Mit 3:0 fegten die Kroaten bei der WM den Vizeweltmeister Argentinien am Donnerstagabend weg. Lionel Messi blieb blass.

shz.de von
22. Juni 2018, 07:44 Uhr

Moskau | Auch als erfahrener Fußball-Fan und Sportjournalist lernt man nie aus. Immer wieder überraschen Mannschaften mit interessanten Taktiken, die Spieler zeigen sich auf dem Kopf farbenfroh oder Ergebnisse sind schlichtweg nicht vorauszusagen. Auch der vergangene WM-Donnerstag brachte einiges zum Vorschein.

Erkenntnis: Der Videobeweis erhält ersten Kratzer
 

Als Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz aus Spanien die Partie zwischen Dänemark und Australien unterbrach, tauchten erst einmal viele Fragezeichen über den Köpfen der Beteiligten auf. Was war nun schon wieder? Die Antwort: Der Däne Yussuf Poulsen soll ein Handspiel im eigenen Strafraum begangen haben. Lahoz sah nur kurz auf den Bildschirm und zeigte auf den Elfmeterpunkt.
 

Eine Fehlentscheidung mit Folgen. Poulsen bekam den Ball aus kürzester Distanz, ohne aktive Handbewegung und Körpervergrößerung an die Hand. Australien glich vom Punkt zum 1:1 aus, bei einem Sieg wären die Dänen bereits vorzeitig für das Achtelfinale qualifiziert gewesen. So muss gezittert werden. Tatsächlich war dies die erste Fehlentscheidung, die durch den Videobeweis hervorgebracht wurde. Die FIFA sollte diese unglaublich schwammige Handspiel-Regelung genauer definieren. Denn auch die Schiedsrichter haben ihre Probleme mit der Auslegung – siehe Antonio Mateu Lahoz.

Erkenntnis: Peru-Fans sind die lautesten

Wenn Peru in Russland gegen Frankreich spielt, ist es für die Südamerikaner ein Heimspiel. Klingt unlogisch, ist es aber nicht. Denn was die Anhänger der Rot-Weißen im Jekaterinburg-Stadion leisteten, gehörte in die Kategorie Gänsehaut. Zehntausende Fans nahmen die Entfernung von rund 13.900 Kilometern auf sich, um ihre Mannschaft anzufeuern.

Die Peruaner verbreiten gute Laune in Russland.
Imago/ITAR-TASS
Die Peruaner verbreiten gute Laune in Russland.

Wo waren die französischen Fans? Sicherlich auch im Stadion, allerdings waren die Europäer schlichtweg in der Unterzahl. Umso bedauernswerter ist es, dass Peru bereits jetzt schon das Achtelfinale verpasst hat. Ein K.o-Spiel mit diesen enthusiastischen Anhängern wäre eine Bereicherung für die WM. Aber: Gegen Australien kann die peruanische Nationalmannschaft noch einmal erfahren, wie sich ein Heimspiel in Russland anfühlt.

Erkenntnis: Kroatien spielt sich in den Favoritenkreis

Wer bitte war noch einmal dieser Lionel Messi? Und das soll der Vizeweltmeister Argentinien gewesen sein? Diese Fragen dürften sich einige Zuschauer ungläubig gefragt haben, als die Südamerikaner mit 0:3 gegen Kroatien verloren haben. Viel mehr Zuschauer dürften sich jedoch beeindruckt von den Europäern gezeigt haben. Die Mannschaft von Zlatko Dalic präsentierte sich bärenstark, nun zählen die Kroaten endgültig zum erweiterten Favoritenkreis.

Das Personal haben die Kroaten zweifelsohne: Mit Ivan Rakitic (FC Barcelona), Luka Modric (Real Madrid), Marcelo Brozovic, Ivan Perisic (beide Inter Mailand) und Mario Mandzukic (Juventus Turin) kicken Weltstars in weiß-rot kariert. Stars tummeln sich nicht erst seit gestern in Kroatien herum, doch ein richtiges Team entstand daraus nur selten. Das hat nun Dalic geschafft. Wie weit geht die Reise? Mit Blick auf das Turnier-Tableau kann Kroatien die Heimreise noch etwas nach hinten verschieben. Als Gruppenerster erwartet die Kroaten aller Voraussicht nach Dänemark oder Australien im Achtelfinale – machbar. Im Anschluss warten Spanien, Portugal, Russland oder Uruguay. Auch das ist angesichts des Kroatischen Galauftritts durchaus lösbar. Die Kroaten haben Argentinien und der Welt gezeigt, dass mit ihnen zu rechnen ist.

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